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BEYOND THE BLACK

Wer Wind sät...

Beyond The Black

Die deutschen Symphonic-Metaller BEYOND THE BLACK sind echte Senkrechtstarter. Das Debüt „Songs of Love and Death“ schlug im Jahr 2015 richtig ein und bescherte dem Sextett hohe Chartpositionen und prestigeträchtige Auftritte. Nach einem Split mit ihren Bandkollegen stand Frontfrau Jennifer Haben 2016 zunächst allein da. Doch sie setzte weiterhin auf BEYOND THE BLACK und fand bereits einige Monate später neue musikalische Mitstreiter. Nun meldet sich die Band mit „Heart Of The Hurricane“ zurück und das stürmischer als je zuvor. Rock Hard sprach mit der gut aufgelegten Sängerin über das neue Album, Gänsehaut-Momente und geheime Tourpläne.

Jennifer, euer neues Album erblickt am 31. August das Licht der Welt. Bist du aufgeregt?

»Ja, selbstverständlich! Das wird auch langsam Zeit! Wir haben lange daraufhin gearbeitet und gefiebert, das Album endlich veröffentlichen zu können. Wir sind schon lange dabei, Snippets zu posten, aber die Leute sollen endlich mal die neuen Songs hören.«

„Heart Of The Hurricane“ ist das erste Album in neuer Besetzung. Schon 2016 hast du dich von deinen damaligen Bandkollegen getrennt. Wie lief das ab?

»Etwa eineinhalb Jahre nachdem BEYOND THE BLACK entstanden sind, habe ich mich mit meinen damaligen Bandkollegen zusammengesetzt. Es ging um einen internationalen Deal, den wir unterschreiben sollten. In dieser Zeit ist schon so viel passiert und man musste so viel Zeit in das Projekt investieren, dass wir darüber sprechen mussten, wie wir weitermachen. Klar war, dass es noch anziehen würde, wenn wir einen internationalen Deal unterschreiben. Noch etwa ein halbes Jahr haben wir uns darüber unterhalten, haben abgewogen und es lief darauf hinaus, dass wir nicht denselben Weg einschlagen würden. Zum Teil hatten die Jungs andere Projekte oder andere persönliche Ziele, die mit einer Newcomer-Band nicht übereinstimmten. Natürlich wollten sie mir auch nicht im Weg stehen und wir haben einstimmig beschlossen, dass wir uns trennen.«

Kannst Du mir etwas zum Bandfindungsprozess erzählen?

»Natürlich machte es in der Situation und nach dieser Entscheidung keinen Sinn mehr, noch gemeinsame Shows zu spielen. Wir hatten die Sorge, dass das einen komischen Beigeschmack hat und den positiven Vibe der Shows belastet, obwohl wir uns ohne böses Blut getrennt haben und im Guten auseinander gegangen sind. Deshalb hatten wir uns entschieden, nur noch zwei bis drei Shows zu absolvieren, um genügend Zeit für ein Casting einzuräumen. In Saarbrücken haben wir dann die letzte Show in der alten Besetzung gespielt. In dieser Zeit habe ich über einen Kumpel Leute kennengelernt, die Lust hatten, mich zu unterstützen. Dabei waren Chris (Hermsdörfer, Gitarre - nh), Kai (Tschierschky, drums – nh), Tobi (Lodes, Gitarre - nh), die jetzt fest in der Band sind. Sie haben bei der späteren Audition ebenfalls mitgemacht. Das hat mich unglaublich gefreut. Und bei ebendieser Audition kam dann noch Stefan (Herkenhoff, Bass) dazu.«

Wie eben schon angesprochen, seid ihr bereits seit 2016 als Band gemeinsam aufgetreten. Welchen Einfluss hatte das auf das Songwriting?

