Interview

Interview 21.02.2020, 12:10

ANGELLORE - Interview mit der Demo-/Eigenproduktionsband 03/20

Das 2007 in Frankreich von Sänger Walran (ABDUCTION) und Multi-Instrumentalist Rosarius gegründeten Doom-Metal-Quintett ANGELLORE legt mit einem einstündigen Langspieler namens „Rien Ne Devait Mourir“ nach, der in RH Vol. 394 zum Tipp des Monats unter den Eigenproduktionen gekürt wurde. Wir ergreifen die Gelegenheit, um der tragischen Gothic-Atmosphäre auf den Grund zu gehen.

Hi Walran! Nach fünf Jahren des Wartens ist es nun soweit: Euer dritter Longplayer „Rien Ne Devait Mourir“ ist erschienen. Wie geht’s dir damit? Bist du mit den bisherigen Reaktionen zufrieden?

»Nun, um ehrlich zu sein, es ist sowohl eine große Freude als auch eine tiefe Erleichterung. Ich muss gestehen, dass bei diesem Album vom ersten Tag an alles ziemlich kompliziert und stressig war! Das Songwriting ist sozusagen immer der "leichte" Teil, aber wenn die Zeit für die Aufnahmen kommt, dann fängt der Ärger erst an. Wir hatten nicht geplant, so lange zu brauchen, da das Album fast vollständig geschrieben war, als "La Litanie des Cendres" 2015 veröffentlicht wurde, und weil die ersten Studiosessions bereits im Sommer 2016 stattfanden. Wir hatten mit vielen unvorhergesehenen Schwierigkeiten zu kämpfen... Und als das Album endlich fertig war, beschlossen wir, es auf einem anderen Label zu veröffentlichen, und auch die Suche dauerte einige Zeit. Wie auch immer, jetzt ist das Album endlich raus, und die Reaktionen sind größtenteils positiv. Einige Leute haben uns ziemlich negative oder nur mäßige Kritiken gegeben, aber die meisten unserer Anhänger drückten eine tiefe Liebe für das Album aus - was sich unglaublich anfühlt. Die Produktion war eine ziemliche Tortur, aber all das Leid, das wir durchgemacht haben, war nicht umsonst! Scheinbar haben wir etwas richtig gemacht.«

Was bedeutet der Albumtitel? Wofür steht er für dich und warum habt ihr euch für diesen Titel entschieden?

»Übersetzt bedeutet er: "Nichts sollte sterben". Es ist ein Vers aus einem Gedicht mit dem Titel "Der kranke Schmetterling" (Le Papillon Malade) von Marceline Desbordes-Valmore, einer romantischen Dichterin aus dem 19. Jahrhundert. Rosarius hat das vorgeschlagen und wir haben uns sofort in diese Idee verliebt. Das Album beschäftigt sich hauptsächlich mit dem Tod, aber jedes Lied nimmt einen anderen Blickwinkel ein. Man kann den Albumtitel auf zwei Arten verstehen. Entweder wird er angesichts der Not und der blinden Urteile des Todes als Bedauern ausgelegt, wie: "Ich verstehe nicht, was passiert ist. Was ist schiefgegangen? Ich dachte, nichts hätte sterben sollen". Oder als eine Feststellung und eine Beobachtung, die voller Licht und Herrlichkeit ist: "Seht, nichts sollte sterben... und nichts ist gestorben!". Es hat ein schönes Gefühl der Zweideutigkeit, und das passt meiner Meinung nach unglaublich gut zur ANGELLORE-Musik.«

Die Atmosphäre des Albums ist melancholisch und episch, aber dennoch romantisch. Es wurde am Valentinstag veröffentlicht. War das Absicht?

»Nein. Ausnahmsweise hatten wir Glück! Heutzutage werden die Alben fast immer freitags veröffentlicht. Als unser Label diesen Freitag vorschlugen, sagten wir sofort "Ja" - nicht nur, weil wir uns so auf die Veröffentlichung gefreut haben, sondern auch, weil wir dachten, dass genau dieses Datum in der Tat vollkommen passend wäre!«

Ihr habt euch nach einem Song vom Tristania-Album "Widow's Weeds" benannt. Ist Gothic Metal der Ursprung eurer Band und aller Bandmitglieder? Was sind eure Einflüsse?

