Online-MegazineInterview

SONS OF APOLLO

Eine gut geölte Maschine

SONS OF APOLLO

SONS OF APOLLO kommen im Oktober für insgesamt vier Konzerte nach Deutschland und sammeln nebenbei schon die ersten Ideen für den Nachfolger ihres Debütalbums "Psychotic Symphony". Was die Supergroup um die Ex-Dream Theater-Mitglieder Mike Portnoy und Derek Sherinian zu den vier Konzertterminen bewegt hat, wie der aktuelle Stand der Dinge im Lager der Progger ist und einiges mehr verrät uns Frontmann Jeff Scott Soto (Ex-Axel Rudi Pell, ex-Journey, ex-Yngwie Malmsteem) im Interview.

Jeff, ihr kommt im Oktober für vier Shows nach Deutschland. Was ist der Anlass?

»Ich freue mich schon sehr darauf! Wenn es nach mir ginge, dann würden wir sogar noch einige Termine mehr spielen. Wir wollen mit diesen Shows lediglich den ersten Schritt machen und das allgemeine Interesse an uns wecken. Den Leuten zeigen, welche Gruppe hinter diesem Namen steht. Und hoffentlich ist das dann der Anlass dafür, dass wir in Zukunft auch ausgedehntere Touren in Deutschland in Angriff nehmen können.«

Was hältst du allgemein von Deutschland? Magst du das Land?

»Oh absolut, es ist eines meiner Lieblingsländer. Wenn du einige andere Länder besuchst, gibt es oftmals Probleme mit einer eher mangelhaften Küche. Also freust du dich natürlich auch nicht unbedingt auf bestimmte Länder und ihr kulinarisches Angebot. Einige dieser professionellen Aspekte sind auf dem deutschen Markt deutlich stärker vertreten. Allgemein liegt es aber auch an den Fans und der Tatsache, dass alles so reibungslos über die Bühne geht. Für mich ist es eine extrem angenehme Erfahrung, in Deutschland zu spielen. Zwischen den Fans, der Crew und den Promotern herrscht eine tolle Atmosphäre. Außerdem liebe ich deutsches Essen! Wir freuen uns wirklich darauf und spüren, dass alles gut wird, sobald wir diese Grenze übertreten (lacht).«

Gibt es irgendwelche besonderen Erinnerungen, die du mit Deutschland verbindest?

»Es hat den Anschein, als seien die deutschen Shows immer am Ende einer Tour platziert. Dann ist alles schon etwas lockerer und jeder geht ein bisschen ruhiger an die Sache heran, außerdem haben wir alle langsam die Schnauze voll voneinander (lacht). Das alles sorgt jedoch auch für eine Menge Spaß!«

Lass uns das Thema wechseln: Was ist zurzeit los im Hause SONS OF APOLLO? Werden wir ein zweites Album von euch bekommen?

»Wir haben uns dafür entschieden, Anfang nächsten Jahres direkt ins Studio zu gehen. Wir gehen die Sache in der gleichen Art wie beim ersten Album an. Es gab keine wirklichen Bedenken, wie wir es schreiben würden. Die Aufnahme ist sehr spontan entstanden, jeder brachte Ideen und Riffs auf den Tisch und das klang großartig, also haben wir darauf aufgebaut. Das komplette Album entstand auf Spontanität und genauso werden wir dieses Mal auch arbeiten. Wir haben das Studio für ungefähr zwei Wochen gebucht, werden da einfach reingehen und sehen, was passiert. Nachdem dann die Basis der Tracks erledigt ist, beginnen wir mit dem Verfeinerungsprozess und fügen all die Dinge hinzu, die den Songs ihre Formen und Farben verpassen.«

Also werden wir musikalisch wohl von keinem kompletten Stilwechsel überrascht werden?

»Das wissen wir niemals, darüber haben wir noch nicht diskutiert. Ich bin allerdings überzeugt, dass wir uns nicht so weit davon entfernen werden. Auch werden wir nichts nachbilden, das jedem von uns über die Jahre geholfen hat, unsere eigenen Marken aufzubauen. Ich bin der Meinung, dass es sehr wichtig für die Band ist, mit Überraschungen zu arbeiten und hoffe, dass wir in etwas hineintappen, das wir auf diesem Album noch nicht ausprobiert haben. Wir haben unseren Sound und unsere Identität etabliert und jetzt ist es Zeit, daran anzuknüpfen.«

Als du früher beispielsweise bei Yngwie Malmsteem oder Axel Rudi Pell am Mikro standest, hast du gesagt, dass du die übergreifende Szenerie dieser Bands nur komplettiert hast. Ist das bei SONS OF APOLLO anders? Herrscht Gleichberechtigung beim Songwriting?

