ReviewAlbum des Monats

Band
RAGE 
Kategorie
Album des Monats 
Heft
RH #131 
Titel
XIII 
Erscheinungsjahr
1998 
Note
9.5 

Für mich ist es das bisher stärkste Album des Jahres - und mit Sicherheit das ambitionierteste Werk einer Band, deren Karriere an Highlights ohnehin nicht gerade arm ist. RAGE haben es geschafft, ihren ureigenen, unverwechselbaren Stil mit klassischen Orchester-Arrangements zu verbinden, die viel mehr sind als nettes Beiwerk. Christian Wolff, bekannt vom "Lingua Mortis"-Projekt, hat das neue Songmaterial zusammen mit den vier RAGE-Musikern arrangiert und produziert, eingespielt wurde es von der Band in Zusammenarbeit mit 15 Orchestermusikern, die unter Wolffs Leitung für die entscheidenden Impulse sorgten. Trotzdem ist "Thirteen" keine kitschig-poppige Pseudo-Rockoper und auch kein halbherziges Projekt à la "Londoner Philharmoniker spielen Sodom" geworden, sondern ein waschechtes, aber äußerst originell umgesetztes RAGE-Album. So sind mit 'From The Cradle To The Grave', 'Sign Of Heaven', 'Heartblood' oder 'Over And Over' knallharte, mitreißende Nummern vertreten, deren orchestrale Ausschmückungen nichts verwässern oder abschwächen, sondern zusätzliche Dramatik und viel Atmosphäre ins Spiel bringen. Melodiösere (ebenso RAGE-typische) Songs wie 'Days Of December', 'Turn The Page', 'Incomplete', 'In Vain (I Won't Go Down)', das von den Lingua Mortis-Auftritten bekannte Stones-Cover 'Paint It Black' oder das überragende 'Just Alone' wurden von den Orchestermusikern genauso gekonnt abgerundet, ohne dabei jedoch Metal-Fans vor den Kopf zu stoßen. Und genau das ist die große Kunst bei der Sache: Hier wurden zwei scheinbar grundverschiedene Klangwelten so geschickt verbunden, daß man zu keinem Zeitpunkt den Eindruck hat, hier ginge es um kommerzielle Interessen. Klasse!


Götz Kühnemund 9.5