ToneTalk

ToneTalk 20.02.2012

AT THE GATES , THE HAUNTED - »Ich bin sehr faul und übe nie«

Tonetalk
Name: Anders Björler
Bands: The Haunted, At The Gates
Instrument: Gitarre

Anders, wann und warum hast du angefangen, Gitarre zu spielen?

»Ein Freund von mir spielte Gitarre, und damals haben er, mein Bruder und ich ständig Metallica gehört. Der Freund besaß ein Metallica-Songbook von „Master Of Puppets“, und so fing ich an, bei ihm zu Hause zu üben.«

Wie alt warst du damals?

»15 oder 16.«

Hattest du zuvor schon ein anderes Instrument gespielt?

»Ja, ein bisschen Flöte, Klarinette und Klavier.«

Kommst du aus einer musikalischen Familie?

»Ja, mein Großvater war Violinist in einem Orchester. Und meine Mutter und ich spielten Klarinette.«

Was ist deiner Meinung nach bisher dein künstlerisches Highlight?

»Das ist eine schwierige Frage. Darüber habe ich ehrlich gesagt auch noch nie nachgedacht. Aber im Allgemeinen mag ich die weicheren und progressiven Parts und versuche immer, Dinge einzubeziehen, die nicht unbedingt typisch für Metal sind.«

Wie viele Gitarren besitzt du?

»Ca. zehn Stück.«

Gab es ein Riff, einen Song oder ein Solo, das dich beim Üben in den Wahnsinn getrieben hat?

»Ja, ich habe mich immer wieder mal an ein paar Sachen von Malmsteen versucht, aber das war verdammt schwer. Hauptsächlich haben wir Stücke von Metallica gespielt und wurden dann immer härter. Es folgten Slayer, Morbid Angel und anschließend der ganze Death-Metal-Underground. Ich habe aber nie versucht, nur die anspruchsvollsten Sachen zu können, sondern habe mir einfach die Dinge ausgesucht, die ich mochte. Deshalb habe ich nie stundenlang irgendwelche Skalen geübt, sondern zu Platten mitgespielt.«

Versuchst du heute noch, dich zu verbessern, und gibt es Dinge, die eine Herausforderung für dich sind?

»Ich bin sehr faul und übe nie. Ich mache einfach Musik und nicht irgendwelche Übungen.«

Besitzt du eine Gitarre, die dir besonders viel bedeutet?

»Meine ersten beiden Gitarren habe ich nicht mehr. Die eine habe ich Tomas („Tompa“ Lindberg, u.a. Sänger bei At The Gates - ah) gegeben, als er bei Skitsystem gespielt hat. Die andere ist kaputtgegangen, und ich habe sie weggeworfen. Diese beiden haben mir schon viel bedeutet. Die erste war eine Strat-Kopie von Vester, die andere eine Ibanez Maxxas. Die sieht dem Modell von Satriani ähnlich.«

Benutzt du heutzutage Custom-Modelle oder Gitarren, die man in jedem Laden kaufen kann?

»Custom-Modelle von Caparison. Das sind handgefertigte Instrumente einer kleinen japanischen Firma. U.a. spielt auch Chris Amott von Arch Enemy solche Gitarren. Ich habe zwar kein eigenes Custom-Modell, aber bei meiner Gitarre habe ich die Standardversion um ein paar Features ergänzen lassen. Sie dürfte ungefähr 2.500 Euro wert sein.«

Wie wichtig ist dir das Design einer Gitarre?

»Am wichtigsten ist, dass sie sich gut anfühlt. Natürlich muss sie mir auch gefallen, eine pinke Gitarre würde wohl nicht so gut funktionieren (lacht). Alle meine Gitarren sind schwarz oder zumindest sehr dunkel.«

Kabel oder Sender?

»Kabel. Das klingt besser, und Sender machen auch gerne mal Probleme, weil sie nicht richtig funktionieren. Das kann bei einem Kabel zwar auch vorkommen, aber dann wechselt man es eben schnell. Bei einem Sender muss man dann erst mal auf Fehlersuche gehen, was oft deutlich länger dauert.«

Benutzt du Bodenpedale oder 19“-Effekte?

»Straight in. Einfach nur in den Amp und fertig. Ich benutze lediglich ein Pedal zum Stimmen der Gitarre, mit dem sich das Signal auch komplett abschalten lässt. Das war´s.«

Röhre, Transistor oder Amp Modeling?

»Ich mag den klassischen Röhren-Sound. Es gab vor etlichen Jahren die Valvestate-Serie von Marshall, und die haben sie mal mit Röhrentechnik kombiniert. Das klang auch ziemlich gut.«

Was ist wichtiger, Feeling oder Technik?

