ReviewAlbum des Monats

Band
BLIND GUARDIAN 
Kategorie
Album des Monats 
Heft
RH #132 
Titel
Nightfall In Middle-Earth 
Erscheinungsjahr
1998 
Note
9.5 

Es ist ja so eine Sache mit den blinden Gardinen: Auf der einen Seite spannen sie ihre Fans immer ewig lange auf die Folter, weil sie endlos viel Zeit fürs Songwriting und Aufnehmen einer Platte brauchen, andererseits entschädigt das Resultat immer wieder für die lange Wartezeit. Und das ist gottlob bei "Nightfall In Middle-Earth" nicht anders - ganz im Gegenteil. Auf dieser Scheibe gibt es weitaus mehr zu entdecken als auf dem Vorgängerwerk "Imaginations From The Other Side". Über das Konzept hat euch ja Kollege Rensen schon ausgiebig in seiner Story aufgeklärt, beschränken wir uns hier also rein aufs Musikalische. Es fällt auf, daß das Material nicht ganz so zugänglich ist, wie man es von dem Quartett aus Krefeld gewohnt ist. Natürlich gibt es auch diesmal wieder supereingängige Ohrwürmer wie die vorab veröffentlichte Single 'Mirror, Mirror' oder das knackige 'Nightfall', klassische, straighte Speed-Kracher wie etwa 'When Sorrow Sang' oder 'Into The Storm' oder leicht angefolkte, schunkeltaugliche Melodie-Asse der Marke 'A Dark Passage'. Darüber hinaus liefert man zuhauf fette Chöre, bombastische Arrangements und tonnenweise geile Melodien. Und doch ist "Nightfall In Middle-Earth" anders, quasi die Verfeinerung des bekannten BLIND GUARDIAN-Stils. Man nehme als Beispiel hierfür das vielschichtige, komplex arrangierte 'Blood Tears'. Glücklicherweise ist die Platte trotz aller Befürchtungen nicht so überproduziert wie das Vorgängerwerk, so daß hier alle BLIND GUARDIAN-Fans ohne Wenn und Aber blind zugreifen können - was sie wahrscheinlich sowieso machen werden. Allen anderen sei gesagt, daß es derzeit wohl kaum eine Metal-Band gibt, die derart grandios gestrickte, mit brillanten Vocal-Arrangements versehene Songs (man höre sich nur mal das fast schon an Queen erinnernde 'The Eldar' an) mit Gänsehautmelodien und sehr niedrigem Abnutzungsgrad komponieren kann. Diese Platte wird auch nach dem hundertsten Abspielen nicht langweilig.


Frank Albrecht 9.5