Online-MegazineInterview

THE PRETTY RECKLESS

Kontrollverlust rezeptfrei

THE PRETTY RECKLESS

Mit ihrem Erfolgsalbum „Who You Selling For“ bereisen THE PRETTY RECKLESS momentan die Welt. Sowohl Kritiker als auch treue Anhänger der US-Amerikaner um Femme Fatale Taylor Momsen zeigen sich vom neuen Werk begeistert. Schon am Nachmittag des Köln-Auftritts haben sich einige Fans vor dem Venue versammelt, die neuen Songs schallen durch die Reihen und die Texte sitzen schon perfekt.

Ich frage mich derweil, wie wohl der Dressing-Room eines Ex-Gossip-Girls aussieht. - Gemütlich. Ein sechsarmiger Leuchter mit flackernden roten Kerzen, jede Menge (Bühnen-)Kleidung und große Spiegel verleihen dem Garderobenraum im Kölner Gloria eine Atmosphäre, in der sich wohl jeder Rock'n'Roller gleich zu Hause fühlt. Frontdame Taylor und Gitarrist Ben Phillips betreten das Zimmer gutgelaunt im Page & Plant-Look und – ein bisschen übertriebener Glamour muss sein – mit dunklen Sonnenbrillen auf der Nase.

Ihr seid momentan auf Welttournee und gerade in Europa unterwegs, wie läuft es?

Taylor: »Bis jetzt läuft es wirklich wahnsinnig gut. Die meistens Shows sind ausverkauft, wir können endlich unsere neuen Songs live spielen und mit unseren Fans teilen.«

Habt ihr eigentlich auch mal Zeit, euch Sehenswürdigkeiten anzuschauen?

Taylor: »Leider so gut wie gar nicht. Das meiste sehen wir wahrscheinlich durch das Fenster des Tourbusses. Die Terminplanung ist meistens so knapp, dass wir für touristische Ausflüge keine Zeit haben. Dafür haben wir uns gestern Abend vor unserem Hotel mit einem Obdachlosen unterhalten und gemeinsam Bier getrunken. Das sind so kleine Tourgeschichten, die einem im Kopf bleiben. Eigentlich haben wir nämlich einen „What happens on the road, stays on the road“-Grundsatz.«

Habt ihr selbst auch eine Lieblingsband, mit der ihr gerne mal eine Tour spielen würdet?

Taylor: »Wir lieben Soundgarden – eine gemeinsame Tour wäre also genial. Oder Pearl Jam, Foo Fighters. Oh, wenn sich Oasis nochmal zusammentun würden… Nein, warte. Das Nonplusultra wäre...«

Ben & Taylor: »...Led Zeppelin!«

Eure Tour machte auch in Paris Halt und dort habt ihr im Bataclan gespielt. Wie war die Atmosphäre?

Taylor: »Das Publikum war unfassbar. Für uns war es wirklich eine Ehre, dort zu spielen. Es ist schwer, die Stimmung zu beschreiben. Vor der Show war die Atmosphäre etwas bedrückend. Wir hatten keine Angst, aber es war einfach ein seltsames Gefühl.«

Ben: »Ja, bevor die Leute in der Halle waren, war die Stimmung sehr düster und bedrückend.«

Taylor: »Aber als das Publikum dann in der Halle war und die Show losging, hat das die Stimmung gehoben und all das schien von uns abzufallen. Sie haben den gesamten Raum mit positiver Energie und Freude gefüllt, keinerlei Angst war zu spüren.«

Die Welt scheint momentan im Wandel. Wie geht ihr damit um?

Taylor: »Wir befinden uns im Moment sicherlich in einer Zeit des Umbruchs.«

Ben: »Natürlich sind wir besonders davon beeinflusst, weil wir gerade in dieser Zeit die Welt bereisen. Wir können es noch gar nicht fassen, was alles passiert.«

Taylor: »Wir können nicht begreifen, dass das wirklich Realität ist und wissen nicht, wie wir das in Worte fassen können. Aber man kann und darf es nicht ignorieren. Für uns ist das alles Inspiration für neue Songs. Vielleicht nicht thematisch, aber sicher doch auf dieser Gefühlsebene.«

Sind daraus schon Songs entstanden?

