RH #291Seziertisch

AMORPHIS

Seziertisch

Mit dem Bandnamen AMORPHIS (amorph = ohne Gestalt) hatten die Finnen einen Glücksgriff getätigt: Er klang in tiefsten Death-Metal-Zeiten der frühen Neunziger mysteriös genug, verbaute ihnen aber nicht den Weg zu neuen Ufern und erlaubte dem schließlich zum Sextett angewachsenen Quartett das massive Einbinden neuer Einflüsse aus Prog bzw. Classic Rock und vor allem der heimischen Folklore.

Sie haben die finnischen Nationalepen Kalevala und Kanteletar im Metal salonfähig gemacht und sind die wichtigste Brücke von Bathory hin zur Entwicklung der heute so florierenden Pagan- und Folk-Metal-Szene made in Suomi. Ensiferum (coverten ´Into Hiding´) & Co. berufen sich insbesondere auf „Tales From The Thousand Lakes“. Mit jenem Zweitwerk öffneten AMORPHIS ihren damaligen Labeln Relapse - die noch reichlich unstrukturierten avantgardistischen Krach unter Vertrag hatten - und Nuclear Blast neue Türen. Neben Sentenced (R.I.P.) aus Oulu gehört die Band aus Helsinki zu den Ausnahmeerscheinungen ihrer Szene. Sie gaben nicht schon wie Funebre, Purtenance, Demilich, Convulse oder Demigod (Scheiß-Comeback...) nach dem Debüt den Löffel ab oder versandeten wie Xysma stilistisch, sondern drangen national wie international in den Mainstream vor. Mehrere Besetzungswechsel veränderten das Gesicht der Band, gaben der Gemeinschaft aber oft dringend benötigte kreative Impulse. Mit dem Einstieg von Sänger Tomi Joutsen wurde 2005 das jüngste Kapitel aufgeschlagen. Er versöhnte die Band mit ihren Wurzeln, initiierte eine Renaissance der Growls als Stilmittel und drückte alte Klassiker zurück in den Liveset. „Magic & Mayhem“ deutete mit großartigen und alles andere als soften Neueinspielungen von Songs der ersten drei Alben bereits 2010 an, dass der aktuelle zehnte Longplayer „The Beginning Of Times“ wieder die Klasse und Vielseitigkeit von Joutsens Banddebüt „Eclipse“ erreichen würde. ...

Dieser Text endet hier.

Online-Abonnenten freuen sich über den kompletten Artikel nach dem Log-in.