ReviewDynamit

Band
KILLING JOKE 
Kategorie
Dynamit 
Heft
RH #195 
Titel
Killing Joke 
Note
8.5 

(55:52)
Ein paar Sekunden Musik vergehen, und man weiß sofort: Die meinen es
verdammt ernst! Einer wie Jaz Coleman lässt nicht umsonst acht Jahre
verstreichen oder unterbricht seine zahlreichen Orchester-Projekte, um
mit den Krawallbrüdern Geordie und Youth ein lauwarmes Album
aufzunehmen. Nein, hier strömt eine ziemlich düstere Gewalt aus jeder
Ritze, und der Gesang auf diesem Album ist einfach nur überirdisch gut. Da sitzt jede Silbe an ihrem Platz, und es fällt schwer, den perversen Gesangsstil Colemans in Worten zu beschreiben: Lemmy meets Reznor - ach, vergesst es einfach....
KILLING JOKE machen qualitativ da weiter, wo sie mit dem
Comeback-Klassiker "Pandemonium" und dem guten "Democracy"-Album
aufgehört haben. Eine Anbiederung an den Zeitgeist gibt es nicht. Die
Drums poltern diesmal, von Dave Grohl mit viel rhythmischer Raffinesse
versehen, durch den Düsterwald, die Keyboards werden dezent, aber
effektiv eingesetzt. Und Geordies Post-Punk-Geschredder ist immer noch
eine herrlich britische Angelegenheit, meilenweit vom
Einheits-Nu-Metal-Gepose entfernt. Insgesamt ist die Produktion aufs
Wesentliche reduziert, aber immer noch gewaltig genug, dass KILLING JOKE mit ihren geistigen Brüdern N.I.N. oder Ministry mithalten können. Höhepunkte gibt´s mit Stücken wie dem heftigen Opener ´The Death & Resurrection Show´, den am Rande des Wahnsinns pendelnden ´Asteroid´ und ´Implant´ sowie den Hymnen ´Loose Cannon´ oder ´Dark Forces´ mehr als ausreichend, obwohl der Glanz und die Abwechslung von "Pandemonium" nicht ganz erreicht werden. Bei ´Seeing Red´ hört man die Wurzeln der Band noch einmal deutlich heraus. Der Song hätte genauso gut auf dem Debüt oder "Night Time" stehen können.
Im Gegensatz zu vielen alternden Rockstars bleiben KILLING JOKE ihrem
Sound treu. Das will die Zielgruppe hören!


Holger Stratmann 8.5