Online-MegazineInterview

DIRT FORGE

Interview mit der Demo-Eigenproduktionsband 07/17

DIRT FORGE

DIRT FORGE (dt.: „Dreckschmiede“) aus Kopenhagen halten, was ihr Bandname verspricht. Ihre düstere, dreckige und rohe Mischung aus krachendem Doom-Metal und kratzigem Sludge walzt auf dem Debütalbum der Skandinavier mit ordentlicher Wucht aus den Boxen und eroberte den Titel „Tipp des Monats“ im Sturm. Wir unterhielten uns mit Bassist Yannick über die musikalischen Anfänge, den ersten Langspieler „Soothsayer“ und einen Gig in einem Truck im Winter.

Yannick, wie habt ihr euch als die Band DIRT FORGE zusammengefunden, die ihr heute seid?

»Wir kannten uns alle schon vorher aus verschiedenen Teilen der dänischen Metalszene, man könnte es jedoch fast Zufall nennen, dass wir schlussendlich zusammengefunden haben. Nicolai (dr.) und ich haben beide ehrenamtlich in einer lokalen Einrichtung gearbeitet und irgendwann darüber gesprochen, zusammen ein paar Riffs einzuspielen. Dann ist Nicolai bei einer Show mit Alexander (g.) ins Gespräch gekommen. Er erwähnte, dass wir Ausschau nach einem Gitarristen für eine Band halten würden und wie der Zufall es so wollte, spielt Alexander Gitarre und war auf der Suche nach einer Band. Et voilà!«

Ihr habt euch mit DIRT FORGE dem Doom- und Sludge-Metal zugewandt. Wie habt ihr das passende Genre für euch gefunden und welche Bands würdet ihr als eure größten Einflüsse bezeichnen? Auf eurer Website sind die Namen Crowbar, Black Sabbath und High On Fire zu lesen.

»Den Sludge/Doom-Stempel bekamen wir schnell durch unsere Liebe zu herzhaften Riffs aufgedrückt, aber tatsächlich liegen unsere jeweiligen musikalischen Vorlieben so weit auseinander wie nur irgendwie möglich. Alexander ist ein großer Hardcore-Fan, Nicolai redet ständig nur über Tool und ich lege täglich irgendetwas von Black Sabbath auf. Aber anstatt uns von unseren gegensätzlichen Präferenzen ausbremsen zu lassen, haben wir sie genutzt, um unseren eigenen Sound zu formen. Ich denke, die Crowbar-Referenz kommt vermutlich hauptsächlich wegen des Gesangs auf.«

DIRT FORGE scheint mir eine passende Beschreibung für euren rohen und druckvollen Sound zu sein. Was war zuerst da: Der Bandname oder der Sound?

»Der Sound war zuerst da. Wir haben irgendwann einfach angefangen zu jammen und der Song 'Prison Cell' von der „Ratcatchers“-EP war geboren, noch bevor wir unseren Bandnamen gefunden hatten. Einen Namen zu finden, der unseren Sound widerspiegelt, stellten wir uns anfangs sehr einfach vor. Tatsächlich steckt aber deutlich mehr dahinter, als man vielleicht denken würde. Es musste ein Name sein, den man auch nach zwanzig Gläsern Bier noch brüllen kann.«

„Soothsayer“ klingt für ein Debütalbum sehr kraftvoll, professionell und leidenschaftlich. Habt ihr bereits vor eurer Zeit mit DIRT FORGE Erfahrungen im Musikbusiness gesammelt?

»Nicht wirklich, obwohl jeder von uns bereits vorher in anderen Bands gespielt und mit ihnen Musik gemacht hat. Diese ersten Erfahrungen haben wir aber immer hauptsächlich auf der Hobby-Skala gemessen. Es ging nicht darum, die Welt zu erobern, sondern nur darum, Spaß zu haben. Alexander hat sich damals als Rapper versucht, Nicolai war Mitglied in einer Dizzy-Mizz-Lizzy-Jamband und ich habe mich in einer Southern-Rock-Gruppe als Redneck verkleidet. Also hat sich für uns schlußendlich wohl alles zum Besseren gewandt.« (lacht)

Die Songtitel auf eurer ersten LP sind düster, was zum Beispiel 'Burning Fortress' oder 'Bring Me Good Noose' verdeutlichen. Am Ende von „Soothsayer“ steht ein aus drei Teilen bestehender Konzeptsong und Titeltrack. Welche Geschichten erzählt ihr uns?

