Online-MegazineInterview

PARASITE INC.

»Rotwein, viel Rotwein«

PARASITE INC.

PARASITE INC. sind nicht nur ein heißer Newcomer, sondern auch bodenständige, äußerst sympathische Typen. Auf ihren aktuellen Album „Dead And Alive“ lassen sie sich in Sachen melodischem Death Metal jedenfalls nichts vormachen und bieten Kunst auf internationalem Niveau. Logisch, dass wir die Band ans Telefon holen mussten. Es ist einem technischen Fehler geschuldet, dass ich Sänger/Gitarrist Kai Bigler schon zum zweiten Mal innerhalb einer Woche an der Strippe habe. Trotzdem freut er sich erneut, Rede und Antwort zu stehen.

»Ach, dass das Interview ein zweites Mal angesetzt wurde, passt irgendwie ins Bild. Wir mussten auch die Produktion des Lyric-Videos zwei Mal machen, und das richtige Video ebenfalls. Da passt es, dass wir das Interview jetzt auch doppelt machen müssen (lacht).«

Dann bin ich ja beruhigt, obwohl ich die Situation ein Interview noch einmal führen zu müssen, sehr skurril finde. Wie dem auch sei, noch einmal Glückwunsch zur neuen Platte. Aber wieso habt ihr so viel Zeit zwischen den beiden Platten verstreichen lassen?

»Einerseits gab es Besetzungswechsel, uns hatten unser Bassist und Gitarrist verlassen. Letzterer hatte sich aus finanziellen Gründen entschieden, einen Job als Lichttechniker auf der Aida anzunehmen. Andererseits hat uns das letzte Album („Time Tears Down“, 2013 - cb) dann noch vor ganz neue Herausforderungen gestellt. Hinzu kommt, dass wir damals noch kein Merchandise hatten, geschweige denn einen Merch-Stand und solche Sachen (lacht). Wir haben mit dem Erfolg der ersten Platte gar nicht gerechnet. Wir hatten auch keinen Technical Rider oder dergleichen Dinge. Zum Schluss hat noch unser damaliges Label dicht gemacht und wir verloren den Vertrieb, weshalb wir alle Bestellungen, die über Bandcamp, etc. reingekommen sind, selbst erledigen mussten. All das hat viel Zeit in Anspruch genommen.«

Wie stehst du denn zu Bandcamp, wo wir gerade davon gesprochen haben? Ich finde ja, dass die Plattform sich recht viel Geld von den Künstlern einbehält.

»Ich finde Bandcamp sehr gut, wenn man es nicht als reines Shopsystem betrachtet. Es gibt in diesem System eine Community, und es wird deinen Freunden angezeigt, wenn du etwas bei einer Band gekauft hast. Man kann außerdem Kommentare auf den Seiten hinterlassen und so in Austausch mit anderen Bands gehen. Klar greifen die sich ein Stück vom Kuchen ab. Aber verglichen mit Bigcartel zum Beispiel, kann man bei Bandcamp seine Seiten selbst gestalten und man hat viele Möglichkeiten, mit denen man arbeiten kann.«

Dann lass uns doch einmal über eure Liedtexte reden. Worum geht es in 'Armageddon In 16:9' vom letzten Album? Mögt ihr das aktuelle TV-Programm nicht?

»(Lacht) Nein. Das hat mit Fernsehformaten gar nichts zu tun. Eher damit, dass die Welt momentan ziemlich den Bach runter geht. Und wenn der Weltuntergang irgendwann kommt, werden wir ihn vermutlich vor unseren TV-Geräten zu sehen bekommen. Ganz ähnlich wie Silvester. Da sitzen die Leute auch meistens vor dem Fernseher und warten darauf, dass es Mitternacht ist.«

Was inspiriert dich zu deinen Lyrics?

»Rotwein, viel Rotwein (lacht). Nein, im Ernst. Wie bei vielen anderen Bands auch, sind es persönliche Erfahrungen, die mich veranlassen Lyrics zu schreiben. Auch der Blick nach draußen, was ist eigentlich los in der Welt, ist für mich sehr wichtig.«

Ziemlich viel Scheiße ist in der Welt momentan los.