»Ja, tatsächlich spielen wir in der „neuen“ Besetzung schon länger als in der alten – so krass, wie schnell die Zeit vergeht! Klar, das Songwriting kannte ich so gar nicht, das war alles total neu. Im Sommer des letzten Jahres habe ich die Jungs gefragt, ob sie mir Songideen zuschicken möchten, weil ich gerne wissen wollte, in welche Richtung sie schreiben. Ist das dann immer noch BEYOND THE BLACK? Inwiefern verändert sich dadurch unser Sound? Tatsächlich habe ich dann innerhalb weniger Wochen etwa 30 Songideen bekommen! Das war wirklich großartig, wie viel Bock die Jungs auf BTB hatten.

An diesen Ideen haben wir dann weitergearbeitet und uns in kleinen Gruppen zusammengesetzt. Stefan, Chris und ich waren am meisten eingespannt, die Ideen aufzuarbeiten, bevor wir damit zum Produzenten Sascha Paeth gegangen sind, um die Songs weiter zu verfeinern. Dazu kam noch der Song einer amerikanischen Songwriterin nämlich 'Through The Mirror', den wir auch unbedingt auf dem Album haben wollten.

Anfang des Jahres haben wir mit dem Recording angefangen. Neu war für uns die Pre-Recording-Session, bei der wir alle gemeinsam das Album einmal durchgezockt haben. Für uns war es ein toller Prozess, uns für die Platte ein ganzes Jahr Zeit nehmen zu können und derart ins Detail zu gehen. Jetzt können wir es aber natürlich kaum erwarten, die Scheibe endlich rauszuhauen!«

Wie hat sich die neue Besetzung auf den Sound ausgewirkt?

»Es ist immer noch durch und durch BTB. Früher haben wir uns besonders durch diese verschiedenen Styles ausgezeichnet, die sich zusammenfinden: Balladen, schnellere Songs, Mittelalterliches. Das haben wir beibehalten, aber extremer und mehr auf den Punkt gebracht. Zudem finde ich, dass „Heart Of the Hurricane“ etwas härter geworden ist als die Vorgänger. Diese unterschiedlichen Richtungen und Seiten unseres Sounds sind uns sehr wichtig – das kann ja auch nicht jeder! So findet jeder einen Song, den er komplett abfeiern kann. Das macht es allerdings schwierig, Singles auszuwählen.«

Wie sind die Aufnahmen für das Album gelaufen? Was war euch besonders wichtig?

»Die Pre-Recording-Session war für uns alle sehr hilfreich. Es war super, die Arrangements vorher abzustimmen. Den Rest haben wir, wie heutzutage üblich, zu Hause aufgenommen. Ich persönlich singe meine Vocals grundsätzlich immer beim Produzenten ein, es sei denn, es sind nur noch kleinere Anpassungen nötig. Generell bin ich aber immer froh, einen Produzenten an der Seite zu haben, der stimmlich alles aus mir herausholt. So werde ich nicht abgelenkt und jeder Take wird emotionaler als der vorherige.«

Wer ist bei euch für die Lyrics zuständig?

»Das ist immer unterschiedlich. 'Song For The Godless' stammt komplett aus Stefans Feder. Das war der erste Song, den er mir zugeschickt hat und eigentlich war er schon so, wie er sich auch jetzt anhört – nur mit Stefans Stimme. Tatsächlich war er schon komplett produziert und wir haben kaum etwas daran geändert. Wer die Lyrics schreibt, kommt also wirklich auf die Geschichte des Songs an. Ich habe sowohl mit Chris als auch mit Sascha gemeinsam getextet, aber auch unser Team, das vorher schon mit uns gearbeitet hat, sitzt mit uns an den Lyrics.«

Setzt ihr auch Ghost-Lyrics ein?

»Ja, ich schreibe so grundsätzlich Songs! Es kommt relativ selten vor, dass ich schon vorher weiß, welche Worte mit der Musik verbunden werden. Für mich steht im Vordergrund, wie die Melodie funktioniert und welche Emotionen die Musik transportiert, ohne Lyrics. Die Texte müssen dann dazu passen. Manchmal hat man eine grundsätzliche Stimmung oder Geschichte, aber das war’s dann auch. Deshalb entstehen dann als Platzhalter eben manchmal Sätze, die kannst du dir nicht ausdenken!«

Woraus zieht ihr die Inspiration?

