ReviewDynamit

Band
ENTOMBED 
Kategorie
Dynamit 
Heft
RH #172 
Titel
Morning Star 
Erscheinungsjahr
2001 
Note
9.0 

Jaaaa, das ist gut: Der Patient ENTOMBED befindet sich eindeutig auf dem Wege der Besserung, wirkt sogar fast schon wieder so quicklebendig wie zu seinen Glanzzeiten. Verirrte sich die schwedische Metal-Institution auf „Same Difference“ zu sehr in experimentellen, spacigen Welten (auch wenn man sich die Platte durchaus mit vielen Durchläufen „schön hören“ konnte), so erreichten sie mit dem letztjährigen „Uprising“-Longplayer meiner Meinung nach den kreativen Tiefpunkt ihrer Karriere, weil die Band hier offenbar krampfhaft versuchte, ein wenig „back to the roots“ zu gehen, ohne dafür bereit zu sein. Die Platte klang also sehr halbgar.
Aber zum Glück gibt´s ja jetzt den „Morning Star“, und im Gegensatz zur gleichnamigen Serie im Sat.1-Frühstücksfernsehen, bei der sich minimal talentierte Möchtegern-Musiker vor einem Millionenpublikum zum Volltrottel machen, klingt dieser „Morning Star“ wie die Wiedergeburt einer Metal-Legende. Da sind sie wieder, die wandschrankbreiten Riffs, die ENTOMBED einst Legende werden ließen, und streckenweise schimmern zur allgemeinen Überraschung wieder die seligen Anfangstage der Band durch: ´I For An Eye´ hätte mit seinem extrem tiefer gelegten Gitarrensound auch glatt auf „Clandestine“ stehen können, ´Year One Now´ ist der totale Schweden-Old School, die garstige Knüppelorgie ´Ensemble Of The Restless´ könnte fast aus der Feder von Peter Tägtgren stammen, und exzellente Groover im Stil von ´Out Of Heaven´ oder ´Mental Twin´ erinnern an die großartige „Wolverine Blues“-Phase.
Traurig dürften nur die ENTOMBED-Supporter sein, die die rock´n´rolligen Einflüsse auf „To Ride, Shoot Straight...“ geschätzt haben, denn diese sind inzwischen weitestgehend verschwunden. Dafür hat sich die früher schon latent vorhandene Punk-Attitüde etwas mehr Platz verschafft, was - verbunden mit den Death Metal-mäßigen Gitarrenläufen - für ein durchgehend hohes Aggressionslevel sorgt.
Habe ich schon erwähnt, das ´City Of Ghosts´ fatal nach Slayer klingt? Egal, „Morning Star“ ist ganz klar das beste ENTOMBED-Album seit „Wolverine Blues“, auch wenn sich gegen Ende noch zwei kleine Hänger eingeschlichen haben. Willkommen zurück im Club der Todesblei-Junkies!


Frank Albrecht 9.0

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