Online-MegazineInterview

CULTIST

Raus aus der Komfortzone

CULTIST

Was entsteht, wenn Skeletonwitch und Howl musikalisch aufeinandertreffen? Ein irgendwo zwischen Sludge, Black und Thrash wütendes Stück Schwermetall? Weit gefehlt. Evan Linger und Josh Durocher-Jones unternehmen mit ihrem neuem Projekt CULTIST eine Zeitreise in die 1970er. Die im Januar 2016 veröffentlichte Debüt-EP „Three Candles“ kombiniert atmosphärischen Stoner und Psychedelic Rock mit ganz viel Fuzz und lässt nicht nur einmal an Uncle Acid And The Dead Beats denken. Im Interview stellt euch das Duo die EP genauer vor – von Soundexperimenten über The Beatles und Neil Young bis hin zu Fantasy-, Horror- und Science Fiction-Kurzgeschichten.

Die Musiker hinter CULTIST sind schon seit vielen Jahren in Bands wie Howl und Skeletonwitch aktiv. Wann habt ihr euch denn entschieden, eure Kreativität zu bündeln und mit CULTIST ein neues Projekt ins Leben zu rufen?

Evan: »Josh und ich sind zusammen zur Schule gegangen und haben in den letzten zehn oder fünfzehn Jahren in der ein oder anderen Form gemeinsam Musik gespielt. Wir wuchsen mit Punk auf und waren gemeinsam in Punkbands unterwegs. Vor ungefähr drei Jahren haben wir begonnen, die Songs zu schreiben, die die Grundlage für die „Three Candles“ EP bilden sollten.
Als es bei Howl live etwas ruhiger zuging, begleitete Josh Skeletonwitch auf einigen Touren als Merchandiser. In dieser Zeit machte er sich Gedanken, welches musikalische Projekt er als nächstes in Angriff nehmen will und wir begannen Ideen auszutauschen. Je mehr wir über ein gemeinsames Projekt sprachen, manifestierte sich die Idee eines stark von den 1970er Rock beeinflussten Sounds, der jedoch von einer düsteren, unheilvollen Atmosphäre durchzogen wird.«

Gibt es etwas oder jemanden, das/der euch dabei besonders beeinflusst?

Evan: »Unser Ziel war es, etwas Dunkles zu schaffen, das sich aber gleichzeitig in deinen Gehörgängen einnistet. Meistens rotieren bei mir eher The Beatles oder Neil Young als Metal. Diese Atmosphäre wollten wir einfangen und ihr unseren eigenen Stempel aufdrücken. Unser stärkster Antrieb besteht darin, einen guten Hook zu finden, etwas, dass dich direkt in den Song reinzieht und nicht mehr loslässt, so dass du dir sagst: „Verdammt, ich bekomme das nicht mehr aus meinem Kopf!“«

Du bist noch bei Skeletonwitch aktiv, die eine Mischung aus Thrash, Heavy und Black Metal zelebrieren. Ist CULTIST für dich eine Plattform, um Einflüsse zu verarbeiten, die bei Skeletonwitch keine bzw. nur eine untergeordnete Rolle spielen?

Evan: »Ich habe in den vergangenen acht Jahren Bass bei Skeletonwitch gespielt und Josh war bei Howl aktiv. Von Anfang an stand für uns fest, dass wir etwas machen wollen, das sich von beiden dieser Welten deutlich abhebt. Im Songwriting-Prozess haben wir ganz bewusst unsere Komfortzone verlassen – nicht nur im Hinblick auf den Musikstil, sondern auch unsere eigenen Rollen. Bei Skeletonwitch arrangiere ich nur meine Basslinien und steuere hin und wieder einen Gitarrenpart bei. Auf 'Three Candles' habe ich eine Menge Material geschrieben und arrangiert, und auch viele Gitarrenlinien eingespielt.«

Wie entsteht überhaupt ein CULTIST-Song? Schreibt ihr allein oder entwickeln sich Stücke auch in gemeinsamen Proberaum-Jams?

Evan: »Da ich ziemlich viel toure, schreiben Josh und ich meistens getrennt voneinander. Ich komponiere ohnehin besser allein. Zunächst nimmt jeder von uns Demos auf, dann tauschen wir Ideen aus, verfeinern sie, arrangieren sie neu. Wenn ein Song fast fertig ist, macht sich Josh an die Vocals – Gesangslinien schreiben, Demos anfertigen, Stimmen übereinanderlegen. In diesem Schritt schalte ich mich nur ein, wenn Josh eine zweite Meinung braucht.«

Der Sound auf „Three Candles“ trägt maßgeblich zur Atmosphäre der EP bei. Ihr habt gemeinsam mit Ben Vehorn in den Tangerine Sound Studios gearbeitet (die Tangerine Sound Studios wurden übrigens 2008 gemeinsam von Ben Vehorn und dem Black-Keys-Drummer Pat Carney gegründet). Ihr habt dabei beispielsweise mit Effektpedalen von Earthquaker Devices experimentiert. Gibt es Equipment, das für euren Sound unerlässlich ist?