»Oft kommt die Inspiration durch die Musik selbst. Es kommt oft vor, dass Fans uns Nachrichten schreiben und davon berichten, in welcher Situation sie sich gerade befinden. Da sind wirklich sehr traurige Geschichten dabei. Viele ziehen aus unseren Songs Kraft und das ist für mich das größte Lob überhaupt. Und natürlich inspirieren diese Geschichten uns, weil man weiß, es gibt Leute da draußen, die befinden sich gerade in dieser Situation. Autobiografische Songs sind eher nicht dabei, da ich bisher zum Glück noch nie in einer Situation war, die mich derart runtergezogen hätte. Außer unser Line-up-Wechsel 2016, der war wirklich hart für mich. Aber sonst bin ich sehr glücklich mit meinem Leben!«



Du sagtest gerade, dass der Split eine schwierige Zeit für dich war. Wer bietet dir in solchen Zeiten Rückhalt?

»Das ist auf jeden Fall meine Familie. Tatsächlich stand auch das gesamte Team um BTB hinter mir und hat mich unterstützt. Es hieß von allen: Wir glauben an BEYOND THE BLACK und wir glauben an dich. Das ist für mich etwas, was ich niemals vergessen werde: So einen Rückhalt zu haben, wenn sich fünf Leute entscheiden, die Band zu verlassen. Das ist überhaupt nicht selbstverständlich und darüber bin ich bis heute unglaublich dankbar.«

Ich finde es immer interessant, welche Songs den Bandmitgliedern am besten gefallen und welche den Fans. Wie sieht das bei euch aus?

»Das ist es tatsächlich, auch innerhalb der Band! Mein absoluter Favorit ist 'Escape From The Earth'. Das ist einer der Songs, die mir während des gesamten Prozesses am wichtigsten waren. Mit diesem Song verbinde ich einen ganz wichtigen Moment während der Recording-Session.«

Jetzt hast du mich neugierig gemacht. Kannst du das ein bisschen erläutern?

»Eigentlich war der Song von Chris und mir komplett anders gemeint, als er jetzt ist. Wenn du dir jetzt erste Strophe und Refrain anhörst, spiegelt das eigentlich nur das Intro der Songidee wider, die wir mal hatten. Wir haben mit der Idee gearbeitet und es fiel uns auf: Scheiße, das Geilste an diesem Song ist das Intro! Das haben wir dann aufbereitet und somit wurde der Song atmosphärischer, getragener. Ähnlich war das bei 'The Other Side'. Ich bin froh, dass wir auch diese Seite von BTB zeigen können. Da der Song sehr emotional ist, war die Recording-Session äußerst intensiv. Normalerweise singe ich Balladen und langsamere Songs komplett ein. Bei 'Escape From the Earth' habe ich mich beim ersten Take schon derart herein gesteigert, dass das Ganze immer emotionaler wurde. Es geht im Song um Selbstmordgedanken, weil man alle seine Liebsten verloren hat. Da ich ein totaler Familienmensch bin, ist das für mich die absolute Horrorvorstellung! Beim Singen habe ich also versucht, mich in diese Situation hineinzuversetzen. Beim letzten Satz stand ich nur noch da und habe die Luft angehalten – ich hatte wirklich alles gegeben! Das war ein wahnsinnig toller Moment für mich, den ich lange nicht vergessen werde.«

Welche Lieder werdet ihr denn diese Woche schon live vorstellen?

»Bei den Festival-Shows werden wir vor allem auf die Singles 'Million Lightyears', 'God Is Dead', 'Heart Of The Hurricane' setzen, aber auf der Release-Tour freuen wir uns schon drauf, unseren Fans viele neue Songs vorzustellen!«

Was macht ihr so, wenn ihr unterwegs seid?

