Online-MegazineInterview

SURRENDER THE CROWN

Interview mit der Demo-/Eigenproduktionsband 06/18

SURRENDER THE CROWN

Nach ihrer zweiten Scheibe „Life Decides“ konnten die Alternative-Rocker von SURRENDER THE CROWN auch mit ihrem dritten Longplayer „The Neverending Now“ die Auszeichnung „Tipp des Monats“ bei uns einheimsen. Da klingeln wir natürlich gerne im Saarland durch, um mit Sänger Matthias Braun und Gitarrist Patrick Meyer über Freundschaft, Trauer und Authentizität zu quatschen.

Glückwunsch erstmal zur zweiten „Tipp des Monats“-Auszeichnung! Wie geht‘s euch damit?

Matthias: »Das ist total geil! Auf unserem Stand, sprich ohne Label und professionellem Unterbau, macht man Musik ja hauptsächlich, weil man Bock drauf hat. Dass das so gewürdigt wird, macht uns schon sehr stolz. Da läuft man schon etwas breiter grinsend durch die Weltgeschichte (lacht).«

Ihr habt die Platte wieder gemeinsam mit Phil Hillen, der u.a. auch für Powerwolf tätig ist, aufgenommen. Liegt das vor allem an der geografischen Nähe oder welche Gründe hat das?

Patrick: »Bei unserer ersten Platte hatte das vor allem geografische Gründe, ja. Bei beiden Platten danach stand die Produzentenfrage eigentlich gar nicht mehr zur Disposition. Er macht einfach einen tollen Job und außerdem können wir super mit ihm arbeiten.«

Matthias: »Die Nähe macht aber auch viel aus. Was würde es uns bringen, wenn wir woanders aufnehmen? Das Geld, das da für Hotelzimmer etc. draufgeht, stecken wir lieber in die Produktion des Albums. Natürlich wäre es mal spannend, in einem anderen Studio aufzunehmen, aber solange die Situation so ist, wie sie ist und Phil einen solchen Bombenjob macht, halten wir das nicht für notwendig. Im Übrigen finde ich auch, dass er mit jeder Platte, die er macht, besser wird! Es gibt also keinen Grund zu wechseln.«

Trotz der Arbeit im Studio ist auch „The Neverending Now“ als Eigenproduktion erschienen. Habt ihr trotz der guten Kritiken zu euren Scheiben immer noch keine Plattenfirma gefunden oder ist diese „Do It Yourself“-Attitüde mittlerweile Teil des Konzepts?

Patrick: »Ich glaube, es ist eine Mischung aus beidem. Wir würden gerne mit einer Plattenfirma zusammenarbeiten und hören uns auch immer mal wieder um, aber es ist einfach noch kein Deal zustande gekommen, der für beide Seiten gepasst hätte. Und bevor gar nichts kommt, machen wir es halt selbst.«

Matthias: »Uns ist unsere Selbstbestimmung absolut heilig. Wir wollen über alle Belange selbst entscheiden. Das hat nichts mit Beratungsresistenz zu tun, sondern wir wollen die Zügel in der Hand halten. Das ist natürlich bei Verträgen ein Stück weit unvermeidbar, aber so lange wir nicht das Gefühl haben, dass uns etwas entscheidend weiterbringt, machen wir so weiter wie bisher.«

Dann kommen wir mal zu Platte. Was bedeutet der Titel „The Neverending Now“ für euch?

Matthias: »Er bedeutet vor allem, im Moment zu leben. Als ich vor etwas mehr als einem Jahr angefangen habe, über die Texte nachzudenken, habe ich mir bewusst gemacht, dass das Leben im Hier und Jetzt stattfindet und nicht in der Vergangenheit oder in der Zukunft. Das war für mich eine neue Welt, weil sich da in meinem Denken viel verändert hat und ich jetzt bewusster im Moment lebe. Außerdem klingt es einfach geil und mir war klar, dass das der Titel der Scheibe werden sollte, und daran habe ich dann auch den textlichen roten Faden ausgerichtet. 'Welcome To The Live You Chose' oder 'Out Of This Alive' sind so Songs, die thematisch in die gleiche Richtung gehen.«



Schreibt ihr erst die Texte und dann die Songs oder anders herum? Ich finde nämlich, dass die Musik durchaus die Aussage der Texte unterstreicht.

