Online-MegazineInterview

BRUTUS

Mit zwei Flügeln in die Hölle

BRUTUS

Die belgischen BRUTUS fegen seit drei Jahren durch sämtliche Genres der Metal- und Rockmusik und finden gleichzeitig eine eigene Note in ihrer Musik. Wir unterhielten uns mit Drummerin und Sängerin Stefanie über ihre Einflüsse, die Aufnahmen ihres Debüts „Burst“ in Kanada und die kuriose Suche nach einem Sänger.


Stefanie, eure erste Show habt ihr im Jahr 2014 gespielt. Was hat sich in den letzten drei Jahren geändert?


»Sehr viel! Was damals sehr unbekümmert begonnen hat, wird gerade immer bedeutsamer. Aber die Freundschaft zwischen uns hat sich nicht wirklich verändert. Wir sind nun stärker als je zuvor verbunden. Wir haben die Musik immer ernst genommen, anders als uns selbst. Jetzt muss ich aber ein bisschen weniger sorglos sein mit dem, was wir machen. Aber nicht zu viel.«


Wie würdest du jemandem eure Musik beschreiben, der sie bis jetzt noch nicht gehört hat?


»Wie sind eine Rockband, die aus drei Teilen besteht. Mit einem Gitarristen, den wir aus dem Bruce-Springsteen-Himmel gestohlen haben, dessen Flügel aus „Electro Harmonix Holy Grails“ (ein Gitarren-Effektgerät, mw) bestehen. Er ist aus Versehen über diesen Typen gestoplert, der denkt, dass er Bass spielt. Auf ihrem gemeinsamen Weg zur Hölle haben sie dieses Mädchen getroffen, das gar keinen Musikgeschmack hat, ha ha. Kleiner Scherz. Ich würde uns einfach nur als Rockband bezeichnen.«

Als ihr die Band gestartet habt, wart ihr auf der Suche nach einem Sänger, aber habt keinen gefunden. Wie lange hat es gedauert, dich zu überzeugen, den Posten zu übernehmen?

»Stijn und Peter haben einfach nicht gesucht. Sie haben mir zwar gesagt, dass sie auf der Suche sind, haben aber in Wirklichkeit gar nicht damit angefangen. Ich glaube, nach sechs Monaten habe ich dann endgültig realisiert, dass sie gar keinen neuen Sänger wollten, sondern mich für diese Aufgabe gesehen haben.«

Du liebst Black Metal und Blast-Beats, Stijn hört gerne The Smiths und Bruce Springsteen und Peter hört alles von Kanye West bis NOFX. Wie findet ihr trotzdem einen roten Faden in eurer Musik?

»Der rote Faden in unserer Musik ist die Leidenschaft für sie. Wir hören alle unterschiedliche Musikrichtungen, aber wir teilen die gleiche Passion für die Musik.«

Ihr habt „Burst“ mit Jesse Grander in Vancouver, Kanada aufgenommen. Wie kam der Kontakt zustande und wie gestalteten sich die Aufnahmen?

»Als wir über den Aufnahmeprozess für unser Album sprachen, haben wir erstmal unsere Lieblingsplatten aufgeschrieben, die gleichzeitig einen tollen Klang haben. Weil wir alle unterschiedliche Musik hören, dachten wir, dass unser Geschmack sich beim Sound auch unterscheiden würde. Am Ende konnten wir uns trotzdem auf zwei Platten einigen. Die eine Platte stammte von White Lung und die andere von der Band Japandroids. Beide Alben wurden von Jesse Grander aufgenommen und produziert. Daraufhin schickten wir ihm eine E-Mail und zwanzig Minuten später antwortete er mit Sushi-Emojis. Da wussten wir: Er ist der Richtige! Als wir in Vancouver ankamen, hat er uns offenen Herzens in seinem Studio, seinem Leben und sogar seinem Haus für den nächsten Monat empfangen. Die Aufnahmen an sich verliefen großartig. Jesse ist voller Energie und hat eine professionelle Einstellung. Ich würde ihn jeder Band empfehlen, weil seine Arbeit so facettenreich ist.«



'Not Caring' hat zum Beispiel eine sehr düstere Atmosphäre, die an Black Metal erinnert. Generell ist eure Musik von sehr vielen Genres beeinflusst. Gibt es weitere Spielarten, die ihr auf den nächsten Platten behandeln wollt?


»Ich habe schon eine Idee davon, wie das nächste Album klingen soll. Ich weiß aber auch, dass Stijn und Peter ihre eigenen Ideen haben werden. Aber um die Frage zu beantworten: ich möchte kein Genre wählen, um einen Song zu machen. So arbeiten wir nie. Es ist nicht so, dass wir einen Punk-Song machen müssen, wenn ich in meiner Punk-Phase bin, oder wiederum einen dunkleren Track, wenn ich in meiner Black-Metal-Phase bin. Ich kann ehrlich sagen, dass wir uns während des Songwritings nie vorher für ein Genre entscheiden. Es gibt aber natürlich ein paar Sachen, mit denen ich mich mehr identifizieren kann, als mit anderen.«


Wie sieht es bei den Texten aus? Gibt es da ein bestimmtes Konzept?


»Als wir die Vorproduktion der Songs gemacht haben, ist ein Freund von mir durch eine sehr harte Zeit gegangen. Die Texte spiegeln seine damalige Situation wider. Ich glaube, dass er bis heute nichts davon weiß, dass die Texte von ihm handeln, aber wenn ich seine Gefühle nachvollziehen kann, warum soll ich davon nicht singen?«


Die Vocals kann man auf dem Album sehr deutlich und klar vernehmen. Ist es euch wichtig, dass der Hörer versteht, was ihr mit den Texten ausdrücken wollt?


»Haha, nein, gar nicht. Wenn man mich mit dem Produzenten alleine lassen würde, wären nur Hall- und Delay-Effekte auf den Vocals. Es war schwer, die ganzen Effekte auszuschalten und zu akzeptieren, dass ich die Sängerin bin. Es freut mich aber zu hören, dass du die Texte verstehst. In unserer Heimat Belgien fragen mich alle Leute, was ich singe, weil niemand auch nur ein Wort versteht. (lacht)«


Ihr habt eine Europa-Tour mit 17 Konzerten in sechs Ländern vor euch. Wie wichtig ist es für euch, live zu spielen?


»Sehr wichtig! Es ist die Kirsche auf der Torte. Wir sind sehr dankbar, die Möglichkeit zu haben, vor Publikum zu spielen und unterwegs zu sein. 
Trotzdem ist das alles harte Arbeit.«


Sind Länder dabei, in denen ihr noch nicht gespielt habt?


»Nein, Ich glaube wir waren als Band schon in allen Ländern, die wir jetzt bald besuchen werden. Für uns ist es ist das größte Geschenk, diese verschiedenen Länder aufgrund der Musik zu sehen.«


Habt ihr bestimmt Pläne nach der Tour?


»Wir werden einfach erstmal nur weiter spielen und spontan neue Songs schreiben. Wenn etwas kommt, kommt es. Es kann auch sein, dass wir anfangen, ein komplettes Album zu schreiben.«


 

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Pic: Eva Vlonk (Promo)