Online-MegazineKolumne

TYPE 0 NEGATIVE

Die Geschichte von Peter Steele & Co.

TYPE 0 NEGATIVE

Wie man eine Band wahrnimmt, hängt bis zu einem gewissen Grad immer auch vom Alter und der jeweiligen Lebenssituation ab. Als ich das erste Mal mit TYPE 0 NEGATIVE konfrontiert worden bin, war ich 15 und wuchs im Ennstal auf, einem idyllischen Landstrich des österreichischen Berglands.

Die musikalische Topografie dieses Kulturkreises war dabei ziemlich genau abgesteckt: Hier die Riesen-Mehrheit der Bon-Jovi-Friseusen (die bis heute Friseusen geblieben sind), dort die wachsende Gruppe der Grunge-Holzfäller (die heute Projekte im mittleren Management verbocken) und dann eine winzige Fraktion verschrobener Sisters-Of-Mercy-Fans (die heute entweder in Vorstandsetagen oder in der Gosse sitzen). Also die Nerds, die Außenseiter, die Exzentriker, ich. Als „Bloody Kisses“ 1995 erschien, wurde der ´Temple Of Love´ umgehend geschlossen, und aus den Schimmelkellern der amtsbekannten Bauernhäuser drangen stattdessen ´Black No. 1´ und ´Christian Woman´. Die alten Staublederjacken wurden durch das legendäre „Express Yourself – Just Say Yes“-Longsleeve mit den kleinen Selbstmord-Anleitungen am Rücken ersetzt, und mit dem Zahnarzt wurde nicht länger über aktuelle Zahnspangen-Modelle diskutiert, sondern über angefeilte Eckzähne. Kein Zweifel: Die Scheibe war eine Offenbarung, die ein regelrechtes Fieber entfachte, das teilweise sogar die Holzfäller-Clique streifte. Josh, Sal, Peter, Kenny, das klang alles irgendwie nach Coolness, nach einer abgefahrenen Idee aus einem fernen Land, der man im Rahmen einer glücklichen Landjugend natürlich nacheifern musste. Und so wuchs man gemeinsam mit den „Drab Four“ auf, erlebte die schönsten Höhen („October Rust“) und die ersten Tiefen („World Coming Down“). Bis der Zauber auf einmal nachließ und einen „Life Is Killing Me“ merkwürdig gleichgültig zurückließ. Schwer zu sagen, ob man der Band entwachsen war oder diese nicht mehr lieferte – vermutlich eine Mischung aus beidem. Einige desaströse Konzerte und „Dead Again“ später war ich fast schon ein wenig erleichtert, dass Peter Steele mit seinem Abgang die eigene Legende nicht weiter beschädigen konnte, auch wenn mich sein plötzlicher Tod natürlich betroffen und traurig machte. Was bleibt, ist die Erinnerung an einen sehr speziellen Seitenstrang der Musikgeschichte, dem wir mit der aktuellen Rock-Hard-Titelstory ein kleines Denkmal setzen möchten.

 

Pic: Marc Villalonga