»Oh ja, absolut. Das ist ein sehr wichtiger Aspekt zwischen uns, aber natürlich denken wir auch darüber nach, was wir als einzelne Personen anzubieten haben. Das bedeutet aber nicht zwingend, dass mir die Songs zugeschickt werden und ich dann die Lyrics zurückschicke. Wir versuchen, alles zusammen zu machen. Jeder von uns hat ein deutliches Mitspracherecht, denn es gibt immer starke Persönlichkeiten. Andererseits gibt es manchmal aber auch starke Gefühle zu irgendetwas, das nicht zwingend zum übergreifenden Szenarium passt. Die Produzenten des ersten Albums waren Mike (Portnoy, dr. - sb) und Derek (Sherinian, key. - sb). Sie hatten eine Vision und ich wollte sie und den Plan, was wir hier eigentlich machen, zufriedenstellen. Aber ja, sie waren sehr offen mir gegenüber, wenn ich ihnen Lyrics und Melodie-Ideen vorschlug und wir haben daraus zusammen etwas erschaffen. Wir haben all unseren Ehrgeiz hineingeworfen, denn wir alle wissen, was wir tun. Wir machen das seit so vielen Jahren und es geht nicht mehr darum, dass jemand alleine alles bestimmt, nur um sich selbst zu verwirklichen. Alles für den Song.«



Ist das auf der anderen Seite aber auch die Einzigartigkeit der Band, dass jeder seinen eigenen musikalischen Hintergrund und seine Einflüsse in das übergreifende Konzept einfließen lässt?

»Absolut, das ist der Grund, warum wir alle hier zusammen stehen. Wenn jemand mit einem Riff ankommt, das seiner Meinung nach zu einem Song werden könnte, dann müssen wir alle geschlossen zustimmen, oder ihm eben eine andere Lösung vorschlagen. Ich bin mir sicher, die vielen Streitereien werden wir erst zu einem späteren Zeitpunkt haben. 'Mach es so wie ich will, oder hau ab!' (lacht herzlich) Grundsätzlich ist es immer schwierig, eine Band zu haben, die bei jedem Detail einer Meinung ist. Aber diese Band baut auf dem Ruf und der Karriere ihrer einzelnen Mitglieder auf, deshalb respektieren wir jeden von uns auf eine natürliche Weise, ohne jemandem dabei auf die Füße zu treten.«

Wie weit könnt ihr deiner Meinung nach mit Prog Metal und SONS OF APOLLO in diesen hektischen Zeiten gehen, in denen die Leute nicht mehr so viel Zeit für Musik haben?

»Tatsächlich gibt es zwei Antworten auf diese Frage. Zunächst einmal hat Prog-Musik einen sehr langen Weg hinter sich und das Interesse daran ist heute deutlich größer, als es beispielsweise vor zwanzig Jahren war. Vielleicht auch vor dreißig Jahren, aber die Neunziger waren der Zeitpunkt, als Prog langsam in das Bewusstsein der Leute gekrochen kam, die experimentellere Musik hören wollten. Es ist so einfach, vorhersehbar und kommerziell zu sein, aber deutlich schwieriger, etwas zu kreieren, das davor noch nicht gemacht oder gehört wurde. Die Prog-Szene ist heutzutage deutlich offener und größer als vor zwanzig Jahren. SONS OF APOLLO ist allerdings keine traditionelle Prog-Band. Wenn du dir anhörst, was wir anbieten, dann kommen Prog-Elemente zum Vorschein, andererseits haben wir aber auch Classic Rock, Metal und sogar Nu Metal anzubieten. Ich sehe uns also weniger als Prog-Band als eine Truppe, die viele Stile in sich vereint. Das ist mir und dem Rest der Band wichtig. Wir können nicht in eine Schublade gesteckt werden.«

Was hat dich vor SONS OF APOLLO schlussendlich dazu bewegt, diese für dich doch recht neue Stilrichtung des Prog einzuschlagen?