Patrick: »Wir machen eine Mischung aus beidem, würde ich sagen. Wir sammeln vor dem eigentlichen Songwriting immer erst viele Ideen, seien es Riffs, Gesangsmelodien oder was auch immer, so dass wir gut aussortieren können. Vor dieser Scheibe hatten wir ungefähr 50 solcher Bausteine, aus denen wir letztendlich die besten Ideen zu Songs verarbeitet haben. Bei ‚Next Few Steps‘ hatte Matthias zum Beispiel die Akkordstruktur und den Text bereits fertig, und ich habe im Prinzip nur noch den Feinschliff gemacht.«

Matthias: »Der Song war eine recht typische Situation für uns. Die Nummer habe ich auf der Akustikgitarre über vier Akkorde geschrieben, und Patrick baut das dann so um, dass meine Idee zwar noch da ist, der Song aber musikalischer wird. Es passiert aber auch manchmal, dass Patrick ein Stück instrumental komplett fertig schreibt und ich darüber dann eine Gesangsmelodie entwickle. Dadurch, dass wir immer recht viel Material haben, können wir dann auch gut auswählen, was zu der Aussage der Songs passt.«

Patrick: »Wir sind mittlerweile im Songwriting auch erfahrener geworden und wissen, welche Tonarten gut zu Matthias‘ Stimme passen oder welche Begleitung zu welcher Melodie passt. Das ist uns auf unserer neuen Platte besser gelungen als auf unseren letzten Scheiben, finde ich.«

Kommen wir nochmal zurück auf 'Next Few Steps', auf dem BROACH-Sänger Andreas Kofler den Gastgesang beigesteuert hat. Mit der Band seid ihr ja schon länger gut befreundet. Was verbindet euch, außer die soundmäßige Nähe?

Matthias: »Das ist eine lustige Geschichte: Ich habe damals irgendwo ein Review von uns gelesen, in dem der Rezensent meinte, wir hätten das gleiche Problem wie BROACH, und zwar dass beide geile Platten machen würden, aber aufgrund der Vertriebswege nicht so richtig aus ihrer Ecke kommen. Ich hatte vorher noch nie von denen gehört, habe sie mir dann zu Gemüte geführt und anschließend angeschrieben. Die meinten dann auch „Wir müssen unbedingt was zusammen machen!“ und später haben sie uns eingeladen, auf ihrer Releaseshow zu spielen. Als wir dann bei denen in Bayern aus dem Auto gestiegen sind und uns kennen gelernt haben, war sofort klar, dass die Chemie stimmt. Sowas habe ich mit anderen Bands noch nie erlebt, dass man quasi sofort auf einer Wellenlänge war. Da spielt sicherlich auch mit rein, dass wir künstlerisch in einer ähnlichen Ecke sind, aber vor allem zwischenmenschlich passte das von Anfang an. Die Zusammenarbeit mit Andi war ähnlich unkompliziert. Wir wohnen acht Autostunden voneinander entfernt, aber als ich ihn angerufen und gefragt habe, ob er für die Platte etwas einsingen will, hat er sofort zugesagt, ist eine Woche später ins Auto gestiegen und zu uns ins Studio gekommen. Als Dankeschön, dass er auf unserer Platte singen darf, hatte er sogar einen Kasten Bier als Gastgeschenk dabei! Das ist einfach total geil mit den Jungs.«

Ein unglaublich berührender Track auf „The Neverending Now“ ist 'Song For Dad'.

