Online-MegazineInterview

BLOODLIGHTS

Manchmal eifersüchtig, aber nie zurückhaltend

BLOODLIGHTS

BLOODLIGHTS, die mittlerweile nicht mehr ganz so neue Band des ehemaligen Gluecifer-Gitarristen Captain Poon, gehörte noch nie zu den ganz fixen Vertretern ihres Genres: Zwischen „Pulling No Punches“ und ihrem letzten Langspieler „Stand Or Die“ liegen gute vier Jahre, die die Band in Songwriting, Gigs und den Release der 2015er-EP „Somebody Else's Nightmare” investiert hat. Höchste Zeit also, dem Frontmann nicht nur wegen der neuen Scheibe auf den Zahn zu fühlen.

Der Norweger ist hörbar gut gelaunt, als ich bei ihm in Oslo durchklingele. Nach einem kurzem Small Talk (»Und, wo bist du gerade?« - »In Freiburg!«-»Cool, ich war früher ein paar mal dort, weil mein Vater dort als Sprachlehrer gearbeitet hat!«) kommen wir dann aber schnell zum Wesentlichen:

Euer neues Album heißt „Pulling No Punches“ (auf deutsch in etwa „sich nicht zurückhalten“). Hattet ihr das Gefühl, dass ihr euch bei euren vorherigen Alben zurückhalten musstet?

(Lacht:) »Ich habe tatsächlich letztens darüber nachgedacht und dabei ist mir aufgefallen, dass der Titel unseres letztes Albums „Stand Or Die“ zufällig etwas recht ähnliches aussagt. Aber um ehrlich zu sein glaube ich nicht, dass wir uns je zurückgehalten haben oder das mussten, es ist einfach ein cooler Spruch, der das Album gut repräsentiert.«

Wenn man eure aktuelle Scheibe mit besagtem Vorgänger vergleicht, fällt auf, dass du wieder melodischer singst...

»Da stimme ich dir zu!«

Gab es dahingehend einen speziellen Plan? Der Stil erinnert mich ein wenig an euer Debüt.

»Ein Plan dahinter gab es nicht, die Songs haben sich einfach dahingehend entwickelt. Wenn ich auf Teufel komm raus versuche, auf einen etwas melodischeren Song hart zu singen, dann klingt es einfach bescheuert! Das Gegenbeispiel zu deiner These ist aber 'Wrong To Make It Right', da singe ich eher wie auf „Stand Or Die“, weil die Nummer das eben erfordert.«

Im letzten Rock-Hard-Interview hast du erzählt, dass du vor „Stand Or Die“ eine fertige Platte weggeschmissen hast, weil du die Songs nicht gut genug fandest. Wie lief es diesmal ab?

»Das neue Album ist im Laufe der letzten zwei Jahre entstanden. Ich glaube, wir fingen im Herbst 2015 mit den ersten Aufnahmen an. Danach machten wir eine Pause und spielten nur einige Shows, bevor wir im letzten Herbst das Songwriting mit dem Ziel wieder aufnahmen, bis Ende Februar eine Platte fertigzustellen. Dabei hatten wir aber wie gesagt keinen festen Plan, wie die Scheibe klingen soll, und so gibt es mit 'When You're Not Here' sogar eine Ballade auf der Scheibe.«

So ein Track ist sowohl für BLOODLIGHTS als auch für das gesamte Rotzrock-Genre recht ungewöhnlich. Warst du schwer verliebt oder wie ist der entstanden?

»Nee, es war eher so, dass meine Freundin ein wenig eifersüchtig war. Eines Abends saß ich alleine herum und dachte: Wenn sie jetzt hier wäre, könnte sie sehen, dass ich nichts böses tue und sie hätte diese Gefühle nicht. Am Anfang war mir das ein wenig peinlich, aber die anderen Jungs meinten, wir sollten den Song mal als Band ausprobieren. Dann bin ich zu Nicke Andersson (The Hellacopters, Imperial State Electric, Entombed, - mab), den ich schon seit zwanzig Jahren kenne, ins Studio gefahren. Auch bei ihm war mir der Song noch ein bisschen unangenehm, aber nachdem die Aufnahmen fertig waren, meinte er: „Warum zur Hölle ist dir das peinlich? Es ist ein großartiger Song und nichts, für das du dich schämen müsstest!“ Und deshalb ist 'When You're Not Here' auf der Platte (lacht).«



Ich glaube auch, dass die Nummer euren Livekonzerten einen coolen Farbtupfer abgeben würde.

