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WITHERFALL

Interview mit der Demo-/Eigenproduktionsband 04/17

WITHERFALL

Witherfall wüten mit düsterem und progressivem Power Metal durch ihr Debüt-Album „Nocturnes And Requiems“, das an jeder Ecke für Überraschungen gut ist und viele Einflüsse miteinander kombiniert. Wir unterhielten uns mit Gitarrist Jake Dreyer und dem Sänger und Keyboarder Joseph Michael über den tragischen Tod von Schlagzeuger Adam Sagan, die Entstehung des Albums und Josephs Verbindung zu Ronnie James Dio.

Euer Debütalbum ist im Februar erschienen. Wie sind die Reaktionen eurer Fans bisher ausgefallen?

Joseph: »Die Reaktionen sind unglaublich! Jake und ich wussten bereits zu Beginn, dass wir etwas sehr Spezielles erschaffen würden, aber wir wussten natürlich nicht, ob es gut ankommen wird. Besonders Jake war diesbezüglich sehr zynisch. Die sogenannten Experten in der Musikindustrie meinten, dass es sich nicht verkaufen würde, aber wir können uns bisher nicht beschweren.«



Ihr habt vorher zusammen bei White Wizzard gespielt, bevor ihr Witherfall gestartet habt. Wie war es, sich auf das neue Projekt zu konzentrieren?

Joseph:»Mit Witherfall konnten wir hinsichtlich der Produktion, dem Songwriting und der Performance unsere eigenen Maßstäbe setzen. Außerdem leiten wir alle Vorgänge und müssen nicht auf andere Leute schauen, die vielleicht nicht den gleichen Ehrgeiz mitbringen.«

Jake: »Witherfall ist von Anfang an unser Projekt gewesen und das bedeutet auch, dass wir beide für alles verantwortlich sind. Der Fokus ist viel anspruchsvoller, aber das ist genau das, was ich mag. Es wird alles genau so, wie Joseph und ich uns das vorstellen.«

Ihr habt das Album in Phoenix, Arizona, zusammen mit Ralph Patlan aufgenommen, der auch schon mit Megadeth und Michael Schenker zusammengearbeitet hat. Wie gestaltete sich die Kollaboration mit ihm und Chris „Zeuss“ Harris, der anschließend gemastert hat?

Joseph: »Jake und ich haben das Album geschrieben und als Demo in meinem Studio in Los Angeles aufgenommen. Wir haben Adam dann für die finalen Aufnahmen nach Phoenix fliegen lassen. Ursprünglich wollte Ralph das Album aufnehmen, mixen und mastern, aber er hat dann noch nur die Aufnahmen begleitet. Nach ein wenig Unzufriedenheit mit ihm haben wir dann „Zeuss“ gefunden. Er hat es absolut auf den Punkt gebracht und genau so gemacht, wie wir es uns erhofft hatten.«

Jake: »Mit Zeuss zusammenzuarbeiten, der die Platte im Endeffekt auch gemixt hat, war sehr entspannt. Er ist sehr professionell und wusste sofort, was wir wollten. Es hat nur einen Monat gedauert, um das Ergebnis abzuliefern. Das ist eine wirklich gute Leistung, wenn man die Komplexität der Songs berücksichtigt. Ralph hat uns bei den Aufnahmen aber auch sehr geholfen. Er hat ein gutes Gehör für gute Takes.«

Die Komplexität ist in den vielen neoklassischen Passagen zu hören. Speziell Jake nutzt viele klassische Skalen in seinem Spiel. Es könnte der Vergleich zu einer modernen Yngwie-Malmsteen-Version aufkommen. Seht ihr das genau so?

Jake: »Das Album ist sehr stark von vielen klassischen Komponisten beeinflusst. In der klassischen Musik findet man oft harmonische Skalen, wie die Phrygische oder die melodischen Moll-Skalen. Da kommt der Yngwie-Sound her, er nutzt diese Skalen natürlich auch. Ich bin ein großer Fan der frühen Malmsteen-Platten. Meiner Meinung nach klingen unsere Songs anders als Yngwies Werke, aber es gibt gleichzeitig sehr viele Gemeinsamkeiten auf vielen Ebenen. Bei uns spielt auch eine neoklassiche Gitarre mit cleanen-melodischen Vocals zusammen. Ich nehme es als großes Kompliment an, denn ich liebe und respektiere Yngwies Gitarrenspiel.«
Joseph: »Jake und ich sind tief in der klassischen Musik verwurzelt. Wenn man „Nocturnes And Requiems“ hört, gibt es viele Parallelen zu dieser frühen Art der Komposition. Ich glaube, in der Metal-Community ist es sehr einfach Gitarristen zu finden, die seit dem Erfolg des „Shrapnel“-Stils von klassischer Musik beeinflusst sind, zum Beispiel Malmsteen, Becker oder Gilbert. Der wirkliche „klassische“ Einfluss hat nichts mit der Technik in den schnellen „Shred“-Parts zu tun. Die wirkliche Essenz des Einflusses liegt in den harmonischen Bewegungen und Kontrapunkten, die sich durch die Songs ziehen.«

