ReviewAlbum

Band
PORCUPINE TREE 
Kategorie
Album 
Heft
RH #145 
Titel
Stupid Dream 
Erscheinungsjahr
1999 
Note
9.0 

Achtung! Diese Scheibe bitte nicht schon nach dem ersten Hören mit einem gelangweilten Gähnen in den Sondermüll kicken! Zwei, drei Durchläufe des Nachts bei Kerzenschein in der Badewanne, und der anfänglich eher unscheinbare "Stupid Dream" wird euch verzaubern wie selten eine Platte in den letzten Jahren. Den Briten PORCUPINE TREE, im europäischen Ausland schon längst ein etablierter Act, gelingt auf ihrem siebten Album etwas, was zuvor noch keine Band geschafft hat: Sie fügen topmodernen, anspruchsvollen Mainstream-Rock und den 70s-Artrock britischer Ausprägung so geschickt zusammen, daß es keinerlei Reibungspunkte und Schweißnähte gibt. Ein unbeleckter Rock-Fan der 90er wird nicht einmal ahnen, daß der Vierer um Multitalent Steven Wilson oft und gerne Platten aus der mittleren Pink Floyd-Schaffensphase hört - so feinfühlig wurde das musikalische Erbe von Waters & Co. in Songs integriert, die ansonsten eher (aber immer nur ein kleines bißchen) an die Manic Street Preachers oder die hohe US-Schule à la Radiohead erinnern. Jede der elf Gänsehaut-Perlen basiert auf simplen Songideen mit unwiderstehlichem Widerhakeneffekt, die aufgrund der sehr behutsam aufeinander abgestimmten Sounds, der abwechslungsreichen, clever eingefädelten Arrangements und der großartigen Stimme Wilsons ein nicht für möglich gehaltenes Eigenleben entwickeln. PORCUPINE TREE stehen mit ihrem wunderbar originellen Stil zwischen den Zeiten, kreieren Musik, die endlich mal das Prädikat "innovativ" auch wirklich verdient. Da orgeln analoge Uralt-Synthies wie selbstverständlich neben High Tech-Samples und erzeugen eine faszinierende Harmonie, die Genre- und Technikgrenzen bis zur Unkenntlichkeit verblassen läßt. Die Krone setzen dieser CD die wunderschönen, teils mehrstimmigen Gesangsmelodien und die im höchsten Maße lyrischen Texte auf. Als Einstiegsdrogen seien 'Piano Lessons' und 'Pure Narcotic' (zwei straighte Hits), das tieftraurige, leise Epos 'Don't Hate Me', das schön heftige 'Even Less' und der totale Melodien-Überhammer 'Stranger By The Minute' empfohlen. "Stupid Dream" ist die Platte, auf die viele alte Pink Floyd-Hasen gewartet haben, die aber blutjungen Liebhabern intelligenter Endneunziger-Rockmusik ebenso gut gefallen wird. Bitte viel, viel mehr davon!


Michael Rensen 9.0

AMAZONEMPFEHLUNG