»Feeling. Ich habe schon etliche sehr gute Techniker gehört, die total beschissen klangen, weil ihr Spiel einfach nur langweilig und statisch war. Allerdings mag ich auch Malmsteen, der vielleicht auch mal Fehler macht, aber das richtige Feeling hat.«

Welchen Gitarristen hörst du gerne solieren?

»Ich mag die simplen Sachen von z.B. Tony Iommi oder Ritchie Blackmore. Da gibt´s sehr viel Gefühl und einfache sowie schöne Melodien.«

Wer war dein größter Einfluss?

»James Hetfield war ein großer Einfluss für mich, mehr als Kirk Hammett. Auch seine Soli gefallen mir besser als die von Kirk.«

Was ist dein Lieblingssound auf einer Platte?

»Der Sound von Meshuggah auf ihrer „None“-EP ist sehr gut. Ziemlich trocken mit einem guten Attack.«

Was ist der schlimmste Sound, den du je gehört hast, oder gibt es generell Sounds, die du nicht magst?

»In Flames? (Lacht) Nein, das war ein Scherz. Einige Black-Metal-Bands scheinen einen schlechten Sound zu haben, aber natürlich geschieht das mit voller Absicht. Ich mag es trotzdem nicht.«

Gibt es einen Gitarristen, mit dem du dich gerne mal über Equipment oder Spieltechniken unterhalten würdest?

»Nicht wirklich, da ich mich nicht so sehr für die technischen Details interessiere. Ich unterhalte mich zwar gerne über Musik im Allgemeinen, aber nicht unbedingt nur über Gitarrenkram. Das ist mir irgendwie zu nerdy.«

Welcher Gitarrist sieht auf der Bühne am coolsten aus?

»Hm, vielleicht Yngwie Malmsteen heutzutage, wo er so fett ist (lacht). Nee, keine Ahnung. Es gibt viele, die sehr cool aussehen, Kerry King beispielsweise. Solange sie nicht zu bemüht, sondern entspannt aussehen, wenn sie spielen, sieht es meistens gut aus. Dann strahlt man auch aus, dass man weiß, was man tut, und erscheint selbstbewusst.«

Welcher Gitarrist nervt mit seinem Spiel am meisten?

»Allgemein alle, denen das Feeling fehlt und die dementsprechend zu steif klingen.«

Welcher Gitarrist ist unterbewertet?

»Puh, da fällt mir kein bestimmter Name ein, aber es gibt schon sehr viele talentierte Jungs und Mädels da draußen, die Aufmerksamkeit verdient hätten.«

Wer ist überbewertet?

»Ich denke, dass viele Amerikaner sich in erster Linie gut vermarkten und deshalb ständig in Gitarren-Magazinen auftauchen, obwohl sie eigentlich nichts Besonderes sind. Gitarristen werden oft von Fans in irgendwelche Bestenlisten gewählt, dabei bewerten die Fans und Leser solcher Magazine aber eigentlich nicht den Gitarristen, sondern wählen einfach ihre Lieblingsband. So finden sich in solchen Listen eigentlich immer ein paar Kandidaten, die da normalerweise nichts zu suchen haben. Für mich muss ein guter Gitarrist kreativ und originell sein und Feeling haben. Und Melodien sind natürlich auch wichtig.«

Was ist die hässlichste Gitarre, die du je gesehen hast?

»Die Ibanez-Steve-Vai-Modelle mit dem Griff in diesen grünen oder pinken Neonfarben.«

Welche Amps benutzt du?

»Den Powerball von Engl oder den 5150 und 6505 von Peavey.«

Besuchst du regelmäßig Gitarrenläden, um neue Dinge auszuprobieren?

»Nein, was das anbelangt, bin ich ziemlich bequem.«

Liest du Gitarrenmagazine?

»Nein. Das habe ich auch früher nie gemacht.«

Was macht dir mehr Spaß, die Arbeit im Studio oder live auf der Bühne?

»Ich mag beides. Ein guter Auftritt kann genauso viel Spaß machen wie die Arbeit im Studio, aber beides hat seine Höhen und Tiefen.«

Was kann bei Live-Auftritten am meisten nerven?

»Wenn der Bühnensound scheiße ist, macht es keinen Spaß. Man muss das, was man hören will, deutlich und sauber erkennen können. Wenn irgendetwas zu laut ist oder man ständig irgendwo Feedbacks hat, nervt das wie Sau, und man kann sich nicht konzentrieren. Eigentlich brauche ich nur die Snare und die Bassdrum auf dem Monitor.«

Hast du Rituale, bevor du auf die Bühne gehst?

»Ich kotze (lacht). Nein, so etwas habe ich nicht.«

Gibt es einen Live-Auftritt, an den du dich besonders gerne zurückerinnerst?

