Online-MegazineInterview

MOTOROWL

Online-Ergänzung zum Interview aus RH Vol. 375

MOTOROWL- Sänger und Gitarrist Max verriet uns mehr über den zweiten Langspieler „Atlas“, als in unser Heft gepasst hat. Trotzdem wollen wir euch die interessanten Einblicke nicht vorenthalten.

Max, seit dem letzten Album sind erst zwei Jahre vergangen, das ist gar nicht mal so viel und viele Bands berichten immer, dass das zweite Album das Schwerste sei, war das bei euch ähnlich?

»Ja, aber auch nur, weil man sich vorher so einen Druck macht, da jeder davon spricht, dass das zweite Album das Beste sein muss oder so. Ich glaube das gar nicht, es gibt so viele Bands, die nach dem zweiten Album noch extrem gute Platten veröffentlicht haben, während das zweite Album vielleicht Quatsch war. Wir haben das nicht so sehr an uns herangelassen und direkt nach „Om Generator“ angefangen wieder Songs zu schreiben.«

Das ist gut. Viele Künstler machen sich Gedanken darüber, wie das zweite Album klingen soll – zwar so ähnlich wie das Erste, aber trotzdem nicht noch mal genau so und das setzt viele junge Musiker dann unter Druck.

»Das stimmt, aber es gibt Bands wie Tribulation, denen das dann egal ist. Wenn die Bock haben, was anderes zu machen, dann machen die halt was anderes und das finde ich ziemlich cool.«

Ihr mischt auch einige Stile in eurer Musik miteinander – zum Beispiel sind Psychedelic- und Krautrock-Elemente sehr präsent. Beide Stile sind eng verknüpft mit der 68er Generation. Hast du dich soziopolitisch – im Sinne von Anti-Kriegsbewegung, Nachkriegskinder, Sehnsucht nach Frieden – damit schon mal auseinandergesetzt? Kannst du dich mit den Werten dieser Generation beziehungsweise der Hippies identifizieren?

»Ich kann die Werte eher nachvollziehen, als alles andere und natürlich, so ein bisschen Hippie haben wir meiner Meinung nach alle abbekommen – ich vor allem durch meinen Freundeskreis –, aber würde mich nicht als solchen bezeichnen. In unserer Kleinstadt ist so ein Musikerkreis entstanden, weil außer saufen, bescheuert werden und mit 20 einen festen Arbeitsvertrag haben, hier nicht so viel los ist. Dann haben sich da ein paar Leute zusammengetan – unter anderem ja auch Deserted Fear, die kommen auch aus dieser großen Clique. Die haben sich ihren Weg gebahnt, dann kamen wir und sind zufällig beim gleichen Label gelandet, dann gibt’s noch ein paar, die aktuell jeden Tag im Proberaum jammen und sich die Birne wegkiffen und dann gibt’s noch welche, die gerade an irgendwelchen Musikhochschulen Jazz studieren. Alle Richtungen, die man hätte ergreifen können, hat unsere Company eingeschlagen, das finde ich ganz cool.«

Im Song 'Infinite Logbook' gibt es die Zeile „how long does it take to find out who we are?“ - machst du dir oft Gedanken darüber, warum wir hier sind und wer wir sind?

»Ja, das ist sogar doppeldeutig gemeint. Ich erkläre ungern Lyrics, aber auf diesem Album hab ich irgendwie sehr viel Erklärungsbedarf. Es gibt zwar einen kleinen roten Faden auf dem Album, aber anders als einige denken, ist das kein Konzeptalbum. Ich hab die Texte ziemlich aus der Hand raus geschrieben und das in einer für mich komplizierten Zeit. Ich war mitten im Studium, hatte ein paar Tour-Angebote auf dem Tisch und war sowieso gerade ein wenig überfordert mit mir selbst und mit dem, was ich will und was ich nicht will und dann ist auch noch eine Beziehung, die mir sehr wichtig war, grandios gescheitert. Da sind so viele Sachen aufeinander gekommen, also hab ich versucht aus der ganzen Misere etwas Gutes zu gewinnen und halbwegs positive Texte zu schreiben – was nicht besonders gut geklappt hat, wenn ich sie mir im Nachhinein durchlese. Ich gebe mir selbst zwar viele Tipps, aber ansonsten...«

Irgendwie scheint in allen Songs ein wenig Melancholie mitzuschwingen. Ist das eine Grundstimmung oder Facette von dir, wie du die Welt betrachtest?

»Ich bin ein sehr launischer und gleichzeitig auch positiver Mensch. Die erste Sache an die ich glaube, wenn´s um Menschen geht, ist, dass es etwas Gutes im Gegenüber gibt. Allerdings schreibe ich schon oft über Schmerz in der Brust, allerdings versuche ich das Ganze nicht so cheesy wirken zu lassen, sondern verpacke das in ein kleines Gedankenmodell, die dann oft einen Bezug zu Religion, Mythologie oder Spiritualität haben – aber ich bin kein spiritueller Spinner der sich alles an den Haaren herbeizieht (lacht), ich bin eher ein pragmatischer Mensch. Aber ich habe ein großes Interesse daran, weil Dinge wie Religion nie wirklich verstehen konnte. Alles, was ich auf den ersten Blick nicht ergründen kann, reizt mich umso mehr. Dann setze ich mich damit auseinander und letztlich begreift man, dass alles irgendwie in einer Emotion mündet. Jede Religion ist gelenkt durch Emotion, weil man immer nach etwas sucht und Religion ist oftmals die Antwort darauf – oder zumindest eine Art Handbuch. Deswegen fangen sich so viele Menschen auch in Religion.«

www.motorowl.de
www.facebook.com/motorowl

 
 

Diese Seite verwendet Cookies. Erfahrt in unserer Datenschutzerklärung mehr darüber, wie wir Cookies einsetzen und wie Ihr Eure Einstellungen ändern und Cookies deaktivieren könnt. Darüber hinaus verwenden wir Cookies Dritter für die Einbindung audiovisueller Inhalte durch Youtube, Spotify und Soundcloud. Dem könnt ihr hier zustimmen oder dies ablehnen. Datenschutzerklärung ansehen