»Es ist interessant, weil wir innerhalb der Band alle sehr unterschiedliche musikalische Vorlieben haben, aber die gleiche Leidenschaft für melodischen Doom und Gothic Metal teilen. Rosarius und ich haben uns 2007 online kennengelernt, dank unserer gemeinsamen Bewunderung für das "Veronika Decides To Die"-Album von Saturnus und haben schnell festgestellt, dass wir noch andere Lieblingsbands gemeinsam haben: Draconian, Shape Of Despair, Empyrium, Tristania, Estatic Fear, Theatre Of Tragedy... Unsere Einflüsse stammen aus dem atmosphärischen Metal der Neunzigejahre, sei es Doom/Black oder Gothic. Heutzutage ist das Genre bei weitem nicht mehr so populär wie damals, deshalb versuchen wir, ihm neues Leben einzuhauchen und etwas mehr Aufmerksamkeit zu schenken. Wir wissen, dass wir nicht die Einzigen sind, denen diese tragische Atmosphäre, die hohen Keyboards, die herzzerreißenden Melodien fehlen, deshalb ist es schön, uns auf diese Weise auszudrücken.«

Für mich klingt euer neues Album sehr atmosphärisch und eher nach Doom Metal mit einem Gothic-Touch. Wie würdest du euren Stil beschreiben?

»Ich denke, du hast es auf den Punkt gebracht! Wir fühlen uns beispielsweise mit "atmosphärischem Doom/Gothic Metal" oder "melodischem/symphonischem Doom Metal" wohl. Ein Kritiker sagte einmal, dass wir "majestätischen, traurigen Metal" spielen. Wir lieben diese Beschreibung wirklich, hatten aber Angst, überheblich zu klingen, wenn wir anfangen, ANGELLORE als "die Meister des majestätischen traurigen Metal" vorzustellen...«

Auf dem Cover von "Rien Ne Devait Mourir" sind zwei Personen zu sehen, die in Tücher gewickelt sind, so dass man ihre Gesichter nicht erkennen kann. Wofür stehen sie? Was war die Idee des Covers und wer hat es entworfen?

»Das Cover wurde von unserem Bassisten Celin entworfen. Er war von Anfang an für die visuelle Seite der Band verantwortlich, noch bevor er ein offizielles Mitglied von ANGELLORE war. Bei der künstlerischen Gestaltung der beiden vorherigen Alben hatte ich ein Mitspracherecht, aber dieses Mal beschloss ich, ihm volle künstlerische Freiheit zu gewähren. Celin wurde von der Fotografin Sarah Moon oder den Archiven der Tänzerin Isabella Duncan inspiriert. Ich weiß, dass er etwas tun wollte, das die dunklere Seite unseres neuen Albums zum Ausdruck bringen würde, mit einer unheilvolleren Figur des Engels, die hier als Führer in den Tod abgebildet ist. Der Hintergrund des Covers ist schwarz. Da Schwarz das ist, was man sieht, wenn man die Augen schließt, ist es die größtmögliche Leinwand für die Vorstellungskraft. Dort kann alles passieren. Wenn es um die beiden Figuren geht, gibt es auch eine Vielzahl an Interpretationen. Meine wäre der Übergang vom Leben zum Tod, der auch die Zweideutigkeit des Albumtitels, die ich vorhin erwähnt habe, widerspiegelt.«

Wo habt ihr das Album aufgenommen?

»Schlagzeug, Gitarre, Bass, Gesang, die Geige und die meisten Keyboards wurden im EverTone Studio in der Nähe von Marseille (Frankreich) aufgenommen, wo wir immer einkehren. Wir haben eine große persönliche und musikalische Verbindung zu Florent Krist, unserem Toningenieur und Produzenten, der dort arbeitet. Aber einige Teile wurden an ganz anderen Orten aufgenommen. Die Chöre, die das Album eröffnen, und die Orgel am Ende von 'Drowned Divine' wurden zum Beispiel in verschiedenen Kirchen aufgenommen, ebenso wie der kurze akustische Teil, der 'A Romance Of Thorns' abschließt. Die großartigen Klavier-Parts in diesen beiden Liedern wurden auf der Bühne eines leeren Theaters aufgenommen! Einige der Flöten- und Cello-Soli wurden im Keller meines früheren Arbeitsplatzes aufgenommen, andere zu Hause. Wir haben versucht, uns an die Umstände anzupassen, und obwohl es bei weitem am schwierigsten war, das Album zusammenzustellen, glaube ich, dass es die Gesamtatmosphäre noch stärker macht. Jeder Teil der Musik, jedes winzige Detail hat seine eigene Geschichte. Es war ein ziemlicher Kampf, aber das Ergebnis spricht hoffentlich für sich selbst.«

Ihr habt einen interessanten Instrumenten-Mix. Es gibt elektrische Gitarren und Bass, aber auch Keyboards und Folk-Instrumente. Außerdem habt ihr mit Gastmusikern wie Gunnar Ben von SKÁLMÖLD gearbeitet. Wie kam es zu dieser Mischung?