»Der At-The-Gates-Auftritt in New York war etwas sehr Besonderes. Das ganze Publikum hat die Songs mitgesungen, das war grandios.«

Gibt es eine Platte, auf der du gerne gespielt hättest?

»Eigentlich alle Lieblingsplatten aus meiner Kindheit, von Metallica, Slayer usw.«

Was ist die größte Lüge im Rock´n´Roll?

»Sex, Drugs und Rock´n´Roll, denn eigentlich ist es nur sich langweilen, warten und einen Kater haben.«

TEST

REUSSENZEHN

True Metal Distortion Box

Fakten: Seit 1968 befasst sich Thomas Reußenzehn aus Offenbach mit der Optimierung und der Herstellung von Phono- und Gitarren-Röhrenverstärkern. In den achtziger Jahren erlangten die von ihm getunten Marshall-Amps Berühmtheit, als Bands wie ZZ Top, die Toten Hosen, BAP oder die Rodgau Monotones Reußenzehn-Amps spielten. Seine neueste Entwicklung ist das TRUE METAL-Distortion-Pedal, das auf eine Vollröhrenschaltung setzt und somit ohne Halbleiter im Signalweg auskommt.

Details: Das Gehäuse besteht aus einer äußerst stabilen Metallhülle, und die Röhren werden durch ein gebogenes Lochblech von Umwelteinflüssen abgeschirmt. Für die Klangregelung stehen drei Drehregler (Distortion, Output, Edge) zur Verfügung. Das Gerät kostet 299 Euro und ist nur bei Reußenzehn direkt zu beziehen.

Praxis: Thomas Reußenzehn bezeichnet den TRUE METAL sehr treffend als Bodengefechtsstation, was im Umkehrschluss bedeutet, dass wir es hier nicht mit der Sorte Tube-Screamer oder Overdrive-Pedal zu tun haben, die lediglich dazu gebraucht werden, den Sound minimal anzufetten oder beim Solo ein paar zusätzliche Dezibel aufzufahren. Dies macht der TRUE METAL auch von Beginn an unmissverständlich klar.

Schon kurz über „Null“ verwandelt der Distortion-Regler einen komplett cleanen Sound in ein kräftiges Zerrgewitter, das manch andere Tretmine nicht auf „Zehn“ abzurufen imstande ist. Vorausgesetzt, die Hardware der Klampfe stimmt, lässt sich der Gain-Level sehr gut über den Volume-Regler der Gitarre variieren. Der TRUE METAL reagiert dabei stets sehr direkt, unverfälscht, differenziert und ehrlich auf einen dynamischen Anschlag, egal ob Akkorde komplett oder die Saiten einzeln angeschlagen werden. Bei Leads klingt der Anschlag giftig und durchsetzungsfähig, aber der Ton präsentiert sich stets angenehm singend. Wer mit dem Grad der Verzerrung gerne mal Unzulänglichkeiten bei schnellen Anschlägen kaschiert, wird hier sofort entlarvt, denn trotz der immens hohen Gain-Reserven, die der TRUE METAL bei Bedarf abfeuert, liefert er auch gleichzeitig immer ein sehr genaues und differenziertes Bild der Spielcharakteristik seines Nutzers. Vor der Inbetriebnahme sollte man allerdings nach Möglichkeit den Verzerrungsgrad am Amp auf ein Minimum bis hin auf total clean reduzieren und äußerste Vorsicht bei der Dosierung von Treble und Presence walten lassen. Ansonsten ist Ohrenbluten angesagt. Das Ding brüllkreischt, sägt, faucht und schreit mit einer Vehemenz und einem Druck, wie man es von Bodenpedalen nicht gewohnt ist. Wer insgesamt ein eher dumpfes Klangbild mag und sich am liebsten im Frequenzkeller mit dem Bassisten duelliert, wird sich trotz der hohen Gain-Reserven mit dem TRUE METAL wahrscheinlich nicht auf Anhieb anfreunden können. Aber hey, schließlich heißt das Ding ja auch True und nicht Shit Metal.

www.reussenzehn.de

Bands:
THE HAUNTED
AT THE GATES
Autor:
Andreas Himmelstein

Melde dich für unseren Newsletter an und verpasse nie mehr die wichtigsten Infos

Diese Seite verwendet Cookies. Erfahrt in unserer Datenschutzerklärung mehr darüber, wie wir Cookies einsetzen und wie Ihr Eure Einstellungen ändern und Cookies deaktivieren könnt. Darüber hinaus verwenden wir Cookies Dritter für die Einbindung audiovisueller Inhalte durch Youtube, Spotify und Soundcloud. Dem könnt ihr hier zustimmen oder dies ablehnen. Datenschutzerklärung ansehen.