»Das allumfassende Thema auf „Soothsayer“ behandelt die menschliche Natur und das Chaos, das sie umgibt. Jeder Track auf dem Album zeigt einen anderen Aspekt dieses uns umgebenden Durcheinanders, sei es in politischer und religiöser Hinsicht, hinsichtlich der Entscheidungen, die wir in unserem Leben treffen und tief im Inneren unseres Verstandes. Die Trilogie am Ende der LP gipfelt schließlich im Chaos des finalen Untergangs der Menschheit. Und als kleines i-Tüpfelchen, bezieht sich das Outro des letzten Tracks 'Part III: For Our End' auf den Opener 'Rust And Copper' und schließt somit den Kreis. Dadurch wollen wir zeigen, dass all das Chaos und all der Wahnsinn in unserem Universum kreist und immer wieder aufs Neue von Vorne beginnt.«

Hattet ihr in der Entstehungsphase von „Soothsayer“ einen kreativen Lauf oder sind eure Kompositionen über einen längeren Zeitraum entstanden? Ist jedes Mitglied von DIRT FORGE in den Songwritingprozess eingebunden?

»Unser Arbeitsprozess ist sehr gemeinschaftlich. Manche Songs müssen lange Zeit heranreifen, andere sind schnell geschrieben. Wir arbeiten zusammen an den Liedern, überdenken sie noch einmal und arbeiten dann noch mehr an ihnen. Solange, bis wir das Gefühl haben, dass wir zu einer natürlichen Dynamik und einem Arbeitsfluss gefunden haben, der für die Tracks am besten ist. Die lyrischen Themen bieten sich für gewöhnlich im Anfangsstadium an, in dem wir die Songs zusammenstückeln. Alexander schreibt dann alle Texte, mit gelegentlichen Beiträgen von Nicolai und mir. Aber es hängt natürlich immer von der jeweiligen Situation ab, wie ein Song entsteht. 'Intet Tabt, Intet Haendt' haben wir zum Beispiel im Studio nahezu improvisiert eingespielt, weil wir noch etwas Zeit übrig hatten.«

Warum hat es keiner der Songs eurer 2015er EP „Ratcatchers“ auf das Album geschafft? Seht ihr die EP als ein eigenständiges Kapitel eures musikalischen Werdegangs oder als Vorbereitung auf „Soothsayer“?

»Es erschien uns ein wenig seltsam, bereits aufgenommene und veröffentlichte Songs auf ein neues Album zu packen. Natürlich hätten wir sie neu aufnehmen können aber sie sind für uns, wie du es bereits formuliert hast, ein Kapitel für sich mit eigenen Themen und Gefühlen. Wir wissen, dass zwischen den Tracks auf „Ratcatchers“ und denen auf „Soothsayer“ große Unterschiede hinsichtlich Strukturen, Riffing und unseren Fähigkeiten an den Instrumenten bestehen. Wir durchlaufen einen natürlichen Prozess der ständigen Weiterentwicklung. Das soll aber natürlich nicht heißten, dass wir uns wegen der „Ratcatchers“-Songs schämen, wir lieben sie und sie sind alle feste Bestandteile unserer Live-Sets.«

Welche Veröffentlichungsformate bevorzugt ihr für euch und eure Musik?

»Das Album ist als Download und Vinyl-Version erhältlich. Die Nachfrage an CDs scheint jedoch vorhanden zu sein, die Leute finden es wohl zu umständlich, Schallplatten in ihren Autos abzuspielen, also werden wir „Soothsayer“ vielleicht auch auf CD herausbringen. Außerdem spielen wir auch mit dem Gedanken, Kassetten davon zu veröffentlichen. Just for fun.«

Ihr bietet bereits verschiedenes Merchandise auf eurer Website an. Ohne eine treue Anhängerschaft wäre das aber nicht möglich, oder?

»Unsere Fans sind sehr treu! Uns wurde gesagt, dass unsere Auftritte eine sehr positive und sympathische Art haben, deshalb fällt es uns nicht schwer, unterwegs neue Freunde zu finden, die uns allem Anschein nach sogar durch Feuer folgen würden. Hinsichtlich des Merchandise-Angebots ist unser einziges Anliegen, dass die Leute unser Zeug tatsächlich deswegen tragen wollen, weil sie denken, dass es cool aussieht.«

Hat euch die erste Langspielplatte bereits neue Türen für eure Karriere geöffnet?