Jake: »Wir nutzen gerne Harmonien der späten Romantik, genau wie neapolitanische Akkorde. In 'End Of Time' kann man diese Einflüsse gut wahrnehmen.«

Neben den neoklassischen Sachen sind spanische Flamenco-Parts zu hören, wie zum Beispiel in 'What We Are Dying For', das an den Gitarristen Paco De Lucia erinnert. Was hat euch dazu bewegt, so etwas einzubauen?

Jake: »Paco De Lucia und Al Di Meola zählen beide zu meinen größten Einflüssen. Ich liebe Flamenco-Musik und latein-spanisches Gitarrenspiel. Es beinhaltet so viele Harmonien und es war einfach, darauf zurückzugreifen. Zwei Genres nahtlos zusammenzubringen, war für mich sehr interessant und im angesprochenen Song hat es einen coolen Kontrast geschaffen. Der Song 'Romantic Warrior' von Return To Forever, bei dem Al Di Meola mitspielt, war ein großer Einfluss dafür.«

Gibt es andere Einflüsse, die ihr gerne noch ansprechen möchtest?

Jake: »Neben den oben angesprochenen Gitarristen würde ich noch Marty Friedman, Jason Becker und Brian May erwähnen. Wichtige Bands sind für mich Queen, Pink Floyd, Dream Theater, Nevermore, Death und Opeth.«

Joseph: »King Diamond, Dream Theater und Nevermore auf jeden Fall auch. Jake liebt Pink Floyd und wir beide stehen voll auf Queen. Auf der gesanglichen Ebene mag ich Sänger, die nicht einfach nur im Autopilot-Modus funktionieren. Wie viele Songs kann man in einem Genre mit der gleichen Qualität der Vocals hören? Es gibt tonnenweise Metal-Bands, bei denen ich nur das Musikalische hören möchte, weil ich es nicht ausstehen kann, wenn jemand seine Songs mit langweiligen Vocal-Parts versieht.«

Joseph, ich habe gelesen, dass du der Cousin von Ronnie James Dio bist. Habt ihr jemals zusammen gesungen oder hat er dich sogar unterrichtet?

Joseph: »Ich habe Ronnie nie persönlich kennengelernt. Meine Familie hatte Fotos an den Wänden und ich habe Geschichten gehört. Ich habe einige Male mit ihm telefoniert und er war ein absoluter Gentleman, von seinem Gesang brauche ich ja gar nicht anfangen. Jake und ich sind zusammengewachsen, als wir über Dio sprachen. Wir haben beide den gleichen Lieblings-Gesangspart von Dio.«

Jake: »Genau, der Song 'Caught In The Middle'. Am Ende, wenn Dio einfach nur die Läufe singt – das ist sowas von gut. Seine Klangfarbe und wie er den Chorus wiederholt. Das hat so viel Power und Gefühl.«

Nun zum visuellen Part der Platte: Was war die Idee hinter dem Artwork?

Jake: »Das Cover hat Kristian Wahlin gezeichnet. Er hat unter anderem schon mit King Diamond, Dissection und Wintersun gearbeitet. Joseph und ich bewundern seine Arbeiten und als er für unser Album zugesagt hat, haben wir ihm gleich die Demos und Lyrics geschickt. Von da an übernahm er.«

Euer Logo und Album-Cover haben einen dunklen Touch und sind mit der Natur verbunden. Was ist das genaue Konzept dahinter?

