ReviewAlbum

Band
THE MARS VOLTA 
Kategorie
Album 
Heft
RH #215 
Titel
Frances The Mute 
Erscheinungsjahr
2005 
Note
8.0 

(76:57)
Mit ihrem Longplay-Debüt „De-Loused In The Comatorium“ gelang den beiden ehemaligen At-The-Drive-In-Köpfen Cedric Bixler-Zavalas (v.) und Omar Rodriguez-Lopez (g.) ein Klassiker. Das neue Werk führt den Kurs konsequent fort und nimmt einen mit auf eine furiose Achterbahnfahrt durch den Freizeitpark der abgefahrenen Ideen. Trotz voll ausgereizter Spielzeit finden sich lediglich fünf Stücke auf dem Album. Die sind allerdings bis zu 27 Minuten lang und bestehen aus bis zu fünf Teilen. Das ist für meinen Geschmack etwas zu viel des Guten, zumal die unzähligen Breaks, nervigen Noise-Passagen, unnötig ausufernden Soundscapes und anstrengenden Freejazz-Trompeten zwar der künstlerischen Selbstprofilierung, aber nicht der Stringenz der Kompositionen dienen. Die ordnende Hand von Rick Rubin, der den Vorgänger betreute, wird teils schmerzlich vermisst. Gitarrist Omar hat sich mit dem Produzentenjob offensichtlich etwas zu viel zugemutet.
Ungeachtet dieser Abstriche ist auch „Frances The Mute“ streckenweise ein grandioses Album, das mit seiner konsequent nonkonformen Art beeindruckt. Der Stilmix aus Prog-, Classic- und Alternative-Rock, Ambient, Psychedelic, Funk, Jazz sowie Latin sucht seinesgleichen. Schon der gefühlvolle Epic-Rocker ´The Widow´, der wie eine Jamsession von Led Zeppelin, Incubus und Cake klingt, sowie der von kubanischen Salsa-Rhythmen dominierte Dance-Groover ´L´Viva L´Viaquez´ rechtfertigen den Kauf dieser von einem gewohnt exquisiten Storm-Thorgersen-Artwork (Pink Floyd) veredelten CD. Überdies glänzen noch die Subsongs ´Pour Another Icepick´ und ´Pisacis´ (beide aus ´Miranda That Ghost Just Isn´ Holy Anymore´) sowie der vertrackte Space-Rocker ´Tarantism´ (aus ´Cassandra Gemini´).
Auch wenn weniger mehr gewesen wäre: ein ungeheuer spannendes Hörerlebnis!


Marcus Schleutermann 8.0