»Das glaube ich auch! Wir haben es auch schon ausprobiert, und es funktioniert toll, besonders als kleine „Pause“ zwischen anderen Songs!«

Das exakte Gegenteil auf der neuen Scheibe ist der Opener 'Light's Out', der sicherlich dafür geeignet ist, live die Hütte abzureißen.

»Das stimmt! (lacht) Gerade im Vergleich zur Ballade ist die Nummer etwas ganz anderes. Wenn mich jemand nach einem repräsentativen Song für BLOODLIGHTS fragen würde, dann wäre auch eher 'Light's Out' meine Wahl (lacht). Andererseits können wir den Leuten jetzt auch 'When You're Not Here' zeigen, wenn sie nicht so auf unseren härteren, punkigen Kram stehen (lacht).«

Für 'Light's Out' habt ihr auch ein Video gedreht, in dem man immer wieder eure Heimatstadt Oslo sieht. Ist die Stadt ein wichtiger Faktor für euren Sound?

(Nach kurzem Nachdenken:) »Das ist eine echt schwere Frage! Obwohl ich seit vielen Jahren um die Welt toure, war mein Anlaufpunkt immer Oslo. Und ja, vielleicht definiert die Stadt unseren Sound und wer wir sind, weil es eben unser Umfeld ist. Ich denke auch, dass sich unser Sound verändert hätte, wenn wir woanders hingezogen wären. Aber dadurch, dass ich immer in Oslo gewohnt habe, habe ich nie viel darüber nachgedacht.«



Was mir bei skandinavischen Bands allgemein und auch bei euch aufgefallen ist, ist die Offenheit, die ihr gegenüber Streamingdiensten an den Tag legt. Wo siehst du den Vorteil von Spotify und Co.?

»Ich bin diesen Plattformen gegenüber auch immer sehr skeptisch gewesen, denn es ist ja allgemein bekannt, dass man nur sehr wenig Geld für die eigene Musik bekommt, wenn man nicht gerade Abermillionen Klicks hat. Andererseits müssen wir alle mit dem aktuellen Zeitgeist leben, und auch wenn ich glaube, dass diese Entwicklung scheiße ist, sorgt Spotify dafür, dass es ein bisschen weniger scheiße ist. Das liegt natürlich daran, dass man auf diesen Plattformen sehr einfach Musik hören und entdecken kann. Es ist ein bisschen wie früher, als man über Tapetrading und Empfehlungen Bands entdeckt hat, nur wesentlich umfassender, was natürlich auch beängstigend sein kann.«

Ich glaube auch, dass sich das Hörverhalten aufspaltet in die einen, die nur über Streamingdienste hören, und andere, die große Sammlungen anhäufen und besonders gerne die superraren Special-Editions haben wollen.

»Das denke ich auch. Aber der große Punkt ist doch der: Musik ist da, um gehört zu werden. Wenn man jetzt aber den Leuten verbietet, Musik über Streamingdienste zu hören, um stattdessen die Platten zu kaufen, dann hören sie es vielleicht gar nicht. Die Leute müssen ihre eigenen Entscheidungen treffen und herausfinden, was sie am Liebsten mögen.«

Eine andere Möglichkeit, Musik zu hören, sind Livekonzerte. Ihr habt bis jetzt lediglich einen Gig im deutschsprachigen Raum angekündigt, und zwar beim Rock im Wald in Neuensee. Gibt es schon konkrete Pläne für weitere Gigs oder eine Tour?

»Bis jetzt haben wir noch keine bestätigten Tourtermine, aber wir werden wohl im Oktober nach Deutschland auf Tour kommen. Ich glaube, wir spielen auch auf den Weltturbojugendtagen in Hamburg. Jetzt wollen wir aber zuerst die Platte herausbringen und dann finden wir heraus, in welchen Städten wir spielen werden.«

 

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