Taylor: »Eigentlich schreiben wir immer. Wenn man unterwegs ist, kommen meistens weniger Songs zustande. Doch wenn wir Zeit haben, arbeiten wir an neuen Songs. Wenn man im Tourbus unterwegs ist, fehlt einfach der Platz und die Zeit, allein zu sein. Ich brauche Zeit für mich, um über Dinge nachzudenken, zu reflektieren, damit ich diese dann verarbeiten und niederschreiben kann. Vieles ist einfach noch zu nah, um es schon in Songs umzusetzen. Aber natürlich macht man sich ständig Notizen, damit die Ideen nicht wieder verloren gehen.«

Lasst uns über „Who You Selling For“ sprechen. Wie glücklich seid ihr damit?

Taylor: »Es ist immer ein tolles Gefühl, neue Musik zu veröffentlichen. Man hat sich monatelang damit beschäftigt und hart daran gearbeitet. Für mich sind die Songs wie Kinder. Du kümmerst dich um sie und in dem Moment, in dem du sie in die Welt entlässt, gehören sie dir nicht mehr. Du hast keine Kontrolle mehr über sie. „Who You Selling For“ war sicherlich kein einfaches Album, aber wir lieben jeden Song. Trotzdem bleibt immer ein seltsames Gefühl, wenn man etwas von sich preisgibt. Auf der anderen Seite ist es aber ebenso großartig, die Reaktionen der Fans zu erleben und in der Lage zu sein, unsere Musik mit ihnen zu teilen. Demnächst veröffentlichen wir zum Beispiel ein Video zu 'Oh My God'.«

Wie schreibt ihr?

Taylor: »Wir haben wirklich kein Rezept. Selbstverständlich kann man nicht auf Knopfdruck kreativ sein: Es passiert einfach. Wenn man allerdings an etwas arbeitet und auf Inspiration wartet, kann das tatsächlich ein ziemlich qualvoller Prozess sein.«

Ben: »Man kann versuchen, Körper und Geist darauf einzustimmen. Aber letztlich kann man es nicht beeinflussen. Man kann sich nicht dazu zwingen, eine Idee zu haben.«

Taylor: »Und wenn man das versucht, wird es höchstwahrscheinlich ein ziemlich schlechter Song. Also kann man nur warten und hoffen. Man schaut tolle Filme, liest großartige Bücher und Poesie, hört sich seine Lieblingsbands an - das alles ist sehr inspirierend. Mir hilft zum Beispiel auch das Malen und die Bildhauerei. Aber es stimmt: Man kann Kreativität nicht erzwingen.«

Wie unterscheidet sich „Who You Selling For“ von euren früheren Alben?

Taylor: »In meinen Augen ist „Who You Selling For“ besonders vielschichtig. Auf der einen Seite ist es fast ein Classic-Rock-Album. Doch ohne diesen Ansatz verfolgt zu haben, haben wir auch sehr viele verschiedene Stile auf diesem Album abgedeckt. Und genau das ist der Grund, warum wir Rock'n'Roll spielen: Rock'n'Roll heißt Freiheit. Es gibt nicht nur einen richtigen Weg. Als Songwriter gibt dir das unfassbar viel Spielraum, du kannst in alle möglichen Richtungen gehen. Für mich beinhaltet Rock'n'Roll alle möglichen Genres: Pop, Blues, Jazz, Hip Hop und so viel mehr.«

Ihr seid mit eurem Song 'Wild City' in Marvel's Music Spotlight vertreten, um die Comicbuch-Reihe „Mighty Captain Marvel“ zu promoten. Wie kam es dazu?

Taylor: »Sie kamen auf uns zu und da wir alle Marvel-Fans sind, haben wir sofort zugesagt.«

Ben: »Ich meine, Taylor hat sogar The Punisher auf ihrer Gitarre verewigt! Eigentlich geht die Geschichte noch etwas weiter zurück. Taylor sieht der klassischen Carol Danvers nämlich ähnlich und es wurde viel darüber gesprochen, dass es fantastisch wäre, wenn Taylor diese Rolle übernehmen würde. Nicht, dass sie dafür vorgesprochen hätte, es war einfach ein cooler Gedanke. Nun hat diese Rolle allerdings an eine Oscar-Preisträgerin (Brie Larson, - nh) übernommen.«

Taylor: »Und ich bin mir absolut sicher, dass sie das großartig machen wird. Wir freuen uns sehr über diese Kollaboration, da wir große Comicfans sind!«

 

 

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