RH #287Lauschangriff

ENDSTILLE

Rotbarts Rache

Würde es nicht der Szene-Attitüde widersprechen, könnte man von einer Supergroup reden: Deutschlands schlagkräftigste Black-Metaller ENDSTILLE rekrutieren Zingultus (u.a. ex-Nagelfar, Graupel) als neuen Frontmann. Der erste große Feldzug dieser unheiligen Allianz nennt sich „Infektion 1813“ und erscheint am 16. Mai. ENDSTILLE bestellten das Rock Hard schon mal zur Inspektion.

»Das ist doch gar kein Wind«, lacht der für sein Pseudonym mal wieder viel zu gut gelaunte Mayhemic Destructor (dr.) über den wehleidigen Rock-Hard-Korrespondenten, als der sich über die steife Brise im passend getauften Laboe beschwert. Wie es sich für gute Gastgeber gehört, haben ENDSTILLE zunächst eine Exkursion auf den Tagesplan gesetzt und führen in der eingeschneiten Kieler Bucht durch das Marine-Ehrenmal und die daneben aufgebahrte U 995. Speziell Gitarrist Wachtfels versucht, in dem U-Boot jeden Hebel zu betätigen, der ihm in die Finger kommt. Zum Glück ist das Schmuckstück aus dem Zweiten Weltkrieg nachträglich mit einer Kindersicherung ausgestattet worden, sonst wären wir wahrscheinlich umgehend auf unfreiwillige Feindfahrt geschippert. Wie auch immer: Für einen Schnellkurs in Klaustrophobie reicht die Besichtigung der schmalen Todesröhre. Ebenfalls eher beklemmend wirkt das Ehrenmal selbst, eine „Gedenkstätte für die auf See Gebliebenen aller Nationen“, die einem wirkungsvoll vor Augen führt, dass Krieg im Metal zwar irgendwie cool ist, Krieg in echt aber nach wie vor ziemlich scheiße bleibt.

Danach kehren wir in Kiels Metal-Pub „Hot Rock“ ein und lauschen den Klängen von „Infektion 1813“. In dem ungeheizten Schuppen ist es dem Anlass entsprechend Stalingrad-kalt. Wachtfels furzt kurz, und anschließend kann man nur noch „Jesusmariaundfuckingjosef“ flüstern. Nicht wegen der Blähungen des Rotbarts, sondern wegen des Infernos, das aus den Boxen knattert. Was das modifizierte Schwarzmetall-Kommando zurechtgezimmert hat, schreit geradezu nach Jahrespoll-Weihen. Das eröffnende Blitzkriegdoppel ´Anomie´ und ´Trenchgoat´ mäht einen dermaßen nieder, dass man den ebenfalls komplett tödlichen, aber etwas gebremsteren Groove von ´Bloody H (The Hurt-Gene)´ als regelrecht entspannend empfindet. ´When Kathaaria Falls´ und ´Satanarchie´ sind weitere Paradebeispiele für hasserfüllten Extremismus mit Ecken, Kanten UND rotem Faden. Vorsichtige Neuerungen gibt´s ebenfalls: ´World Aflame´ hat einen verdammt eingängigen Mittelteil (Zingultus: »Das ist der Part auf der Platte, zu dem man am besten ficken kann!«), und ´Wrecked´ liebäugelt mit etwas Thrash-Geschrubbe. ...

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