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WARBRINGER

Europa-Tourtagebuch Teil 3

WARBRINGER haben diesen Sommer für eine Tour nach Europa übergesetzt, um ihre Fans von dem Livequalitäten ihres aktuellen Albums "World Torn Asunder" zu überzeugen, jede Menge Schabernack zu treiben und Unmengen an Bier zu vernichten. WARBRINGER-Fronter John Kevill fand in dem ganzen Chaos noch die Zeit ein exklusives Tourtagebuch für uns zu verfassen. Viel Spaß mit dem dritten Teil!

Hier geht es zu Teil 1 und Teil 2 des Tourtagebuches.

Dies ist nun die lang überfällige Fortsetzung der Saga unserer Sommer-Tour durch Europa. Ich wollte das hier schon seit einiger Zeit schreiben, denn seit dem letzten Update sind bestimmt schon drei Wochen vergangen und es gibt einiges zu erzählen. Im Moment fahre ich gerade quer durch die Alpen, von einer kleinen österreichischen Ortschaft zum Metalcamp nach Slowenien. Das ist einer der schönsten Orte, an denen ich je im Leben gewesen bin und ich überlege gerade, ob ich nicht einmal hierher zurückkehren soll, nur um ein paar Tage am Fluss zu verbringen oder einfach in den Bergen wandern zu gehen. Wenn man so was hier sieht, denkt man sich: Touren ist der Wahnsinn!

Bang Your HeadVor ein paar Wochen waren wir noch auf dem Bang Your Head Festival, das irgendwo in Deutschland stattfand. Das ist ein wirklich großes Festival. Wir reisten einen Tag vor unserer Show an, um uns auch die anderen Acts anzusehen. Auf der Bühne gab es gigantische Pommesgabeln (also das Metal-Zeichen, das man mit den Händen macht), die natürlich aus purem Metall bestanden. Yes!

Wir kamen gerade an, als Arch Enemy auf der Bühne standen und haben alles liegen und stehen lassen, nur um uns ihren Sound reinzuziehen. Letzten Winter tourten wir mit der Band, also kannten wir einige der Nummern noch ganz gut. Später begegneten wir dann Sharlee (D'Angelo) und Daniel (Erlandsson) und quatschen ein bisschen über die guten alten Zeiten. Dabei wurde ich an den großartigen Tourstreich vom letzen Tag unserer gemeinsamen Tour erinnert. Man erzählte uns vor dem Gig, dass uns jemand auf deutsch ankündigen würde. Wir verstanden ja kein Wort, aber der Typ forderte die Besucher anscheinend auf, sich umzudrehen und mit dem Rücken zur Bühne zu stehen. Als wir anfingen zu spielen, befolgten sie seine Anweisungen und für eine Minute waren wir völlig baff. Das war absolut komisch und die Show werden wir so schnell nicht vergessen. Das gibt Punkte für Originalität, Leute!

Zurück zum Bang Your Head!: Am selben Tag sahen wir Thin Lizzy, welche wir alle als eine der großartigsten Bands schätzen. Auch wenn Phil Lynott viel zu tot ist, um noch zu rocken, boten sie erstaunlich gute Liveversionen der ganzen Klassiker, die mit diesen unglaublichen Gitarrenharmonien übersät sind. Wir standen die ganze Zeit im Regen und haben uns die Show von vorne bis hinten angesehen.

Am nächsten Tag spielten wir auf dem BYH!, was, eine ganz schön harte Nummer für uns war. Etwa eine Stunde bevor wir auftreten sollten, setzte dieser kräftige Wind ein. Es kam sogar so weit, dass sich die Crew auf der Bühne gegen die riesigen Marshall-Stacks lehnen musste, damit diese stehen blieben. Starker Wind auf einer großen Open-Air-Bühne kann verrückte Sachen mit dem Sound anstellen, was einem die Show ziemlich vermiesen kann. Auch das Headbangen wird zur Herausforderung. Die Haare bewegen sich nicht von oben nach unten, wie sie es eigentlich sollten, denn der Wind klebt sie dir einfach ans Gesicht.