Evan: »Den richtigen Sound zu finden, hat fast mehr Zeit in Anspruch genommen, als die Songs aufzunehmen. Uns ging es um einen bestimmten „Vibe“. Wir wollten, dass alles so ungeschliffen und roh wie möglich klingt. Heute klingt alles so glatt und sauber, perfekt, digital. Meine Lieblingsplatten haben einen Lo-Fi Sound. Den wollte ich auch auf der EP einfangen. Wir haben uns für dieses Studio entschieden, weil Ben mit einem Vintage-Mischpult aufnimmt, viele alte Amps und Pedale beherbergt und dazu noch ein großartiges Gehör mitbringt. Ben arbeitet auch für Earthquaker Devices in Akron, Ohio und hat eine große Auswahl an Stomp Boxen. Wir haben uns viel Zeit gegönnt, um mit Equipment zu experimentieren und unterschiedliche Effekte miteinander zu kombinieren.«

Ihr habt bereits angesprochen, dass ihr beim Songwriting der EP gewohntes Terrain verlassen habt. Trifft das auch auf die Lyrics zu? Habt ihr zuvor schon Texte für andere Bands geschrieben?

Josh: »Ich habe bereits für andere Bands Lyrics geschrieben, aber es bleibt ein schwieriger Prozess für mich und das Texten ist immer der letzte Schritt des Songwritings. Ich entwickle zuerst Gesangslinien und setzte erstmal irgendwelche Silben und Worte als Platzhalter. Dann entwickle ich das Thema des Songs und ersetze den Kauderwelsch durch richtige Lyrics. Manchmal schreibe ich einen Text in einem Stück herunter und es bereitet mir wenig Mühe, manchmal dauert es aber auch mehrere Monate.«

Die Musik von CULTIST verbindet 70s-Rock mit einer düsteren Atmosphäre. Sind die Lyrics für euch ein Mittel, um dieses Feeling zu transportieren oder haben sie für euch den gleichen Stellenwert wie die Musik? Welche Themen verarbeitet ihr auf „Three Candles“?

Josh: »Die Lyrics dienen zu 100% dazu, die Atmosphäre zu transportieren, die wir als Band kreieren. Für mich sind die Lyrics ein Instrument, dass uns dabei unterstützt, die Stimmung, die einem bestimmten Song innewohnt, aufzubauen und zu beschreiben. Ich bin ein riesiger Fantasy-, Horror- und Science-Fiction-Fan. Das spiegelt sich auch in den meisten Texten wider. Ich betrachte meine Texte gern als vage Kurzgeschichten. Ich schaffe einen Rahmen und nehme die Hörer mit auf eine Reise, will aber nicht alle Ideen vor ihnen ausbreiten. Der Text soll genug Raum für die eigenen Erfahrungen und Ideen der Hörer lassen.«

Bei „Three Candles“ habt ihr mit zwei unterschiedlichen Künstlern zusammengearbeitet. Der Maler Justin Bean hat das Cover-Artwork eurer EP geschaffen. Das Shirt-Design wurde hingegen von Tattoo-Künstler Nate Kemr beigesteuert.

Josh: »Ja, beide sind Freunde und wir schätzen ihre Arbeit sehr. Wir haben kaum Vorgaben gemacht und beide kehrten mit Bildern zurück, die die Band sehr gut repräsentieren. Ebenso wie die Musik und die Lyrics, sollen alle visuellen Elemente die Atmosphäre der Band widerspiegeln.«

Bislang gibt es die EP „Three Candles“ nur als digitale Veröffentlichung via Bandcamp. Ist eine physische Veröffentlichung - zum Beispiel als Vinyl - in Planung?

Evan: »Mit der Hilfe eines gemeinsamen Freundes werden wir die EP in den kommenden Monaten in Eigenregie veröffentlichen – und zwar auf Tape. Die Tapes gibt es in sehr limitierter Auflage und wir stellen euch online bald einige Pre-Order-Bundles zusammen, die wir auch international verschicken. Darüber hinaus kann ich mir eine 10“-Platte sehr gut vorstellen. Das entspricht auch viel mehr dem Grundgedanken der Band als die momentane digitale Veröffentlichung.«

Was steht als nächstes für CULTIST an? Habt ihr bereits live gespielt? Gibt es bereits erste Tourpläne?

Josh: »Wir arbeiten gerade an einigem neuen Material. Auch wenn wir uns beide über die Reaktionen auf die EP gefreut haben, entwickeln wir uns mit den neuen Songs in eine etwas andere Richtung. Da gibt es immer eine interessante Eigendynamik, wenn Leute beginnen, gemeinsam an einem neuen Projekt zu arbeiten. Die neuen CULTIST Songs werden auf jeden Fall eine Reihe von untypischen Einflüssen bereithalten.«

Evan: »Bislang haben wir noch nicht live gespielt und wir wollen auch nichts überstürzen. Wir haben beide bereits in anderen Bands gezockt und sind mit ihnen viel auf Achse gewesen. Wir wollen CULTIST nicht um jeden Preis auf die Bühne bringen, sondern Möglichkeiten nutzen, die sich für uns persönlich gut und richtig anfühlen. Aber es steht natürlich außer Frage, dass wir CULTIST gern für eine Tour nach Europa bringen möchten.«

Bis es soweit ist, könnt ihr euch die komplette Debüt-EP „Three Candles“ auf der Bandcamp-Page von CULTIST anhören.

https://cultistworship.bandcamp.com
https://www.instagram.com/cultist_worship