ReviewAlbum

Band
GUANO APES 
Kategorie
Album 
Heft
RH #190 
Titel
Walking On A Thin Line 
Note
8.5 

(42:20)
Die Bezeichnung "Crossover" stand früher mal für Innovation, für clevere Verschmelzung verschiedener, scheinbar nicht zusammenpassender Genres. Doch in den letzten zwei, drei Jahren vereinigte dieser Begriff meist Bands, deren Sound anspruchslos und zusammengeklaut war. Miese Rapper mit noch mieseren Texten, holpriges Musizieren, stolpernde Grooves sowie penetrante Versuche, amerikanische Millionen-Moloch-Klischees auf deutsche Kleinstädte zu übertragen, machten "Crossover" zum Schimpfwort, zur Sondermülldeponie für jene Musiker, die es nicht begriffen haben.
Nun, die GUANO APES - vor ein paar Jahren Deutschlands hoffnungsvollster und erfolgreichster Newcomer im englischsprachigen Crossover/Alternative-Sektor - haben sich mit "Walking On A Thin Line" von dieser "Szene" meilenweit entfernt, denn die Scheibe ist schlicht und einfach Rock. Es gibt keine Beeps und keine Ploinks, kein Rap, kein Alibi-Vinyl-Scratchen, kein Häschen-hüpf für MTViva-Kids, und auch Peinlichkeiten der Sorte Mittermaier scheinen der Vergangenheit anzugehören. Gitarre, Bass, Drums sowie die wunderbare Stimme (teilweise schon Rockröhre) von Sandra Nasic - so einfach ist das Rezept.
Die Göttinger haben begriffen, dass es völlig ausreicht, einfach nur mit Wasser zu kochen. ´You Can´t Stop Me´, ´Kiss The Dawn´ oder ´Sing That Song´ überzeugen als großartige Rocker, die mitreißen und sofort im Ohr bleiben. Und eine unglaublich packende Halbballade wie ´Quietly´, die absolut nicht kitschig klingt, sondern kurioserweise ebenfalls kickt, hätte dem Quartett sicher niemand zugetraut. In Sachen Bombast und Drumherum gibt´s viel weniger als früher - aber die Wirkung ist groß. Kurz: Eigentlich haben die Apes alles richtig gemacht.


Wolf-Rüdiger Mühlmann 8.5

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