Online-MegazineInterview

VISIONS OF ATLANTIS

Dunkle Wasser sind tief

VISIONS OF ATLANTIS

VISIONS OF ATLANTIS gehören zu den Vorreitern der Symphonic-Metal-Szene und werden am 16. Februar ihr nächstes Langeisen „The Deep & The Dark“ in die Plattenläden bringen. Darauf hat die Gruppe um Schlagzeugkonstante und Gründungsmitglied Thomas Caser zehn harmonische Hymnen in Stein gemeißelt, die das Rad zwar nicht neu erfinden, sich dafür aber von einer abwechslungsreichen und frischen Seite zeigen. Heute feiert die Band bei uns die Premiere des Titelsongs der kommenden Scheibe. Um Genaueres über das neueste maritime Machwerk der Österreicher zu erfahren, baten wir Sängerin und Neuzugang Clémentine Delauney zum Gespräch.

Clémentine, ihr habt in einem Statement gesagt: "Wir haben immer davon geträumt, ein Album wie dieses aufzunehmen." Was macht "The Deep & The Dark" so besonders?

»Auf diesem Album ist uns exakt die Art von Musik gelungen, die wir alle erreichen wollten. Ich kann mich noch sehr genau daran erinnern, dass ich schon als junges Mädchen immer davon geträumt habe, in einer Symphonic-Metal-Band zu singen. Ich nahm klassischen Gesangsunterricht, hörte Bands wie Nightwish und fing an zu träumen. Ich wollte mein eigenes Universum in diesem Genre erschaffen. Als die ersten Songideen aufkamen und wir mit der Arbeit begonnen hatten, bin ich gewissermaßen mit dieser jüngere Version von mir in Kontakt getreten, die immer an ihrem großen Traum festgehalten hat. Den Jungs ist es wohl nicht anders ergangen, besonders Thomas (Caser, dr.) und Siegfried (Samer, voc.). Stell dir eine To-Do-Liste mit all dem vor, was du im Leben erreichen und dir erfüllen willst. Ein pures melodisches Symphonic-Metal-Album in seiner bestmöglichen Form aufnehmen – das können wir jetzt von unserer Liste streichen (lacht).«

Klingt so, als hätte sich seit deinem Beitritt im Jahr 2013 einiges bei VISIONS OF ATLANTIS getan.

»In diesem Zeitraum habe ich einige Höhen und Tiefen mit der Band durchlebt. Anfangs gab es tatsächlich nur ein Ziel: Ein letztes Album und eine letze Tour, bevor VISIONS OF ATLANTIS auf Wiedersehen sagen würden. Das war die Idee, denn Thomas hatte mit den vergangenen Line-up-Änderungen viel Ärger zu ertragen. Wir wollten diesen Kampf nicht weiter austragen, gleichzeitig aber auch nicht als gebrochene Band abtreten. Dann spielten wir einige neue Shows und das Publikum und das Feedback waren wirklich nett. Die Energie war zurück und wir waren ehrlich überrascht, dass wir immer noch Fans haben (lacht). Im Jahr 2015 ist dann die Entscheidung gefallen, den nächsten Langspieler herauszubringen. Dazu kamen unsere Gründungsmitglieder Chris (Kamper, keys) und Mike (Koren, b.) zurück in die Band und wir waren uns sicher, dass sie noch immer die Musik schreiben können, die sie vor zehn Jahren geschrieben haben. Diesen Traum haben wir ungefähr eineinhalb Jahre am Leben erhalten, doch er ist nicht in Erfüllung gegangen. Die Lebensumstände der beiden hatten sich verändert, Kinder, viel Arbeit, schwierige Jobs und Nachtschichten. Sie mussten feststellen, dass es schwierig ist, sich für einige Stunden Zuhause hinzusetzen und mit einem klaren Kopf Musik zu schreiben. Da haben wir gemerkt, dass die Band nicht in der Form funktionieren wird, wie wir uns das vorstellen. Wir sind durch Hoffnungen, Zweifel und eine weitere Trennung gegangen, denn Chris und Mike konnten aus den selben Gründen natürlich auch nicht mit auf Tour gehen. Die beiden verließen die Band und unsere langjährigen Tourmusiker Herbert (Glos, b.) und Chris (Douscha, g.) wurden kurzerhand Teil von VISIONS OF ATLANTIS. Das war ein natürlicher Prozess.«