Als wir anfingen, das Album zu schreiben, waren Rosarius und ich uns einig, dass es großartig wäre, auf einen organischeren Sound hinzuarbeiten und Synthesizer durch richtige akustische Instrumente zu ersetzen, wann immer wir die Gelegenheit dazu haben. Wir lieben die Textur der Synthesizer, hatten aber das Gefühl, dass wir durch den Einsatz echter Instrumente stärkere Emotionen und einen symphonischeren Ansatz erzeugen könnten. Das war also der Grund für diese Herangehensweise. Gunnar war der beste - und einzige - Oboenspieler, den ich kannte, also bat ich ihn uns etwas einzuspielen, und er stimmte netterweise zu. Er hat die Teile, die wir für ihn geschrieben hatten, gespielt und ein paar eigene Details hinzugefügt, und wir sind wirklich dankbar für seine Beiträge!

'Que Les Lueurs Se Dispersent' ist das einzige Lied auf Französisch. Für mich klingt es traurig. Wovon handelt es? Und warum habt ihr beschlossen, es in eurer Muttersprache zu singen?

»Ich teile deine Meinung: Ich halte es für das traurigste, melancholischste Lied, das wir je gemacht haben, und es passt perfekt für den Abschluss des Albums. Es geht darum, vor der Härte und Hässlichkeit der Welt davonzulaufen und seinen Körper in der Wildnis, unter dem Mond, ruhen zu lassen... für immer. Eine ziemlich tragische Geschichte, ganz sicher! Das Lied wurde 2010 von Rosarius in einer komplett nicht-metallischen Version geschrieben und wir fanden, dass dieses Lied zu schön und zu "ANGELLORE-artig" ist, als dass wir es weglassen könnten, also haben wir ein paar Änderungen vorgenommen und es als Band "gecovert". Wir haben den ursprünglichen Text und die Gesangsmelodien beibehalten, weil sie so schön waren, wie sie waren. Vielleicht machen wir sowas in der Zukunft nochmal.«

Was können wir in Zukunft von ANGELLORE erwarten? Könnte es einige Auftritte geben? Mit welchen Bands würdest Du gerne auf Tour gehen?

»Leider haben wir mit ANGELLORE noch nie live gespielt! Wir hatten in der Vergangenheit einige schöne Gelegenheiten, aber wir haben es nie geschafft, rechtzeitig fertig zu werden und sie zu nutzen. Wir sind über das Land verstreut, was es schwierig macht, sich regelmäßig zu treffen und zu proben. Und ich muss sagen, wir lieben das Songwriting und das Spielen neuer Lieder noch mehr als das unserer "Klassiker". Aber, sag niemals nie... Der Plan ist, dass wir uns zumindest bis zum Ende des Jahres auf das vierte Album zu konzentrieren und dann damit anfangen, professioneller zu proben, hoffentlich mit einem zweiten Gitarristen. Wir würden absolut gerne mit Draconian, Saturnus, Shape Of Despair oder Empyrium auf Tour gehen. Das würde sich von musikalischer Seite her sehr natürlich anfühlen, und damit würde auch ein Traum wahr werden!«

Da wir zum Ende dieses Interviews kommen, überlasse ich dir das letzte Wort. Möchtest du noch etwas hinzufügen, worüber wir noch nicht gesprochen haben?

»Ich möchte dir nur für deine Zeit und dein Interesse an der Band danken. Ich hoffe, dass einige der Rock-Hard-Leser dem Album, das mit Liebe, Schweiß, Tränen und Leidenschaft entstanden ist, eine Chance geben werden!«

https://angellore.bigcartel.com

www.facebook.com/AngelloreDoom

Bands:
ANGELLORE
Autor:
Lisa Scholz

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