»Ja, genau. Richtig viel Scheiße. 'This World' ist beispielsweise so ein Song der sich mit dem Thema beschäftigt. Da geht es darum, dass jeder von uns ein kleiner Trump oder Kim Jong-un ist, wenn er in entsprechenden Situationen getriggert wird. Ich will mit dem Song einfach sagen, dass es da draußen eine Menge Scheißtypen gibt, und wir im Prinzip nicht mit dem Finger auf andere zeigen können, weil wir im Grunde selbst nichts tun, um die Situation zu ändern. Gerade, wenn man sich die Facebook-Feeds anschaut und liest, was die Leute da von sich geben, kann einem schon anders werden.«

Dafür ist das Internet ja schön anonym. Da ist jeder ein starker Mann oder eine starke Frau.

»Genau. Ich persönlich nutze Facebook nur noch als reine Kommunikationsplattform. Früher hatte man immer gedacht, es gibt einen Bodensatz an Menschen, heute hat man das Gefühl, dass es nur noch den Bodensatz gibt (lacht). So ist jedenfalls 'This World' entstanden.«

Ok, spannend. Dann noch ein letzter Text, der mich interessiert. Wer oder was ist der 'Headfuck Rollercoaster'?

»In dem Song geht es darum, dass man sich nicht immer alles gefallen lassen soll. Es geht nicht um Blowjobs, auch wenn der Kontext schon ein wenig vulgär ist. Ich glaube, dass den Song viele Leute falsch verstanden und ihn nur auf diese Blowjob-Geschichte reduziert haben. Wir wollten zu der Nummer auch ein Video drehen. Aber als der Regisseur den Titel gelesen hat, kam der mit ganz komischen Ideen an, und wir haben nur die Hände über dem Kopf zusammengeschlagen (lacht). Da waren Sachen mit viel Schlagsahne und Brüsten dabei. Lassen wir das (lacht).«



Wie seid ihr auf die Idee gekommen Scandroids 'Empty Streets' in einer Metalversion zu covern?

»Ich habe dieses Faible für die Achtziger. Ich bin ein Kind der Achtziger, und habe gute elterliche Früherziehung vor dem Fernseher genossen (lacht). Da habe ich natürlich auch alle möglichen TV-Serien mitbekommen. Davon war ich sehr begeistert und es hat mich nie losgelassen. Ich habe nach dem Debütalbum angefangen mit Eigthies-Synthesizern zu experimentieren und bin dann über die Jahre zur New-Synth-Retro-Wave gekommen. Es gibt eine Szene, die nur mit diesen Eighties-Synthies arbeitet und das richtiggehend zelebriert. Kennst Du „Kung Fury“?«

Logisch.

»Da war zum Beispiel Mitch Murder (schwedischer Elektromusiker - cb) dabei. Eine der Entdeckungen, die ich gemacht habe, waren schließlich Scandroid. Das war für mich der Punkt, wo ich zum ersten Mal diese Achtziger-Retro-Wave in einem stimmigen Kontext gehört habe. Da sind total catchy Songs dabei. Und gerade 'Empty Streets' ist in dem Zusammenhang schon fast wieder ein Punk-Rock-Song, was mich auf die Idee gebracht hat, den Track zu nehmen. Ich habe anfangs dazu gejammt und nach und nach den Jungs im Proberaum etwas vorgespielt. Irgendwann hieß es: „Lass uns die Nummer machen!“«

Nachdem eure beiden Alben mehrheitlich super Kritiken eingefahren haben, fühlst Du dich nun beim Songwriting unter Druck gesetzt? Ist euer Label mit einer Erwartungshaltung an euch herangetreten?

»Nein, gar nicht. Wir sind mit Reaper Entertainment super zufrieden. Die Zusammenarbeit funktioniert auf Augenhöhe, aber reingeredet haben sie uns nicht. Wir hatten für uns selbst den Anspruch ein besseres Album als „Time Tears Down“ zu machen. Eine ähnliche Platte wollten wir nicht machen, das war uns schon früh klar. Zumal einfach auch eine lange Zeit zwischen den Alben lag. Uns war es wichtig, dass wir neue Nuancen in unseren Sound einbauen konnten. Das war die Erwartungshaltung an uns selbst.«

Nuancen ist ein gutes Stichwort. Ich finde auch, dass ihr viele Nuancen in euren Songs versteckt habt. Man muss die Stücke auf jeden Fall öfter hören, bis wirklich alles greifbar ist.