Matthias: »Absolut. Die Aussage des Songs ist relativ klar, dass ist eine musikalische Verabschiedung von meinem Vater, der vor ungefähr zwei Jahren verstorben ist. Wenn du so willst, ist das ein Tagebucheintrag, in dem ich meine Gefühle verarbeite, auch wenn ich versucht habe, dem Ganzen einen positiven Twist zu geben. Die Nummer soll eben nicht den Abschied betrauern, sondern das Leben feiern. Mir war es wichtig, nicht in irgendein Loch zu fallen, sondern immer die positiven Dinge im Fokus zu halten. Das habe ich auch so mit Patrick besprochen, dass der Track eben keine tiefschwarze Trauerballade wird, sondern eher in Richtung Aufbruch geht. Den Song zu schreiben war natürlich unglaublich intim, aber nach drei Alben und sieben Jahren Bandgeschichte funktioniert unsere Zusammenarbeit so gut, dass Patrick sofort verstanden hat, was ich ausdrücken möchte. Die Nummer sollte eben nicht plakativ werden, sondern ein ehrlicher Abschied, und das haben alle Beteiligten verstanden und umgesetzt. Deswegen ist der Song auch so gut geworden und ich bin richtig stolz darauf.«

Ich finde, es erfordert viel Mut, einen solchen Song zu schreiben und sich bis zu einem gewissen Punkt angreifbar zu machen.

Matthias: »Ich finde, man kann nur authentisch Musik machen, wenn man sich angreifbar macht, gerade als Sänger und Texter. Ich könnte natürlich auch ein Album über Bier schreiben, aber dafür ist mir das zu schade. Ich muss natürlich nicht alle Dinge, über die ich schreibe, genau so erlebt haben, aber es muss etwas mit mir zu tun haben. Ich kann zum Beispiel wenig mit Fantasy-Texten anfangen, denn da fehlt mir ein großer Aspekt an der Musik, den ich auch bei anderen Künstlern suche. Als ich zum Beispiel 'Zoe Jane' von STAIND das erste Mal gehört habe, musste ich heulen wie ein Schlosshund. Darum geht es mir in der Musik, dass man Gefühle transportiert.«

Patrick: »Die Nummer werden wir auch nicht live spielen. Das hat nichts damit zu tun, dass wir uns nicht angreifbar machen wollen, sondern an dem Kontext, in dem wir häufig spielen. Wenn wir in einem kleinen Club die Akustikgitarren auspacken, ist jede Bierbestellung lauter als wir, und das wird der Sache, gerade mit der Thematik, einfach nicht gerecht.«

Zum Abschluss noch eine etwas technischere Frage: Eure Platte hat in den drei Monaten seit Release ungefähr 160.000 Plays auf Spotify gesammelt. Wie wichtig ist für euch als kleine Band dieser Streamingmarkt?

Patrick: »Wir mussten uns eingestehen, dass er mittlerweile wichtiger ist als der physikalische Markt. Wir kommen beide aus der CD und LP-Generation, und dass wir überhaupt eine richtige CD gemacht haben, ist genau diesem Umstand geschuldet. Wir erreichen mit den Streams genau die Leute, die uns nicht live sehen können. Wir bekommen Zuschriften aus den USA, die sich dann die CD bestellen, weil ihnen das Album so gut gefällt.«

Matthias: »Das verrückte ist, dass unsere Topstädte alle im englischsprachigen Raum liegen. Natürlich verdienst du mit Spotify nicht viel, aber uns ist es wichtiger, das Ding unter die Leute zu kriegen, denn mit den Platten verdienen wir eh nichts. Wenn du aus deinem eigenen Saft rauswillst, musst du eben diese Streamingmärkte bedienen. Das ist einfach der Lauf der Dinge, das hält man einfach nicht auf. Man kann natürlich sagen, dass das alles Scheiße ist, aber wir sehen das eher als große Chance.«

Patrick: »Wir müssen da auch keine Abwägung machen, denn für uns hat das nur Vorteile. Vermutlich würden wir das anders sehen, wenn wir vorher schon tausende Platten verkauft hätten, aber so ist das Streaming für uns ein großer Vorteil.«

 

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