Dein Kollege Siegfried attestiert „The Deep & The Dark“ eine hohe stilistische Vielfalt. Tatsächlich klingt die Scheibe ziemlich abwechslungsreich und bunt.

»Das Album ist sehr vielfältig, jeder Song steht in seinem eigenen kleinen Universum. Auch singe ich bei jedem Track anders, das kommt auf die Botschaft an. „The Deep & The Dark“ ist melodischer Symphonic-Metal, aber egal welchen Song du dir herausnimmst, er repräsentiert nicht die komplette Aufnahme. 'Return To Lemuria' zum Beispiel hat nichts mit dem Opener 'The Deep And The Dark' zu tun. Das gefällt uns, weil wir das Symphonic-Metal-Genre damit weiter aufgebrochen haben. Es sollte eine modern ausgerichtete Scheibe werden, die verschiedene Einflüsse in sich vereint. Von purem Symphonic Metal wie 'Return To Lemuria' und 'The Great Illusion' über Heavy Metal zu Gothic Metal in den beiden Balladen. Wir wollten ein Album machen, mit dem man sich identifizieren kann und das nicht langweilig wird, wenn man sich die ersten vier Songs angehört hat. Ich hoffe wirklich, dass uns das gelungen ist (lacht).«



Wie uns der Titel bereits vermittelt, geht es diesmal eine Spur düsterer und melancholischer zur Sache. Das macht sich vor allem textlich bemerkbar.

»Ja, das stimmt. Wir können ein Album nicht „The Deep & The Dark“ nennen, ohne darin die düstere Seite unserer Musik zu erforschen. Es ist aber absolut keine depressive oder bedrückende Aufnahme. Hinsichtlich der Themen und der Atmosphäre sind die Songs von einer gewissen Dunkelheit umgeben, was sich meiner Ansicht nach musikalisch perfekt ergänzt. Melancholie, Nostalgie... das ist diese schleichende Dunkelheit, die nicht durch und durch schlecht ist, dafür aber wunderbar Emotionen transportiert.«

Die meisten Lyrics auf „The Deep And The Dark“ entspringen deiner Feder. Würdest du sagen, dass du einige neue Einflüsse und Impulse in die Band gebracht hast?

»Ich habe mich selbst und somit eine neue Komponente in die Band eingebracht. Ich habe meine Stimme, die sowohl klar, melodisch und klassisch, als auch deutlich kraftvoller oder zurückhaltender klingen kann. Ich wollte meine stimmlichen Fähigkeiten ergründen und den Songs verschiedene Stimmungslagen und Gefühle verpassen. Hinsichtlich der Lyrics war es ein großartiges Freiheitsgefühl für mich, über Dinge schreiben zu können, die mir etwas bedeuten. Dinge, über die ich oft nachdenke, Dinge die mich emotional berühren und mich traurig oder wütend machen. Das will ich in den Kosmos von VISIONS OF ATLANTIS integrieren. Wenn du dich tief in die Lyrics hineinversetzt und versuchst, ihre Bedeutung zu verstehen, dann wirst du verstehen, was wichtig für mich ist und wer ich bin.«

Eine besondere Bedeutung dürfte auf jeden Fall der Song 'Prayer To The Lost' für dich haben, den du deiner Schwester Lou gewidmet hast.

