ReviewDynamit

Band
DREAM THEATER 
Kategorie
Dynamit 
Heft
RH #89 
Titel
Awake 
Erscheinungsjahr
1994 
Note
10.0 

Vier Jahre Kompositionszeit hatten DREAM THEATER für ihr barockes Underground-Phänomen 'When Dream And Day Unite' zur Verfügung, und in immerhin drei Jahren wurden die Melodie-Giganten des epochalen Science-Fiction-Nachfolgers 'Images And Words' bis auf den letzten Hundertstelmillimeter ausgefeilt. Daß die Jungs auch mit einem relativen 'Schnellschuß' jeglicher Konkurrenz um Lichtjahre voraus sind, beweist ihr neuester Output, der in nur knapp fünf Monaten rausgehauen wurde. Hat man den übermächtigen Schatten des letzten Scheibchens erst einmal beiseitegeschoben und sich den - anfangs etwas gewöhnungsbedürftigen - Tracks geöffnet, erschließt sich einem ein schier geniales Kunstwerk, das vor brillant gefertigten Details nur so strotzt, auch wenn 'Awake' stilistisch genausowenig mit 'Images And Words' vergleichbar ist wie 'Images And Words' mit dem Debüt. Trotz der gewohnt hymnischen Hooks roher und experimenteller als zuletzt, teilweise wie eine Jamsession aufgebaut, mit einem gelungenen Spagatschritt zwischen modernen Vibes'n'Grooves und traditionellen Versatzstücken, die an die späten Siebziger/frühen Achtziger erinnern. So zum Beispiel die ideenreichen Keyboards von Kevin Moore, der leider direkt nach Beendigung der Aufnahmen seinen Ausstieg bekanntgegeben hat, weil er angeblich ein Industrial-Projekt gründen will. Möglicherweise werden die Jungs daran live zu knacken haben, auf 'Awake' zieht der Rick Wakeman der Neunziger jedenfalls noch einmal alle Register seines einmaligen Könnens. Natürlich haben sich auch Kollegen wieder selbst übertroffen. Bandmotor Mike Portnoy dürfte erneut Hundertschaften von etablierten Drummern in die Depression treiben, Sänger James LaBrie zeigt, daß er's auch 'nen Streifen härter bringt, und angesichts der klassisch gefärbten Wahnsinnsgitarren von John Petrucci müßte selbst ein Mann wie Yngwie zugeben, daß er von dem Amerikaner mit Karacho auf der linken Spur überholt worden ist. Alles in allem ein Werk, das - wie schon seine Vorgänger - die Spitze dessen darstellt, was im HM-Bereich künstlerisch und technisch möglich ist.


Matthias Breusch 10.0