Online-MegazineTourtagebuch

WARBRINGER

Europa-Tourtagebuch Teil 1

WARBRINGER haben diesen Sommer für eine Tour nach Europa übergesetzt, um ihre Fans von dem Livequalitäten ihres aktuellen Albums "World Torn Asunder" zu überzeugen, jede Menge Schabernack zu treiben und Unmengen an Bier zu vernichten. WARBRINGER-Fronter John Kevill fand in dem ganzen Chaos noch die Zeit ein exklusives Tourtagebuch für uns zu verfassen. Viel Spaß mit dem ersten Teil!

Hier geht es zum zweiten und dritten Teil!

Wir befinden uns gerade im Van in Richtung Rostock. Vom Ort der letzten Show aus gesehen ist das ganz klar auf der anderen Seite Deutschlands.
Das ist die beste Zeit, um zu schreiben. Ich habe ohnehin nichts anderes zu tun. Wir sind jetzt seit über einer Woche in Europa, das bedeutet die Tour ist zu zwanzig Prozent abgeschlossen. Ich bin echt erstaunt darüber, dass es hier jeden einzelnen Tag regnet und das Mitte Juli. Jetzt gerade regnet es auch mal wieder ziemlich heftig, was ziemlich mies ist, weil wir im Regen langsamer fahren müssen und wir heute noch durch halb Deutschland müssen. Wahrscheinlich werden wir uns zur Show verspäten.

Vor etwas mehr als einer Woche sind wir von L.A aus ins Flugzeug nach Stockholm gestiegen. Irgendwie hab ich es geschafft, auf dem Flug zu schlafen. Als wir angekommen sind, haben wir die Nacht im Hotel verbracht und am nächsten Morgen unseren Fahrer Rienk getroffen. Er ist 18 Stunden von Belgien nach Stockholm gefahren. Wir haben dann den Wagen beladen, einen Ford Transit, der eigentlich zu klein ist, um darin zu touren, aber der Van, den wir eigentlich bekommen sollten, hatte die Woche zuvor einen Totalschaden erlitten und Rienk musste in letzter Minute umplanen. Das Beladen gestaltete sich dann auch als eher schwierig, da wir viel zu viele Sachen für den wenigen Platz dabei hatten. Schließlich hatten sich alle rein gequetscht und wir sind zum Getaway-Rock-Festival gefahren, unser erster Gig auf der Tour und unser erster Gig überhaupt in Schweden.

John KevillDas Festival-Gelände war eine verdammt coole Location, direkt daneben war ein Kanal oder ein See, ein Gewässer jedenfalls, und der Tag war sonnig. Die Festival-Veranstalter hatten alles gut organisiert, die Ausrüstung und das Merch, alles war vorbereitet. Wir haben dann am späten Nachmittag gespielt und der Circle Pit hat eine große Staubwolke verursacht, sodass wir ab einem bestimmten Punkt nicht mehr wirklich sehen konnten, was vor der Bühne abging. Wir hatten noch einiges an Zeit übrig und haben uns noch Venom, Ghost und Graveyard angesehen. Der Drummer von Venom war ziemlich unterhaltsam, er hat seine Arme irgendwie in einem 180 Grad Winkel bewegt, um die Hi-Hat zu treffen. Ziemlich hart. Ghost ist eigentlich eine ganz coole Band, aber Papst-Outfits sehen irgendwie immer dämlich aus – sogar die bösen!

Wir hatten keinen Platz zum Übernachten, keine Show am nächsten Tag und eigentlich waren wir auch gerade erst aus dem Flugzeug gestiegen. Also entschieden wir uns, auf dem Festival zu bleiben. Vier von uns gingen zum Campingplatz und versuchten, ein Zelt von jemandem zu schnorren. Das führte dann schließlich dazu, dass wir mit einem wild gewordenen Haufen von schwedischen Metallern Party machten und uns richtig die Kante gaben.

Jeff PottsIch erinnere mich daran, dass ich zwischen verschiedenen Campingplätzen hin und her gelaufen bin, je nachdem wer gerade die bessere Musik spielte. Das ging so für einige Stunden. Es ist Juli und wir waren verdammt weit nördlich, also ging die Sonne nicht unter, es wurde nur ein wenig dunkler, aber eigentlich fühlte es sich wie später Nachmittag an, obwohl es drei Uhr morgens war. Wir haben nicht wirklich aufgehört zu trinken. Da war dann dieser Typ, lange Haare und ziemlich dürr, aber eine verdammt kräftige Stimme. Er hatte Jeans-Shorts an, die so verdammt kurz waren, dass die Hosentaschen unten raus guckten. Obenrum trug er ein Spice-Girls-Shirt, offensichtlich in XS, und eine abgefuckte Jeansjacke. Auf einem Schild um seinen Nacken stand: “Keine dürren Mädels!” Er hat richtig abgerockt. Als wir ihn fragten, was das Schild sollte, antwortete er uns mit einem lauten Schrei: “Die meisten wollen keine fetten Weiber! Ich will keine dürren! Ich will keinen verdammten Salat, ich will Schinken! I will ein Steak!”

Als ich am nächsten Tag aufwachte, hatte ich keine Ahnung, wie spät es war. Ich war in irgendeinem Zelt gelandet, später fand ich dann heraus, dass ich den Schlafsack jemand anderen entwendet hatte – hoppla! Ich erinnere mich nicht wirklich, aber ich glaube, ich bin so um fünf oder sechs morgens schlafen gegangen. Wie es scheint, hatte ich es noch besser getroffen als der Rest...John Laux hat einfach so lange weitergetrunken, bis er ohnmächtig geworden ist und gegen einen Baum gelehnt die Nacht verbracht hat. Am nächsten Morgen war er immer noch besoffen, der arme Bengel. Wir sind zurück zum Festival und haben was gegessen. Ich habe dann im Van sieben Stunden gepennt. Wir hatten den Van mit der großen Tür offen zum Wasser geparkt und eine nette kühle Brise kam reingeweht. Das war eines der besten Schläfchen, die ich je hatte.

Ich bin noch rechtzeitig aufgewacht, um das Ende des Festivals zu sehen. Municipal Waste und Manowar haben das Festival zu Ende gerockt. Ich hab Manowar noch nie gesehen, aber ich bin ein totaler Fan und ich war verdammt aufgeregt, sie endlich zu sehen. In Schweden gibt's dieses 100-Dezibel-Limit. Das war echt schade, weil ich Manowar in voller Lautstärke hören wollte. Am Anfang konnte man die Gitarren noch nicht so gut hören, das ist ein allgemeines Problem bei Open-Air-Festivals. Bei Manowar war es besonders tragisch, weil sie einige meiner Lieblingssongs gespielt haben, aber ohne Gitarren war es nicht so kraftvoll wie sonst. Was soll's, Eric Adams rockt trotzdem. Ein Typ aus dem Publikum wurde auf die Bühne geholt und er durfte die Gitarre spielen, man war der schlecht! Er hat die Gitarre dann trotzdem gewonnen, obwohl er kein bisschen spielen konnte. Am Ende gab es dann noch ein Feuerwerk und ein episches Ende mit 'The Crown And The Ring' und ich hab meinen Hintern zurück in den Van geschoben. Zeit für eine Nachtfahrt! (Ich glaub, ich erschieß mich.)

Bis bald,

Kevill