ReviewDynamit

Band
MEGADETH 
Kategorie
Dynamit 
Heft
RH #43 
Titel
Rust In Peace 
Erscheinungsjahr
1990 
Note
9.5 

Kühnemunds Triumph war perfekt. Wild tanzend hüpfte unser Redaktionsheavy über seinen Schreibtisch, der unter seiner Last zusammenzubrechen drohte. "Seine" Priest-Scheibe schien beim ersten Höreindruck das deutlich bessere Album zu sein, verglichen mit "unserer" (Sexmonster Albrechts und meiner) 'Deth-Scheibe. Zugegeben, der erste Höreindruck war nicht gerade umwerfend. Zwar strotzt der Opener 'Holy Wars/Punishment Due' vor guten Mustaine Riffs und begnadeten Soli des neuen Axeman Marty Friedman, doch der Gesamtzusammenhang wollte sich bei diesem, mit vielen Tempowechseln und Breaks versehenen, Stück noch nicht erschließen. Mit jedem weiteren Hören wächst "Rust In Peace" allerdings zum nächsten Megadeth-Knaller. Nach der (größtenteils) recht eingängigen "So Far, So Good, So What"-LP setzt Mustaine wieder auf ungewöhnliche Songstrukturen, wie bei dem treibenden 'Hangar 18' (zwei Strophen, eingebettet in zahlreiche Gitarrenleads) oder dem angesprochenen Opner, der durch den schleppenden Mittelteil glänzt. Songs wie 'Take No Prisoners', 'Poison Is The Cure' oder das geile 'Tornado Of Souls' bieten gradlinige Power und sind der Beweis dafür, dass MEGADETH nichts von ihrer Härte eingebüßt haben. Vielleicht fehlen diesem Album wirklich Klassiker á la 'Wake Up Dead', 'Loved To Deth', 'Black Friday' oder 'In My Darkest Hour', wie Kühnemund moniert. Nichtsdestotrotz ist "Rust In Peace" ein Klassealbum, bei dem jeder Song hörenswert und mit messerscharfen Gitarren, rotzigen Vocals, begnadeten Soli und interessanten Details gespickt ist. MEGADETH pur eben! (9,5)


Holger Stratmann 9.5