»Dieses Stück habe ich nur für sie geschrieben. Meine Schwester musste eine Zeit in ihrem Leben überstehen, in der ich dachte, ich hätte sie verloren. Es war damals sehr schwer für mich, zu ihr durchzudringen. Den Song habe ich komplett alleine komponiert, es ist der einzige auf dem Album, der auch musikalisch nur von mir stammt. Ich habe ihn einem Menschen gewidmet, der mir sehr viel bedeutet und der sich in seinem eigenen Leben verloren hatte.«

Wie gehst du an das Schreiben deiner Lyrics heran?

»Ich schreibe am liebsten dann, wenn die Gesangsharmonien bereits feststehen. Die Melodien der Wörter müssen auf die Musik passen, sonst klingt es blöd. Ich bin keine englische Muttersprachlerin und mache manchmal Fehler. Akzent- und Betonungsfehler zum Beispiel. Manchmal macht sich sogar die Band über mich lustig, nachdem es mir irgendwie gelungen ist, Canada (betont das zweite "a" und zieht es in die Länge) anstatt Kanada zu sagen (lacht herzlich). Manchmal bin ich beim Schreiben meiner Lyrics auch so darauf fokussiert, was ich sagen will, dass es plötzlich nicht mehr mit den Melodien zusammenpasst. Siegfried hat mir dabei wirklich geholfen, er hat die englisch Sprache studiert und beherrscht sie deshalb sehr gut. Zuerst brauche ich das musikalische Gewand, den kompletten Song. Dann kann ich mich mit der Atmosphäre und der Stimmung auseinandersetzen und lasse Emotionen Wörter folgen.«

Im Februar werdet ihr auf den Symphonic-Metal-Nights spielen, unter anderem zusammen mit Serenity. Wie ist denn das Verhältnis zu deiner ehemaligen Band?

(Sie lacht:) »Es ist sehr gut! Wir sind auch nach meinem Ausstieg in Kontakt geblieben, denn persönlich gab es zwischen uns kein böses Blut. Wir haben einfach festgestellt, dass wir uns hinsichtlich der Frage, wie diese Band funktionieren soll, nicht einigen konnten. Das passiert, wenn man als Team zusammenarbeitet. Ich habe letzten Sommer einmal gemeinsam mit ihnen auf der Bühne gestanden, auf dem Masters Of Rock Festival, und das war wirklich schön. Jetzt freue ich mich darauf, mit ihnen auf Tour zu gehen. Außerdem waren VISIONS OF ATLANTIS und Serenity bereits 2014 gemeinsam auf Tour, damals war ich allerdings noch Mitglied bei Serenity (lacht) und VISIONS OF ATLANTIS der Support-Act. Die Geschichte wiederholt sich.«

Symphonic-Metal-Bands gibt es mittlerweile wie Sand am Meer, ihren Exotenstatus haben sie längst verloren. Wodurch heben sich VISIONS OF ATLANTIS deiner Meinung nach von der Masse ab?

»Weil wir alt sind (lacht herzlich). Wir sind schon seit mehr als 15 Jahren unterwegs und gehören somit zu den Pionieren. Wir sind sogar älter als Epica. Ich würde sagen, dass VISIONS OF ATLANTIS gewissermaßen legitimiert sind, diese Art von Musik zu spielen. Wir sind relevant für dieses Genre und ein Teil der Definition von "Symphonic Metal". Andererseits behaupten wir nicht, dass wir unsere Sache besser als andere machen. Wir sind einfach so wie wir sind. Deshalb hängt es natürlich stark davon ab, ob du uns magst oder nicht. Selbstverständlich ist es auch nicht schwer, Ähnlichkeiten zu anderen Bands zu finden. Wir sind schließlich Teil einer klar definierten Szene. Viele werden sich bei unserem neuen Album denken, dass es nichts Neues an sich hat und man es schon tausend Mal gehört hat. Wenn du das Genre magst, wirst du in unserer Musik aber etwas Berührendes finden, das du andernfalls übersehen würdest.«

 

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