WarbringerDas war jedenfalls eine Show, bei der wir unsere eigene Performance nicht sehr gut einschätzten. Während der restlichen Tour kamen aber immer wieder Leute, die meinten, dass es gut war, also glaube ich, wir haben sogar einiges richtig gemacht in diesem heulenden Wind. 'Living In A Whirlwind', im wahrsten Sinne des Wortes!

Nach unserer Show sind wir auf dem Festival noch was trinken gegangen und sind zufällig unseren alten Kumpels von Exodus über den Weg gelaufen. Es ist immer schön diese Typen zu treffen, mit denen wir immer gut rumalbern können. Sie hatten diese verdammt scharfe Sauce mit, die einfach nur abartig scharf war. Die Peperoni für dieses Zeug mussten in Mordor angebaut worden sein oder so. Man hat mich dann dazu herausgefordert ein so genanntes „Prärie Feuer“ zu trinken. Dabei handelte es sich um nichts anderes als Wodka, gemischt mit dieser Sauce. Eigentlich die perfekte Mixtur um deinen Magen komplett zu zerstören. Eine gewissen Zeit habe ich das intensive Brennen und die Schmerzen in der Magengegend auch ausgehalten aber dann ist das ganze Zeug wieder hoch gekommen. Das ist nicht das erste Mal, dass mir so etwas passiert ist, keine Band hat mich so oft zum Kotzen gebracht wie Exodus.

Am nächsten Tag haben wir mit den Jungs quasi auf der anderen Seite von Deutschland gespielt und auch die Suicidal Angels befanden sich auf dem Billing dieser Show. Es war verdammt heiß auf der Bühne und jeder war vom Vortag noch angeschlagen. Lebt wohl ihr Exo-Dudes. Ein weiterer Höllentrip wartet schon.

WarbringerNach einer gefühlten Ewigkeit in diesem lahmen Van erreichten wir endlich England. Wir hatten eine tolle Show in London und auf der ganzen UK-Mini-Tour wurden wir von den Jungs von Elm Street unterstützt. Die Jungs sind übrigens von Australien nach England gezogen, um so viele Shows wie möglich zu spielen. Was für ein Abenteuer! Auf unserer Reise quer durch England gab es natürlich auch Fish and Chips und ich sage euch, das schmierige Zeug hatte die Größe meines Arms. Ein gewaltiger Fettbrocken. In Edinburgh/Schottland versuchte uns einer der Typen von unserer Unterkunft zu erklären, dass es hier spukt. Dort hat es ziemlich mittelalterlich ausgesehen, gemeißelt aus Stein, also klar – warum nicht?

Als nächstes ging es ab auf die Fähre nach Irland, wo wir in Cork, Belfast und Dublin spielten. Wir waren vorher noch nie in Irland und wirklich jede Ecke des Landes war von leuchtendem Grün bedeckt.

Wir besuchten ein altes Nonnengrab, dass in unmittelbarer Umgebung des Clubs in Cork gelegen ist. Dabei ist uns aufgefallen, dass verdammt viele Iren Dreadlocks haben. Glücklicherweise hatten wir in London einen ziemlich miesen Rasta-Hut gekauft.

Auf zwei der Shows haben wir mit GAMMA BOMB abgehangen und an der Statue von Phil Lynott in Dublin zusammen getrunken. Wir alle wurden von der Kraft des Rocks inspiriert und konnten die Großartigkeit förmlich in unseren Adern spüren.

WarbringerNach einer weiteren Show in Wales ging es zurück zu dem Domizil von unserem Tourmanager Rienk nach Gent, Belgien. Wir haben uns ausgeruht und sind eine Runde durch die Stadt gegangen. Es gab viele sehr feine Biere und wir kamen sogar an einer Burg vorbei, die aussah, als könnte sie heute noch einer Belagerung standhalten.