»Ich schlafe immer sehr lang, um meine Kräfte zu sammeln und meine Stimme zu schonen. Meistens kommt man nicht dazu, wirklich Sightseeing zu betreiben. In Japan haben wir unsere komplette Zeit allerdings ausgenutzt – es war uns egal, ob wir nur zwei Stunden Schlaf bekommen. Das muss man gesehen haben. Wir waren etwa 48 Stunden dort und davon 44 Stunden wach!«

Was nimmst du immer mit auf Tour?


»Mittlerweile habe ich immer einen – das klingt jetzt erst einmal komisch - Gesangsschlauch dabei. Den hat mir Simone von Epica empfohlen, als wir gemeinsam auf Tour waren und ich kränkelte. Der heißt Lax Vox und damit kann man schonend seine Stimme aufwärmen, auch, wenn man krank ist. Sonst bin ich echt unkompliziert.«

Simone Simons von Epica ist begeisterte Beauty-Bloggerin und kreiert komplette Bühnenlooks. Interessierst du dich auch für diese Dinge?

»Circa seit einem Jahr beschäftige ich mich auch etwas mehr mit Make-up, aber auf Make-up-Tutorials oder ähnliches habe ich keinen Bock. Dafür liebe ich Cosplay und nähe meine eigenen Kostüme. Das geht leider unterwegs meist nicht und dieses Hobby bleibt somit etwas auf der Strecke. Bei Instagram kann man sich allerdings einige Fotos von meinen bisherigen Cosplays anschauen, zum Beispiel Maleficent, Avatar, Sally von Nightmare Before Christmas. Mein nächstes Projekt ist Gamora von Guardians Of The Galaxy.«

Stehen bei dir Gastauftritte an, so wie zuletzt bei Kamelot?

»Kamelot war wirklich etwas ganz Besonderes und es hat wunderbar funktioniert, deswegen würde ich so etwas gerne wiederholen, wenn wir wieder etwas mehr Zeit haben. Momentan ist nichts geplant, weil wir mit unserem Album eingespannt sind. Tommy (Karevik, Kamelot-Sänger – nh) und ich haben uns im Studio gesehen, er hat mich richtig unterstützt und quasi angefeuert. Das war eine großartige Erfahrung und ich bin vom Ergebnis begeistert!«

Wenn du dir jemanden für eine Zusammenarbeit aussuchen könntest, wer wäre das?

»Das ist eine gemeine Frage… Vielleicht die Band, mit der wir demnächst, Ende des Jahres, touren werden, was ich aber noch nicht verraten darf! Das werdet ihr bald herausfinden, ich freue mich jedenfalls total!«

Gibt es denn bereits weitere Tourpläne?

»Unsere Release-Shows finden im September statt und Ende des Jahres sind wir dann mit der geheimen Band unterwegs. Nächstes Jahr gehen wir auf Europatour und würden auch sehr gerne nochmal nach Japan oder Nordamerika. Das hängt ein bisschen davon ab, wie das Album angenommen wird.«

Wie sieht das Feedback von den Fans denn bisher aus?

»Mit ein paar Die-Hard-Fans hatten wir bereits eine Pre-Listening-Session, ebenso beim Wacken. Bisher haben wir sehr viel Positives gehört, bei der Pre-Listening-Session gab es sogar Fans, die zu Tränen gerührt waren. Bei Youtube gibt’s selbstverständlich auch mal gemeine Kommentare, aber ein paar Hater wird es immer geben, darauf darf man nichts geben.«

Ihr gehört beim Wacken ja bereits zum Repertoire – wie sieht’s mit 2019 aus?

»Mmh, vielleicht. Bisher ist noch nichts fix, aber Gespräche gab es bereits.«


www.beyond-the-black.com
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www.instagram.com/jennifer.haben

 

Pic: Heilemania (Promo)

 
 

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