ReviewAlbum

Band
MEGADETH 
Kategorie
Album 
Heft
RH #25 
Titel
So Far, So Good.... So What! 
Erscheinungsjahr
1988 
Note
10.0 

Seit ca. drei Wochen gibt es nur noch eine Platte, die hier bei mir ununterbrochen läuft. Na klar, die Rede ist von "So Far, So Good... So What!", dem neuen Meisterwerk von MEGADETH. Damit ist im Grunde auch noch nicht zuviel verraten, denn daß das Quartett nach dem Überhammer "Peace SelIs" (im Nachhinein gesehen für mich DAS Album schlechthin!) eine super Nachfolge-LP bringen mußte, stand von vornherein außer Frage. Eine Sache, die man dem 'Megadave'-Team Mustaine/Ellefson ohne weiteres zutrauen konnte. Über die Besetzungswechsel konntet ihr ja schon im letzten Rock Hard so gut wie alles erfahren, kommen wir zur Platte: Die Scheibe startet diesmal mit "Into The Lungs Of Hell", einem hervorragenden Instrumental-Stück, das schnell ins Ohr geht und unter Beweis stellt, daß die Herren MacAlpine/Malmsteen etc. nicht die einzigen sind, die sich in diesem Genre zuhause fühlen. Ein erstklassiger Opener! Mit "Set The World Afire", der ersten Gesangsnummer, hatte ich zugegebenermaßen erst einige Schwierigkeiten, da die Nummer alles andere als eingängig ist. Nach mehrmaligem Hören erweist sich der Song aber als Volltreffer. Ein weiterer Beweis dafür, daß MEGADETH kein Stück kommerzieller geworden sind, diese Nummer würde sich überhaupt nicht als Single eignen und dürfte beim ersten Anhören schwer zu verdauen sein. Das Sex Pistols-Cover "Anarchy In The UK" ist ehrlich gesagt nicht das, was ich erwartet hatte. Sicher ist es toll, daß dieser Song von Megadeth überhaupt ausgegraben wird und Steve Jones persönlich mitgezockt hat. Aber vielleicht gerade deshalb ist das Cover zu sehr am Original geblieben, ein bißchen mehr heaviness hätte auch nicht geschadet. Der kommende Videoclip wird der Band aber sicher einen guten Dienst erweisen. Nicht schlecht. aber von Megadeth hätte ich hier etwas mehr erwartet. Mit "Mary Jane" beschließt ein weiterer Höhepunkt die erste Seite. Vor allem der harmonische Anfang kann begeistern. Zum Ende hin wird die Nummer über eine 'Hexe', die von ihrem Vater lebendig begraben wurde (wahre Begebenheit) schneller und dramatischer. "Mary Jane" ist ein weiteres Beispiel für die Vocal-Künste des Dave Mustaine. Zwar mangelt es etwas an Stimmvolumen, aber der MEGADETH-Frontman versteht es wie kein anderer, Stimmungen glaubhaft rüberzubringen. Ein Mann mit Charisma! "502" ist die härteste Nummer von "So Far.." und handelt übers Heizen auf dem Highway, einer Sache, der unser Rotschöpfchen wohl besonders zugetan ist. Der Mittelteil dürfte wohl entweder zu Schweißausbruchen oder Begeisterungsstürmen führen. "In My Darkest Hour". Hervorragender Song, die melancholische Grundstimmung kommt hundertprozentig beim Hörer an. Zu "Liar" kann man eigentlich nicht viel sagen, außer daß das eine weitere sehr gute und kraftvolle MEGADETH-Nummer ist. "Hook In Mouth" ist Dave's rotzfreche Antwort auf die PMRC. Der Songaufbau ist einfach phantastisch, der Hass gegenüber der Zensur kommt sehr gut zum Ausdruck. Soundmäßig ist "So Far..." ein harte Platte, bei der die Gitarren im Vordergrund stehen, geworden. "Peace Sells" war für meine Begriffe insgesamt etwas druckvoller, aber trotzdem kann sich "So Far..." sehen lassen, alle Instrumente kommen klar rüber. Warum diese Kritik so lang geworden ist? Nun, "So Far, So Good... So What!" ist wirklich eine Platte, mit der man sich beschäftigen kann und die man auch nicht gleich nach dem ersten Anhören durchschaut. Vor allem die Art und Weise wie MEGADETH ihre Songs interpretieren, sollte einigen Bands mal zu denken geben, die sich mit simplen Refrains, Texten und Songaufbauten darüber wundern, daß ihre Platten als langweilig und einfallslos abgetan werden. Allein deswegen und um den Abstand zu diesen Combos auch zahlenmäßig zu wahren, bekommt "So Far.." eine fette 10, auch wenn die Platte nicht besser ist als "Peace Sells" (aber das wäre wohl auch etwas zuviel verlangt).


Holger Stratmann 10.0

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