Am nächsten Tag ging es weiter nach Tilburg, wo wir in einem schönen Club spielten, in dem es zum Ende hin aber extrem heiß wurde. Danach sahen wir so aus, als wären wir gerade aus dem Schwimmbecken gekommen. Europa hält anscheinend nicht viel von Klimaanlagen. Übrigens musste Rienk in der Nacht durch ein Fenster ins Hotel einsteigen, da wir zu spät dran waren.

Darauf folgten drei Festivals hintereinander, über die ich gerne eine paar Worte sagen würde. Das Headbangers Open Air ist das geilste Festival, was jemals im Garten von jemanden veranstaltet wurde. Am sonnigsten Tag in der Geschichte Deutschlands spielten wir auf dem Eisenwahn-Festival und alle wurden rot wie Tomaten. Beim Baden In Blut haben wir mit Schmier und Lawrence von Destruction Party gemacht und uns Backstage vom bodenlosen Fass Bier bedient. Großartig.

In Mailand haben wir eine weitere unglaublich heiße Clubshow gespielt. Das Lokal hatte nur einen Eingang am anderen Ende des Raums und keine Belüftung. Und dazu kam, dass der Club voller tobender Italiener war. In der Mitte von 'Total War' haben John und Carlos unerwartet den Theme-Song von „King Of The Hill“ eingebaut, was den Rest von uns auf kaltem Fuß erwischt hat. Es ist sogar auf unserm Europa-Tour-Video zu sehen. Verdammt, Bobby!

Ein paar Tage und ein paar Shows später kamen wir zum Hauptevent der Tour: Dem Wacken Open Air! Das war unser zweites Mal in Wacken und Jeff meinte, in Wacken zu spielen, sei sozusagen der Endgegner im Heavy Metal. SlovakiaWenn du das schaffst und dabei noch erfolgreich bist, hast du das Spiel gewonnen. Wir hatten eine absolute Killer-Show. Nach dem Set hatten wir einige Zeit für Presse und Signing-Sessions reserviert und dann hat dieser extreme Regen eingesetzt. Der gesamte Boden war mit matschigem Schlamm bedeckt, durch den wir den Rest des Abends stapfen mussten.

Beim Metalcamp in den Bergen von Slowenien sind wir an einigen der schönsten Gegenden vorbeigekommen, die ich je gesehen habe. Man muss dieser schmalen Bergstraße folgen, um überhaupt erst dort hin zu kommen und wenn du dann da bist, zeigt sich der „Forest Of Babes“, den wir so lange gesucht haben. Wir waren da also mitten im Wald, an einem sonnigen Tag und am nahegelegenen kalten, klaren Fluss scharten sich haufenweise Babes. Wir hingen mit den Leuten von Municipal Waste, Black Dahlia Murder und Nile ab und haben am gleichen Tag noch für Korn eröffnet. Als wir Jonathan Davis im Catering-Zelt trafen, wurde der 14-Jährige in uns geweckt und war begeistert.

Das Brutal Assault hatte eine der besten Billings und verrücktesten Besucher der ganzen Tour. Bei unserer wirklich frühen Ankunft waren bereits hunderte von Leuten mit reichlich Bier abgefüllt. Und das bereits um 8 Uhr morgens! Außerdem haben wir dort ein paar alte Freunde von Napalm Death getroffen.
Warbringer - Brutal AssaultZwei Shows noch! Zu diesem Zeitpunkt waren alle schon ziemlich fertig und wollten am liebsten direkt nach Hause, aber die letzten beiden Konzerte wurden noch hervorragend. Das Party.San war super und wir hatten sogar eine freiwillige, nicht von uns initiierte, Wall Of Death. Zu guter letzt das Alcatraz Metal Fest in Belgien. Dort spielten wir mit Bands wie Testament, Iced Earth und Immortal, aber wir waren so verdammt müde. Wir haben unseren letzten Biere getrunken und sind schnurstracks zum Flughafen gedüst.
Dies war eine der besten Touren auf denen ich jemals war, aber ich bin auch froh wieder zuhause zu sein. Zeit meinen Rasta-Hut aufzusetzen und zu chillen.

 

Bis zum nächsten Mal
Kevill