Joseph: »Jake und ich haben sehr ähnliche Geschmäcker was Kunst, Musik und Essen angeht. Als wir uns das erste Mal trafen, nachdem wir mit der alten Band abgeschlossen hatten, war uns klar, dass wir ein Stück Kunst erschaffen wollten. „Nocturnes And Requimes“ sollte sich so anhören, als würde man ein großartiges Werk der Literatur lesen, den feinsten Wein dabei trinken, während um dich herum halbnackte Nymphomaninnen abgeschlachtet werden. Trotzdem liest und trinkt man weiter.«



Jake: »Ich denke die Dunkelheit kommt ganz allein mit der Art, mit der wir Musik schreiben. Das ist natürlich alles in die visuellen Aspekte übergegangen. Genau wie in der Musik, wollten wir auch hier einen Kontrast setzen. Man hat das Dunkle und man hat Schönheit. Nichts symbolisiert das besser als die Natur.«

Nach dem tragischen Tod eures Drummers Adam Sagan, habt ihr ihm das Album gewidmet. Gibt es schon Überlegungen mit der Band weiterzumachen, oder ist es zu diesem Zeitpunkt noch zu früh dafür?

Jake: »Wir werden definitiv weitermachen und genau so hätte Adam es gewollt. Es war sehr schwierig jemanden zu finden, der Adams Drumming das Wasser reichen kann, aber wir haben bereits mit ein paar Jungs geprobt, mit denen wir touren werden. Joseph und ich haben sogar schon mit dem Songwriting für die nächste Platte begonnen, aber das steckt noch in den Kinderschuhen. Es werden definitiv mehr WITHERFALL-Scheiben kommen!«

Joseph: »Adam und ich sind zusammengewachsen, als ich ihn bei seiner Chemo-Therapie besucht habe. Er hat in verschiedenen großen Bands gespielt, aber WITHERFALL war sein Baby. Es ist mehr als tragisch, wie sein Leben geendet hat und noch tragischer zu welchem Zeitpunkt. Das Album läuft besser, als wir uns es jemals erhofft haben und er kann diesen Erfolg nicht mehr miterleben. Seine Familie hat uns gebeten, WITHERFALL so weit wie möglich zu tragen und die Musik zu verbreiten, die Adam Sagan mitgestaltet hat. Wir haben sogar eine limitierte Vinyl-Version von 100 Kopien, für langjährige Fans von Adam Sagan angefertigt.«

Ihr habt die Aufnahmen im Jahr 2014 gestartet und trotzdem ist das Album erst 2017 erschienen. Hatte Adams Krankheit damit zu tun?

Joseph: »Die Verzögerung hatte nichts mit Adam zu tun. Er war mit den Aufnahmen fertig, bevor er die Diagnose bekam. Wir haben uns von Ralph Patlan getrennt, nachdem er nach einem Jahr keinen Mix abgeliefert hat. Das ist der Grund, warum „Zeuss“ kam und alles gerettet hat.«

Adam hat den Titel „Nocturnes And Requiems“ hervorgebracht. Gibt es eine besondere Bedeutung dafür?

Jake: »Adam, Joseph und ich saßen Anfang 2015 in einem Thai-Restaurant während der NAMM-Musikmesse in Anaheim, Kalifornien und diskutierten über mögliche Albumtitel. Wir sprachen über klassische Elemente der Platte, als Adam plötzlich „Nocturnes And Requiems“ ausspuckte. Das war der Moment, an dem wir wussten, wie das Album heißen wird. Was die Bedeutung angeht – die hat er wohl mit ins Grab genommen.«

Joseph: »Jake und ich haben viel mit dem Wort „Nocturnes“ gespielt und irgendwann waren wieder drei Blätter für den Mülleimer. Adam hat nie viel getrunken, aber da war er total voll und in Party-Laune. Als er den Titel aussprach, dachten Jake und ich sofort daran, dass es sich wie ein Stephen-King-Buchtitel anhört und das gefiel uns natürlich.«

Wie sehen eure Pläne für die Zukunft aus?

Joseph: »Wir versuchen gerade ein Line-up für die ersten WITHERFALL-Shows auf die Beine zu stellen und suchen eine Band, die uns mit auf Tour nimmt, die wir mögen.«

Abschließende Worte?

Jake: »Danke für die tollen Fragen und an alle Lesern und Fans, die WITHERFALL und unser Album supporten! Wir freuen uns darauf, irgendwann in Deutschland spielen zu können.«

Joseph: »Danke an alle Leute, die die Platte bereits gekauft haben oder noch kaufen werden. Ich kann es kaum erwarten, euch auf Tour zu sehen! Wir haben auf unserer Homepage einen Rabatt von 15 Prozent eingerichtet, für alle Leser dieses Interviews. Der Code lautet: rockhard17«

 

 

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