»Als ich die Einladung von Mike bekam, sollte diese Band zunächst noch komplett im Prog angesiedelt werden. Das Ziel war sehr jazzig, Fusion- und Prog-lastig. Ich habe tatsächlich nur deshalb zugesagt, um eine Art To-Do-Liste abzuhaken und mit Mike und Derek zusammenzuarbeiten und es in meinem Lebenslauf stehen zu haben, aber als wir erst einmal die Musik erarbeitet hatten, realisierten wir, dass wir eine Band sind und nicht nur ein Projekt, das ein Album veröffentlicht, über das die Leute reden und das dann wieder verschwindet.«

Suchst du persönlich also immer nach einer gewissen musikalischen Vielfalt in deinem Leben?

»(Er denkt nach.) Nun ja, ich liebe Prog-Musik, war aber niemals Teil dieser übergreifenden Szene. Ich wollte schlichtweg ein bisschen mehr Komplexität neben den Standards. Es war bisher eine unglaubliche Erfahrung, Teil dieser Szene zu sein und etwas auszuprobieren, das ich davor noch nie gemacht habe. Die Leute, die immer nur Prog gehört haben, werden bei unseren Shows noch nie einen Frontmann wie mich gesehen haben, denn ich steuere viel Groove und Funk bei. Das eröffnet uns eben komplett neue Möglichkeiten.«

Du bist ein ziemlicher Workaholic. Fällt es dir manchmal schwer, den Überblick über all deine Bands und Projekte zu behalten?

»Nicht wirklich. Das ist lustig, denn ich werde diese Frage genauso oft wie Mike Portnoy gefragt (lacht). Das hat bei uns allen einen simplen Grund: Wir lieben Musik, aus tiefstem Herzen. Mit allem, was wir machen, erweitern wir die Einflüsse, mit denen wir aufgewachsen sind. Wenn du dir meinen iPod oder meine Playlists ansiehst, findest du tonnenweise unterschiedliche Sachen, alles von Abba bis Metallica. Wir sind Musiker, die all die Dinge aufgreifen, die wir an der Musik lieben. Eine Band wie SONS OF APOLLO unterscheidet sich so stark von beispielsweise Axel Rudi Pell oder meiner eigenen Band Soto, aber sie gibt mir die Möglichkeit, mich in all diesen Dingen zu versuchen, die ich auch in meiner Playlist stehen habe. Wenn ich das nicht machen würde, dann würde es sich anfühlen, als ob ich etwas verpassen würde. Es ist eine Erweiterung dessen, wofür wir leben.«

Was hörst du im Moment selbst? Gibt es neue Bands, die du für dich entdeckt hast?

»Nein, ich bin leider viel zu beschäftigt mit meinen eigenen Dingen. Wenn ich gerade nichts produziere oder zusammen mit anderen erschaffe, dann arbeite ich an meinen eigenen Projekten oder mit SONS OF APOLLO. Ich will immer den nächsten Schritt machen. Dazwischen habe ich nicht wirklich Zeit, mir andere Musik anzuhören. Ich nutze meine Freiheit für die kreative Seite der Dinge. Ich bin nicht mehr dazu in der Lage, Musik auf die Art und Weise zu absorbieren, wie ich es als Kind getan habe.«

Vermisst du das?

»Ja und nein, denn es gibt heutzutage so viel Musik da draußen, die ich gefühlt schon eine Million Mal gehört habe. Wenn es eine Band ist, die ich schon seit vielen Jahren höre, dann weiß ich, was ich von ihr zu erwarten habe. Wenn ich etwas Neues höre, mit dem ich mich noch nicht so gut auskenne, dann verliere ich oft schnell die Konzentration und denke mir nur 'Yeah, schön und gut, aber jetzt muss ich weiterarbeiten.' Vielleicht ist das gut so, vielleicht ist es schlecht und ich halte mich selbst davon zurück, mich von neuen Dingen beeinflussen zu lassen. Meiner Meinung nach ist in meinem Kopf so viel los, dass ich mich nicht von neuer Musik beeinflussen lassen muss.«


Sons Of Apollo live:

09.10.18 Aschaffenburg - Colos-Saal
17.10.18 München - Backstage Halle
19.10.18 Stuttgart - Im Wizemann
20.10.18 Köln - Luxor

 

www.sonsofapollo.com

www.facebook.com/SonsOfApollo1

 

Pics: Hristo Shindov (Promo)

AbfahrplanDie nächsten Konzerte

SONS OF APOLLO08.10.2018CH-ZürichKomplex 457 Tickets
SONS OF APOLLO09.10.2018AschaffenburgColos-Saal Tickets
SONS OF APOLLO17.10.2018MünchenBackstage Tickets
SONS OF APOLLO19.10.2018StuttgartWizemannTickets
SONS OF APOLLO20.10.2018KölnLuxorTickets
 
 

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