Online-MegazineInterview

I'LL BE DAMNED

Der Antichrist aus dem Vorort

I'll Be Damned

Seit ihrer Gründung vor acht Jahren gelten I'LL BE DAMNED als Dänemarks größte Rock-Hoffnung seit Volbeat. Einen Auftritt als Vorgruppe für Metallica ist da sicher auch nicht gerade die schlechteste Referenz. Mit ihrem neuen Album „Road To Disorder“ startet die Band um Frontmann Stig Gamborg drei Jahre nach Veröffentlichung ihres Debüts wieder voll durch und bietet eine riesige Portion Abwechslung. Was mit der heutigen Jugend nicht stimmt und warum I'LL BE DAMNED Genre-Schubladen hassen, hat Frontmann Stig im Interview verraten. Bei einem Gespräch darüber, warum wir alle eigentlich längst tot sind, wird es sogar fast schon philosophisch.

Stig, I'LL BE DAMNED sind nicht nur recht aktiv auf Facebook, ihr kommuniziert auch über Instagram und Twitter mit euren Fans. Seid ihr Digital Natives und macht das alles selbst oder hilft euch jemand bei euren Social-Media-Aktivitäten?

»Bei unserer Facebook-Seite machen wir alles selbst, das sind also wirklich wir. Es ist sehr wichtig für uns, wie wir rüberkommen, deshalb versuchen wir da viel Humor reinzubringen und eine Art Ping-Pong zwischen den Fans und der Band herzustellen. Wir entscheiden, was dort vor sich geht. Bei den anderen Plattformen bekommen wir Hilfe von unserem Management und vom Label.«

Du scheinst sehr ausdrucksstarke Auftritte zu mögen, da du viel Leidenschaft auf der Bühne zeigst. Was ist die Quelle deiner Energie?

»Die Quelle ist meine Empörung über den Zustand der heutigen Gesellschaft und meine Wut über die Art und Weise, wie wir miteinander und mit der Welt umgehen. Ich bin sehr unzufrieden. Und so ist Rock 'n' Roll: Wenn man etwas auf dem Herzen hat, muss man es ernst meinen. Wenn du es nicht so meinst, kannst du es nicht durchziehen, dann solltest du es einfach lassen. Und ich meine es sehr ernst, das zeige ich dann auch.«

Worum geht es dir also bei I'LL BE DAMNED und "Road To Disorder"?

»Werde wütend! Es ist okay, wütend zu sein. Die Leute fragen mich immer, "Worüber bist du ständig so wütend? Sei doch lieber gut gelaunt!" Nicht, dass du die ganze Zeit wütend sein musst, denn wir feiern hier schließlich auch eine Party. Aber am Ende sterben wir doch sowieso. Nichts ist wirklich wichtig, eigentlich sind wir bereits tot. Wir alle sind verdammt. Also scheiß auf die Welt und sei glücklich! Für mich klingt das auch nicht deprimierend, im Gegenteil, für mich ist es eine Art Erleichterung. Wir sind am Leben, in dem sicheren Wissen, dass wir sterben werden. Wenn dir das klar ist, kannst du dein Leben wirklich befreit und glücklich leben und Gutes tun, anstatt den Planeten zu zerstören. Aber eigentlich spielt es am Ende gar keine Rolle, weil es dem Universum völlig egal ist. Und das ist irgendwie beruhigend für mich, weil mir so dieses schwere Gewicht von den Schultern fällt. Aber wir sollten es trotzdem nicht vermasseln, denn auch wenn es dem Universum egal ist, ist es es uns jetzt in diesem Moment wichtig. Wir sollten unser Bestes geben und lächeln und eine Party feiern, obwohl es am Ende objektiv gesehen egal ist. Es ist eine etwas buddhistische Sichtweise und ziemlich philosophisch und düster, aber man muss es trotzdem eingängig, kantig und provokant verpacken. Deshalb haben wir solche One-Liner wie 'Keep Warm Burn The Rich'. Es soll zwar Spaß machen, aber eben nicht nur. Es soll deine Aufmerksamkeit erregen. Zuerst feiert man – und das ist das Wichtigste – und dann gehst du nach Hause, hörst es dir an und versteht die Idee dahinter.«



Wütend werden soll eurer Meinung nach ja vor allem die Jugend oder? Eure aktuelle Single 'You Are The Young' klingt wie ein Weckruf. Was denkst du machen die jungen Leute heutzutage falsch?

»Man muss unsere Texte immer mit etwas Distanz wahrnehmen, es steckt viel Humor in dem, was wir tun. Aber in den letzten 20 Jahren lief vieles verkehrt, niemand kümmert sich um etwas anderes als sich selbst, seine Selbstdarstellung, seine Fahrräder und sein Telefon. Steh' auf und geh auf die Straße, krieg' endlich deinen Arsch hoch! Es gibt keine Subkulturen mehr, diese Hipster wollen ja nichts verändern. Du hast verschiedene Musikstile, wie Metal oder Indie oder was auch immer, klar. Die jungen Leute hören diesen Mist, aber sie machen nichts daraus, es gibt keine Verbindung zur realen Welt. Es geht nur um Kommerz und Geld. Es bedeutet gar nichts. Für mich ist Rock 'n' Roll eine Rebellion und es geht darum, die Autoritäten zu hinterfragen und es ihnen so richtig zu zeigen. Das fehlte in den letzten 20 Jahren. Ich selbst war als Teenager aber auch nicht wirklich Teil einer Subkultur, ich würde sie jedenfalls nicht so bezeichnen. Ich begann damit, Grunge und Metal zu hören, aber das waren für mich keine Subkulturen, weil es auch in den Neunzigern sehr kommerzialisiert war. Ich komme aus einem der reichen Vororte von Arhus, der zweitgrößten Stadt Dänemarks. Ich bin nicht von der Straße, haha. Ich bin wie der Antichrist aus den Suburbs, ich komme aus den Vororten und zerstöre sie von innen, haha.«

Es gibt ein Konzert, über das wir natürlich reden müssen, letztes Jahr habt ihr als Vorgruppe für Metallica gespielt.