»Das Album ist erst Ende Mai erschienen, deshalb ist es wahrscheinlich noch etwas zu früh, um dazu Genaueres sagen zu können. Aber wir haben ein gutes Gefühl bei der Sache und dieses Jahr schon ein paar verdammt gute Shows gespielt, die schließlich in unserem bislang letzten Konzert bei einem offiziellen Pre-Copenhell-Event gipfelten. Außerdem haben wir einige großartige Kritiken bekommen und - was noch viel wichtiger ist - unsere Fans scheinen das Album wirklich zu mögen. Tatsächlich gewinnen wir durch „Soothsayer“ nahezu täglich neue Fans dazu. Wir konnten steigendes Interesse in Europa und auch in Nord- und Südamerika beobachten.«

Was wollt ihr mit DIRT FORGE in Zukunft erreichen? Auf eurer Website steht, ihr werdet „niemals damit aufhören, euch neue Ziele zu setzen.“

»Zurzeit wollen wir jedem zeigen, um was es uns mit DIRT FORGE geht und für unser neues Album werben. Wenn diese Phase vorbei ist, wollen wir uns selbst weiter vorantreiben und unser nächstes Album schreiben. Wir werden das Ausbauen, was auf „Soothsayer“ gut funktioniert hat und vielleicht auch etwas Neues hinzufügen. Ach ja und wir haben uns fest vorgenommen, irgendwann einmal auf dem Mond zu spielen. Einer unserer größten Antriebe, der uns dabei hilft, uns immer wieder neue Ziele zu setzen, ist, uns immer wieder selbst zu fragen: „Was SOLLTE der nächste Schritt sein?“ Und dann gehen wir noch einen Schritt weiter.«

Welche Band würdet ihr unbedingt gerne auf Tour begleiten? Besonders, nachdem ihr 2015 einmal als Support von Crowbar in Kopenhagen gespielt habt.

»Wir haben in der Vergangenheit gleichermaßen großartige Erfahrungen mit Bands gemacht, die uns sehr ähnlich waren, als auch mit solchen, die sich stark von uns unterschieden haben. Deshalb denke ich, dass der wichtigste Faktor einer erfolgreichen Tour mit einer anderen Band die Fans sind, ob sie aufgeschlossen und dazu bereit sind, Party zu machen. Aber natürlich würden wir niemals nein sagen, wenn Electric Wizard, Down, High On Fire, Sleep oder Tool bei uns anklopfen würden.«

Wie bringt ihr eure Musik auf die Bühne? Auf eurer Website ist von schwarzem und morbidem Humor die Rede.

»Haben wir das wirklich geschrieben? Oh ja, na gut. Wir sind grundsätzlich darauf aus, unsere Konzerte zu sehr emotionalen und eindringlichen Erfahrungen werden zu lassen. Ein positiver Faktor ist, dass Nicolai ein unglaublich lauter Schlagzeuger ist, also muss der Rest von uns natürlich auch sehr laut sein. Das scheint ziemlich gut zu uns zu passen.«

Auf eurer Website berichtet ihr von einem Gig, den ihr auf der Ladefläche eines Trucks gespielt habt. Wie ist es damals dazu gekommen?


»Ein guter Freund von uns ist 50 geworden, hat eine Örtlichkeit in Kopenhagen gebucht und drei oder vier Bands auftreten lassen, um den Abend zu einer richtigen Geburtstagsfeier zu machen. Wir hatten DIRT FORGE ungefähr ein Jahr zuvor gegründet und durch Mundpropaganda hatten auch schon einige Leute Wind von uns bekommen. Wir erzählten damals allen, dass unsere Musik scheiße sei und wir einander hassen würden. Das hat sich zwar seltsam angefühlt, aber es hat funktioniert: Man sprach über uns. Wir hatten bis zu diesem Tag erst eine Show gespielt und zwar unter einem anderem Namen, falls wir es vergeigen sollten. Also haben wir uns vorgenommen, ihn zu überraschen. Wir mieteten eine Truck, stellten ihn am Eingang des Partygeländes ab und baten alle Anwesenden, dem Geburtstagskind nichts zu verraten, solange wir unser Equipment aufbauten. Als wir fertig waren, holten wir ihn nach draußen und spielten ein 25-minütiges Set für ihn, zum ersten Mal unter dem Namen DIRT FORGE. Es war der 3. Januar und es war verdammt kalt, aber es hat unheimlich Spaß gemacht. Hoffentlich können wir etwas Vergleichbares irgendwann einmal wiederholen.«

Wann werden wir euch wieder auf der Bühne sehen können?

»Sobald wie möglich! Es juckt uns mittlerweile schon gewaltig, auch andere Länder als Dänemark zu sehen. Vielleicht spielen wir unseren ersten Gig außerhalb unseres Heimatlandes ja in Deutschland? Das würde uns tatsächlich sehr gefallen!«

 

 

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