ReviewDynamit

Band
WARRIOR SOUL 
Kategorie
Dynamit 
Heft
RH #90 
Titel
Space Age Playboys 
Erscheinungsjahr
1995 
Note
9.5 

Die lauteste Platte des Monats stammt von WARRIOR SOUL. Wenn Manowar "10" ('All Men Play On Ten') spielen und Spinal Tap bis "11" aufdrehen, dann sind die Amps des New Yorker Quintetts garantiert frisiert. Schon die letzte Clubtour bewies, daß WARRIOR SOUL neben Nine Inch Nails momentan die einzige Band darstellen, bei deren Konzerten "Fönfrisuren" an der Tagesordnung sind. Ohne technischen Schnickschnack, sondern mit purer Rock'n'Roll-Power und einem erheblichen Punk-Spirit, gehen die Burschen mit der neuen Besetzung zu Werke. Allen voran der Käpt'n der Kriegerseele: Kory Clarke, die Iggy Pop-Ausgabe der Neunziger. Sein Gesang klingt spontan, aber souverän. Leicht heiser, zwischen guten Popmelodien und durchgeknallten Schreiorgien, gibt Clarke das Sahnehäubchen auf einen wütenden Sound, der sich auf Gothic-, Metal- und Punk-Elemente stützt. Zwei Gitarren peitschen volle Akkorde bis zur Ekstase, hinter denen ein im Dienst der Mannschaft pumpender Bass drückt. Dazu arbeitet eine humane Timingmaschine im Hintergrund, die auf dem letztjährigen Aardschok-Festival glatt die Bassdrum durchtrat! Gegenüber dem Vorgänger "Chill Pill" geben sich WARRIOR SOUL weniger chaotisch, lassen aber auch ihre Vielseitigkeit (die auf den ersten vier Alben durchgehend präsent war) ein wenig auf der Strecke. Der spürbare Frust über die unglückliche Liaison mit hochkarätigem Management und ebensolcher Plattenfirma kanalisiert sich in Krachern wie 'The Drug', 'Get Wasted', 'No No No', 'Pretty Faces', 'Rotten Soul' oder 'Star Ride', die den Begriff "Acid Punk" für WARRIOR SOUL etablieren könnten. "Salutations From The Ghetto Nation" hatte schon das Zeug zum Klassiker, aber mit "Space Age Playboys" sind WARRIOR SOUL der zur Zeit heißeste Underground-Act.


Holger Stratmann 9.5