»Es war fantastisch, wie ein Zirkus. Es war verrückt, absurd und lustig. Ich fand es einfach unglaublich, diese Typen zu treffen, zu denen jeder in diesem Geschäft irgendeine Art von Beziehung hat. Nicht unbedingt persönlich, aber jeder weiß, wer sie sind, und sie sind seit Anbeginn der Zeit hier. Es war auch toll, mal vor ihren Leuten zu spielen und diese vier Jungs ein wenig kennenzulernen. Wir konnten aber leider nicht wirklich mit ihnen abhängen, nur etwa zehn Minuten, weil sie einen sehr vollen Terminkalender hatten.«

Damals wart ihr ja noch mit eurem Debütalbum unterwegs, wie zufrieden seid ihr im Vergleich mit eurer neuen Platte?

»Wir sind sehr zufrieden. Als wir ins Studio gingen, hatten wir schon ziemlich Angst, wie die Leute reagieren würden. Es ist sehr anders und abwechslungsreich und wir dachten manchmal, "Vielleicht ist das zu viel", aber als wir es aufgenommen, alle Produktionsschritte und den Mix durchlaufen hatten, dachten wir, dass es genauso geworden ist, wie es sein sollte. Wir lieben de Vielfältigkeit, es gibt so viele verschiedene Dinge, die in nur einem Song vor sich gehen.«

Genau, „Road To Disorder“ ist sehr abwechslungsreich, ich denke da zum Beispiel an 'The Entire Universe' oder 'Luck Could Change', mit eurem Song 'Pigburner' featuring Baest driftet ihr sogar in den Death Metal ab.

»Boris [Tandrup], einer unserer Gitarristen, ist ein ehemaliger Death-Metal-Bassist der dänischen Band Autumn Leaves. Er wollte etwas Death Metal reinbringen und damit waren wir einverstanden, haha. So ist es zu dieser Zusammenarbeit gekommen. Ich erinnere mich nicht, ob es seine Idee war oder Kristians [Sloth], unseres anderen Gitarristen, denn er steht auch auf Death Metal. Es ist unmöglich für uns zu sagen, dass wir nur diese oder jene Art von Musik spielen, dafür lieben wir Musik viel zu sehr. Das ist uns rein körperlich nicht möglich, haha. Wenn wir ein Riff für einen Song haben, spielt es keine Rolle, was es ist, solange wir denken, dass es hart und heavy ist. Wir lassen uns nicht gern in eine Schublade stecken. Natürlich sind unsere Songs hauptsächlich aus zwei oder drei Riffs zusammengesetzt, aber dann versuchen wir, einige Details unterzumischen, damit es mehr Spaß beim Hören macht und es nicht nur Strophe, Refrain, Strophe und Refrain ist. "Road To Disorder" zeigt eine große Bandbreite unserer Einflüsse. Wir haben sehr unterschiedliche Inspirationsquellen von HipHop über Death Metal, Reggae, Grunge und vieles mehr. Solange es nicht Abba ist, ist alles gut, haha. Nein also wir wollen uns nicht auf eine Sache festlegen, wir tun, was wir wollen. Wichtig ist, dass unsere Präsenz live und in Videos und Social-Media-Plattformen verständlich und zugänglich ist. Wir sind uns immer sehr bewusst, was wir tun und wollen sicherstellen, dass alles richtig verstanden wird. Das ist Teil der Musik. Es ist nicht nur die Musik, es sind auch die Menschen dahinter.«

Wie schreibt ihr eure Lieder? Was inspiriert dich und brauchst du ein bestimmtes Umfeld, um kreativ zu werden?

»Ich bin Teil dieser Gesellschaft und das macht mich immer betroffen. So vieles ärgert mich so sehr, also bin ich immer inspiriert, weil es immer etwas gibt, das ich kommentieren möchte. Ich trage mein Handy immer bei mir, wenn ich eine Idee habe, tippe ich sie ein. Ich habe eine lange Liste von Ideen und wenn die Jungs etwas an Musik oder Riffs haben, höre ich es mir an und denke, "Oh, das passt zu dieser Idee, das ist ein schönes Riff" und wir bauen einen Song daraus.«

Worauf freust du dich dieses Jahr am meisten?

»Wir freuen uns sehr darauf, endlich unsere neues Album zu präsentieren. Es ist ein Jahr her, seit wir ins Studio gegangen sind, eine Ewigkeit, denn wir haben sehr viel Zeit und Kraft in dieses Album gesteckt und es war so ein langer Prozess. Wir wollen es jetzt nur noch rausbringen und sehen, was die Leute darüber denken. Das ist es, worauf wir uns am meisten freuen und worauf wir am meisten gespannt sind. Wir freuen uns aufs Touren und kommen ja auch nach Deutschland und wollen jetzt endlich ein paar größere Städte ausprobieren.«

 

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