In den USA tut sich schon seit Jahren was im Melodic-Metal-Underground. Mit WIDOW drängt z.B. eine Band aus North Carolina auf den Markt, die bereits vier starke Alben veröffentlicht hat.
Die aktuelle Scheibe, „Life´s Blood“ (s.a. Review im letzten Heft), erinnert stellenweise stark an Crimson Glory.
»Das ist richtig«, bestätigt WIDOW-Alleinkomponist und -Gitarrist Chris Bennett, den seine elf Jahre ältere Schwester mit den Hair-Metal-Legenden der frühen Achtziger infizierte. »Crimson Glory, besonders die ersten beiden Meisterwerke, sind ein Rieseneinfluss für uns. Wir haben bereits mit ihnen zusammengespielt und respektieren sie seitdem noch mehr. Die Parallelen kann ich kaum abstreiten.«
Trotzdem will sich Chris beim Komponieren nicht allzu sehr an seine Helden anlehnen: »Quiet Riot, Scorpions, Def Leppard, Ozzy, Maiden, Priest oder Metallica haben mich als Metalhead sozialisiert. Sie alle haben einfach das gespielt, was aus ihnen herausgeflossen ist - ohne sich großartig Gedanken darüber zu machen. Genau so sehe ich auch WIDOW: Wir sind von Grund auf ehrlich und schreiben unsere Songs ohne Hintergedanken. Deshalb klingen sie so natürlich und ungezwungen.«
Richtig. Allerdings hat diese Unbekümmertheit auch zur Folge, dass sich viele Gesangslinien auf „Life´s Blood“ ein bisschen zu sehr ähneln.
»Nun, ich kann nur sagen, dass mir das beim Songwriting nicht bewusst gewesen ist. Ich arbeite hart an unserer Musik, aber ich lasse mich beim Komponieren oft auch einfach nur treiben.«
Umso stärker ist die Gitarrenarbeit bei WIDOW, die auch für die Crimson-Glory-Vergleiche verantwortlich ist.
»Die Harmonien, ich weiß«, sagt Chris. »Ich höre auch viel Thin Lizzy, Rainbow oder King Diamond, was sich wohl ebenfalls bemerkbar macht. Selbst Punkbands wie die Ramones, Black Flag oder Misfits haben einen Einfluss. Wenn das alles zusammen in einem Topf landet, ergibt das wohl den WIDOW-Sound.«
Wie vernetzt sind WIDOW denn im (US-)Underground?
»Wir sind ja schon eine ganze Weile (seit gut zehn Jahren - gk) dabei und kennen daher viele Underground-Bands von gemeinsamen Konzerten oder Partys. Cauldron, Twisted Tower Dire, While Heaven Wept, Icarus Witch oder Volture fallen mir da ein. Es ist toll, wenn einige meiner Lieblingsbands gleichzeitig meine Freunde sind.«
Den momentanen Zustand der US-Metal-Szene sieht der äußerst enthusiastisch wirkende Chris entsprechend positiv: »Gerade der traditionelle Metal wächst hier wieder deutlich. Viele jüngere Fans entdecken die alten Klassiker - und wenn man einmal süchtig geworden ist, bleibt man ein Leben lang Metalfan. Das geht den Kids nicht anders als mir. Deshalb sehe ich eine große, leuchtende Zukunft für echten, traditionellen Metal. Die Entwicklung ist toll!«
Wie viele andere Bands der US-Melodic-Metal-Szene sind auch WIDOW bei einem deutschen Label - Pure Steel - untergekommen.
»Dieses Label steht ja auch hinter dem Swordbrothers-Festival, auf dem wir spielen durften. Als die Veranstalter ein paar Bierchen intus hatten, habe ich sie schnell gefragt, ob sie uns nicht auch auf ihr Label holen wollen. In der Bierlaune haben sie ja gesagt. Jetzt sind sie wieder nüchtern und bereuen es hoffentlich nicht, hahaha!«