ReviewDynamit

Band
NAGLFAR 
Kategorie
Dynamit 
Heft
RH #191 
Titel
Sheol 
Erscheinungsjahr
2003 
Note
10.0 

(43:42)
Seit einem halben Jahr höre ich mir das Advance-Tape dieses Oberhammers fast täglich an und bin immer noch genauso begeistert wie beim ersten Durchlauf! Damit wäre die Frage nach der Langzeitwirkung des dritten NAGLFAR-Longplayers schon mal beantwortet. Und der hervorragende dritte Platz in unserer überfüllten „Richterskala“ (80 Scheiben diesen Monat...) spricht wohl auch für sich. Gab´s beim kürzlich veröffentlichten NAGLFAR-Minialbum „Ex Inferis“ noch Grund zum Meckern, weil uns die Schweden - ohnehin nicht die Veröffentlichungsfreudigsten - mit größtenteils bekanntem Material abspeisen wollten, so stimmt diesmal auch der Value-for-money-Faktor. Eine knappe Dreiviertelstunde erstklassiger Death/Black-Metal-Kunst (jawoll, der Begriff ist absolut angebracht!) ist ein korrekter Gegenwert für eure Kohle - vorausgesetzt, ihr heißt nicht Schleutermann oder Buffo und sitzt auf euren Ohren.
Bereits bekannt ist diesmal nur eine Nummer, nämlich ´Of Gorgons Spawned Through Witchcraft´ von besagtem Minialbum. Dieser Song gibt euch allerdings einen guten Eindruck vom momentanen Stand der Dinge im NAGLFAR-Lager: Die melodische, aber trotzdem kompromisslos harte Gitarrenarbeit verschmilzt mit den furiosen, sehr ausdrucksstarken Kreisch-Vocals und der anspruchsvollen, gnadenlos nach vorne treibenden Rhythmussektion zu einem völlig eigenständigen und atmosphärisch wahnsinnig dichten Gesamtsound, der keinen Anhänger extremerer Klänge kalt lässt! Wie die beiden Album-Vorgänger „Vittra“ und „Diabolical“ ist auch „Sheol“ eine Achterbahnfahrt durch die dunkelsten Sphären des Death-Metal-Kosmos geworden und dabei ebenso anspruchsvoll wie brutal. Die rasenden Riffgewitter, gespickt mit typisch nordischen, etwas an Dissection erinnernden Black-Metal-Melodien, sind dermaßen gekonnt zusammengestrickt, dass man die außergewöhnliche Klasse dieser Band selbst als eingefleischter Death- und Black-Metal-Gegner erkennen müsste. Alle Songs dieses gewaltigen Werks zeichnen sich durch hohes spielerisches Können, innovative Ideen und eine wahre Höllenpower („sheol“ ist der hebräische Begriff für „Hölle“) aus und machen garantiert süchtig! Besser und mitreißender kann man diese Art von Musik nicht spielen!
Noch stärker als das bahnbrechende Debüt „Vittra“! Für mich der erste Anwärter auf das „Album des Jahres“!


Götz Kühnemund 10.0