»Dankeschön! Einige der Elemente waren auch schon auf dem Debüt vorhanden, jedoch sehr weit im Hintergrund. Ich habe sogar teilweise die gleichen Synthesizer wie auf dem Debüt verwendet, was einigen Leuten gar nicht aufgefallen ist. Manchmal muss ich über einige Reviews schon lachen, weil sich die Leute über die Synthesizer aufregen. Da denke ich mir: „Leute, das war doch schon alles auf „Time Tears Down“ zu hören“ (lacht). Ich habe auch schon Fan-Kommentare gehört, die besagten, dass die Leute mit „Dead And Alive“ aufgrund der Sounds nichts anfangen können.«

Das ist interessant. Ich bin der Meinung, dass gerade die Mischung auf dem Album sehr gelungen ist. So unterschiedlich können Geschmäcker sein.

»Ja, stimmt schon. Wir haben uns bewusst etwas weiter aus dem Fenster gelehnt. Uns war nach dem Debüt durchaus bewusst, was funktioniert und was nicht. Auch war uns klar, dass wir mit diesen Spielereien auf Kritik stoßen könnten. Gerade mit den Elektronikelementen und mit dieser verzerrten Computerstimme. Aber wir wollen uns als Band weiterentwickeln, deshalb haben wir den Fokus dieses Mal auf diese Elemente gelegt.«

Dann lass uns noch zu euren Liveshows kommen. Ihr habt den Release von „Dead And Alive“ auf dem Summer Breeze Open Air gehabt. Wie war es für euch, dorthin zurückzukehren?

»Es war beeindruckend. Wenn ich jetzt daran zurückdenke, kommen mir immer neue Facetten in den Sinn. Es war auf jeden Fall eine gute Zeit. Wir hatten Spaß, es waren viele Leute vor der Bühne trotz der frühen Spielzeit (erste Band am Samstag - cb). Wir waren 2016 schon einmal dort, damals noch auf der Camel Stage. Es war wirklich beeindruckend, dass wir in den zwei Jahren noch einen höheren Bekanntheitsgrad gewonnen haben. Das war ein sehr schönes Gefühl. Auch die Autogrammstunde danach war super. 2016 war nach einer halben Stunde Schluss. Dieses Jahr mussten wir das Ganze auf eine Stunde erweitern, weil da eine riesige Schlange von Menschen war. Das war ein sehr schönes Erlebnis.«

Zum Schluss noch das Thema Videos, die ziemlich cool rüber kommen. Habt ihr die Videos selbst gemacht? Oder habt ihr eine Firma beauftragt?

»Nein. 'Once And For All' haben wir wie 'The Pulse Of The Dead' selbst gedreht. Es waren aber die gleichen Leute beteiligt. Für das Licht konnten wir unseren alten Gitarristen noch einmal zurückholen und der Kameramann war ein Bekannter von uns. Der Kameramann, den wir eigentlich haben wollten, arbeitet gerade in Köln an so Sachen wie „Der Bachelor“ und stand leider nicht zur Verfügung. Daher der Wechsel hinter der Kamera. Die Post-Production haben wir aber wieder selbst in die Hand genommen. Das Lyric-Video zu 'This World' hat unser Drummer Benni angefertigt, und den 'Headfuck Rollercoaster' wollten wir aus Zeitgründen in externe Hände geben. Was daraus geworden ist, hatte ich dir vorhin ja schon erzählt (lacht). Da ging ganz viel in die Hose und hat mit unserer Idee wenig zu tun gehabt. Mich graust es jetzt noch davor, was dabei hätte rauskommen können.«

Da hättet ihr vermutlich Aufmerksamkeit im Internet bekommen, die ihr so nicht beabsichtigt habt.

»Ganz genau so sieht es aus. Deshalb haben wir das auch lieber selbst gemacht.«


 

www.parasiteinc.de/band
www.facebook.com/ParasiteInc

AbfahrplanDie nächsten Konzerte

NOTHGARD + PARASITE INC.26.10.2018JenaF-HausTickets
NOTHGARD + PARASITE INC.27.10.2018MarkneukirchenFramus & Warwick Music HallTickets
NOTHGARD + PARASITE INC.31.10.2018LindauVaudevilleTickets
NOTHGARD + PARASITE INC.01.11.2018AT-VöcklabrückOKHTickets
 
 

Diese Seite verwendet Cookies. Erfahrt in unserer Datenschutzerklärung mehr darüber, wie wir Cookies einsetzen und wie Ihr Eure Einstellungen ändern und Cookies deaktivieren könnt. Darüber hinaus verwenden wir Cookies Dritter für die Einbindung audiovisueller Inhalte durch Youtube, Spotify und Soundcloud. Dem könnt ihr hier zustimmen oder dies ablehnen. Datenschutzerklärung ansehen