ReviewDynamit

Band
DEVIN TOWNSEND 
Kategorie
Dynamit 
Heft
RH #162 
Titel
Physicist 
Erscheinungsjahr
2000 
Note
9.5 

Jaaa!!!Der König der High-Tech-Achterbahnfahrten hat seinen Thronsaal ein weiteres Mal verlassen, um seine Anhänger zum kollektiven Kniefall zu bewegen. Der Opener 'Namaste' zwingt dich allerdings nicht nur in die Knie, sondern gleich in voller Körperlänge in den Staub. Highspeed-Industrial-Gebretter wie auf dem Strapping Young Lad-Meilenstein "City" vereint sich mit der melodischen Erhabenheit der Ocean Machine-CD und den komplexen Soundstrukturen des "Infinity"-Experiments zu einem in seiner grausamen Brutalität faszinierend schönen Science Fiction-Monster, das mit Lichtgeschwindigkeit durch die Galaxis pflügt und mit einem Achselzucken sämtliche Black Metal-Knüppler und Industrial-Lärmer zu harmlosen Lagerfeuer-Musikanten degradiert. DEVIN TOWNSEND hat endlich die perfekte Balance zwischen gnadenloser Härte, atemberaubenden Bombast-Refrains und progressiven Klangkaskaden gefunden - das Ergebnis ist der Soundtrack zu einem imaginären Film, der mehr beeindruckt als die Action-Szenen in "Matrix", schneller tötet als die schnellsten Mistviecher in "Alien" und so massiv dahergedonnert kommt wie die Sandwürmer im "Wüstenplaneten". ""Blade Runner" im Zeitraffer" kommt der genialen Reizüberflutung dieses Meisterwerks noch am nächsten. Egal, ob ultrabrutale Massaker wie 'Death', Überschallhits der Marke 'Victim' und 'Devoid', das fast schon romantische Gitarrengewitter 'Jupiter' oder die brachial-epischen, von kathedralengroßen Synthie-Gebäuden in den Himmel gehobenen Göttergaben 'Kingdom', 'The Complex', 'Irish Maiden' und 'Planet Rain' - der schmächtige Kanadier mit der unfassbar mächtigen Stimme zeigt mal wieder der kompletten Metal-Szene, wie man Extreme richtig auslotet. Hört euch 'Material' von unserer aktuellen "Dynamit"-CD an, und ihr werdet nicht anders können, als schnurstracks in den nächsten Plattenladen zu düsen. Aber Vorsicht: Unter dem Einfluss dieses traumhaft infernalischen Überhits fährt man selbst in Tempo 30-Zonen gerne mal 180. Sogar mit dem Fahrrad!


Michael Rensen 9.5