ReviewAlbum

Band
MICHAEL KISKE 
Kategorie
Album 
Heft
RH #112 
Titel
Instant Clarity 
Note
8.0 

Um es gleich vorwegzunehmen: Wer von Michael Kiskes Solo-Debüt ein Album erwartet, das man sich mal kurz so eben nebenbei reinpfeifen, dabei nett mit den Füßen wippen und mit der Birne bangen kann, spart lieber die Kohle und gönnt sich einen weiteren Durchlauf von Helloweens "The Time Of The Oath". Denn der Erstling des Ex-Kürbisses ist ein durchaus sperriges Teil, von dem ich auch nach fünf Hördurchgängen noch nicht so genau wußte, was ich davon zu halten habe. Anfangs kamen, zugegebenermaßen, durchaus diffuse Erinnerungen an das keineswegs üble Tempest-Solo "A Place To Call Home" auf. Nicht etwa stilistisch - hier wie dort war lediglich der Ex-Sänger einer populären Band am Start, der noch nicht so recht zu wissen schien, wo er sich musikalisch zu positionieren hat. Nach nunmehr über zehn Durchläufen muß ich diesen Eindruck zumindest bei Michael revidieren. Songs wie etwa das getragene 'Burned Out', dem ich zunächst das Prädikat "Füllmaterial" zu verpassen gewillt war, haben wie das komplette Album durchaus Hand und Fuß - wenn man sich denn wirklich die Zeit nimmt und der Platte eine Chance gibt, langfristig ihre Wirkung zu verbreiten. Was anfangs nicht unbedingt das reine Vergnügen ist. Klar, Nummern wie das flotte 'The Calling' oder der kraftvolle Metaller 'New Horizons' zünden gleich, aber Tracks wie das zuweilen an Saigon Kick oder Rush erinnernde 'Somebody Somewhere' oder etwa 'Time's Passing By' sind zunächst unscheinbare, dafür aber nach einiger Zeit umso funkelndere Perlen. Zweifellos hat Michael sein Potential noch nicht annähernd ausgeschöpft, "Instant Clarity" beweist jedoch eindrucksvoll, daß hier eine ungeheure kreative Energie schlummert. Wenn der blonde Hamburger den Spagat zwischen eigenem Anspruch und Massentauglichkeit etwas feiner justiert, ist ihm auch nach Helloween eine beachtliche Karriere zuzutrauen.


Jan Michael Dix 8.0

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