Viereinhalb Jahre Pause zwischen zwei Studioalben sind im schnelllebigen Musikbusiness eine halbe Ewigkeit, aber im Lager der Hamburger Power-Metal-Kapelle um Piet Sielck (v./g.) lief in letzter Zeit leider vieles nicht rund.
»Die ersten zwei Jahre seit unserer letzten Scheibe „Megatropolis“ sind für Savage Circus (Piets Zweitband in der Tradition der alten Blind Guardian - buf) draufgegangen, und die letzten zwei Jahre lagen an meiner lustigen Aufräumarbeit, die ich hier mit Dockyard zu Wege bringen musste. Du weißt ja, dass ich mit Dockyard ein Label mit zwei tollen Partnern hatte, die mich vor zwei Jahren mit einem sechsstelligen Betrag alleine sitzen ließen. Mit vielen Großschuldnern und Bands konnte ich mich zwar irgendwie vergleichen und den ganzen Backkatalog Ende 2010 an Soulfood bzw. unser neues Label AFM verkaufen, unterm Strich sind aber doch ungefähr zwei Drittel aus meiner eigenen Tasche geflossen.«
Klingt nach einem Fall für die erfolgreiche RTL-Doku „Raus aus den Schulden“ mit Peter Zwegat als knorrigem Schuldnerberater.
»Auf jeden Fall. Ich habe auch echt mit dem Gedanken gespielt, da anzurufen. Nee, nicht wirklich, aber ich habe schon gedacht: „Ey, Alter, das ist meine Sendung!“ Meine Partner haben sich stumpf aus dem Staub gemacht, obwohl wir alle sozusagen vollhaftende Gesellschafter waren, und an wem blieb es dann hängen? An dem mit Kind und Kegel, der nicht einfach abhauen kann. Allerdings ist das auch nicht meine Art«, sagt Piet, der das töfte aktuelle Langeisen „The Landing“ erneut in seinem Powerhouse-Studio in Eigenregie produziert hat.
»Das mache ich nicht, weil ich denke, dass das kein anderer kann, sondern das ist für mich einfach ein Kostenfaktor. Wenn irgendwann mal mehr Geld da ist, hätte ich nichts dagegen, wenn uns ein anderer produziert. Es gibt bestimmt Producer, die tolle Ideen zum Thema IRON SAVIOR haben.«
...die meiner bescheidenen Meinung nach mit ihrem Mix aus Gamma Ray, Priest und alten, weniger verkopften Blind Guardian in der Fachpresse häufig zu schlecht weggekommen, sprich: schlichtweg unterbewertet sind.
»Ich teile deine Meinung«, lacht das Hamburger Metal-Urgestein. »Seit es diese Band gibt, denken viele Leute, dass mir alles in den Schoß fällt. Dabei habe ich mir alles hart erkämpft, und mit großem Wohlwollen kann ich nicht rechnen. Das ist manchmal ein bisschen frustrierend, aber letztendlich habe ich mich an den Underdog-Status gewöhnt.«
...der sicher auch ein Stück weit auf das Science-Fiction-Image des Quartetts zurückzuführen ist.
»Das hat sich nachhaltig in den Köpfen der Leute festgesetzt, weil die ersten drei Scheiben Sci-Fi-Konzeptalben waren. Spätestens seit „Battering Ram“ schreiben wir aber überwiegend normale Songs mit normalen Texten. Sci-Fi-Texte schreibe ich nur noch aus Liebhaberei und weil ich weiß, dass es einige Fans gibt, die das gut finden. Das Image wirst du aber genauso wenig los wie den Ruf, die Zweitband von Kai Hansen (der 1996 zusammen mit Ex-Blind-Guardian-Drummer Thomen Stauch und Piet IRON SAVIOR gegründet hat - buf) zu sein.«