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THE PRETTY RECKLESS, THE CRUEL KNIVES

Köln, Gloria

THE PRETTY RECKLESS

THE PRETTY RECKLESS geben sich auf ihrem aktuellen Album „Who You Selling For“ zwar betont erwachsen, doch das vorwiegend junge Publikum scheint der Band die Treue zu halten. Die Schlange vor dem ausverkauften Gloria zieht sich auf jeden Fall einmal um den Block.

Unter den Wartenden befinden sich zwar nicht nur junge Mädels, aber wie das Schicksal so will, stehen hinter der Rock-Hard-Delegation (bestehend aus Nina Hammelstein, Jens Peters und meiner Wenigkeit) zwei weibliche Teenies in der Schlange, von denen eine noch nie auf einem Konzert war und ihre Freundin mit Fragen löchert („Drinnen gibt es Getränke, oder?“, „Tanzt man, oder was macht man da so?“), deren unfreiwilliges Belauschen für den ein oder anderen Schmunzler sorgt. Von THE CRUEL KNIVES bekommen wir aufgrund der Einlassverzögerung zwar nur noch drei Songs mit, die es allerdings in sich haben. Bei der Band handelt es sich um ein neues Projekt der Heaven's-Basement-Musiker Sid Glover und Rob Ellershaw, die sich mit Tom Harris und Al Junior zusammengetan haben. Ähnlich wie die leider aufgelösten Heaven's Basement paart die Band Classic-Rock-Elemente mit explosiven Rage-Against-The-Machine-Grooves. Derzeit sucht die britische Truppe via Pledgemusic Unterstützer für die Aufnahme ihrer Debüt-EP, Interessenten schauen hier vorbei: http://www.pledgemusic.com/projects/the-cruel-knives-new-ep



Die Umbaupause nutzen wir für die Inspektion des Merchstandes, die aber aufgrund der Preise (unter 30 Euro gibt’s kein Leibchen zu ergattern) relativ kurz ausfällt. Jens hat das Kölner Preisniveau eh nicht berücksichtigt, ist schon nach der der ersten Getränkerunde blank und versucht die letzten Kröten zusammenzukratzen um sich für fünf Euro wahlweise ein weiteres Bier oder eine Linsensuppe (die wird tatsächlich im Gloria verkauft) zu genehmigen. Bevor er allerdings wieder blank ziehen kann („ich zieh mich gleich aus, dann steckt mir bestimmt jemand Geld zu!“), steigen THE PRETTY RECKLESS um 21:15 Uhr mit 'Follow Me Down' in ihr Set ein. Schon das einleitende Introtape mit dem Orgasmusgestöhne (für das die Band bekanntlich Porno-Darstellerin Jenna Haze engagierte) wird mit hysterischen Kreischen aus hunderten Teenie-Kehlen quittiert, das an diesem Abend noch so manches Mal aufbranden soll. Die düster-atmosphärische Nummer wird von der Band extrem tight dargeboten, während Fronterin Taylor Momsen die Femme Fatale mimt und sich lasziv die Haare rauft. Nicht nur ihr kratziger Gesang, auch das Stageacting erinnert des Öfteren an Kurt Cobain oder Courtney Love. Aber warum nicht? Es gibt kaum eine Band, die den Grunge-Vibe so gut ins neue Jahrtausend hinüberrettet, mit Classic-Rock-Elementen verbindet und das Ganze auch noch einen jungen Publikum schmackhaft macht (denn seien wir mal ehrlich: Rockmusik lebt von einem jungen Publikum, mittlerweile ist die Szene in weiten Teilen aber ziemlich überaltert). Mit der starken Instrumental-Combo im Rücken, die sowohl Power-Grooves als auch improvisierte Jams beherrscht, kann Momsen alle Register ziehen. Wobei sich die 23-Jährige gemessen an früheren Auftritten recht züchtig gibt, und sich lediglich ein, zwei mal an Brust und Schritt fast.

Die entscheidende Frage ist sowieso, wie gut sich das Material des neuen, musikalisch recht variablen Albums „Who You Selling For“ ins Set einfügen wird. - Erstaunlich gut! Songs wie 'Prisoner' oder 'Who You Selling For' entfachen live eine ungeahnte Power, lediglich 'Hangman' verbleibt etwas sperrig. Den größten Bandhit 'Heaven Knows' poliert die Band hingegen mit einem neuen Arrangement auf, während beim harten 'Going To Hell' gehörig die Zähne gefletscht werden. Das vom Publikum lautstark geforderte 'Just Tonight' wird anscheinend spontan gespielt (auf den Setlisten der Vorabende taucht es nicht auf), bevor die Band sich mit dem um ein Drumsolo angereichertem 'Fucked Up World' verabschiedet.

Falls  noch jemand auf der Suche nach den nächsten Rockstars ist: Hier sind sie!



SETLIST THE PRETTY RECKLESS

Follow Me Down
Since You're Gone
Oh My God
Hangman
Make Me Wanna Die
My Medicine
Prisoner
Sweet Things
Light Me Up
Who You Selling For
Living In The Storm
Heaven Knows
Going To Hell
Take Me Down
Just Tonight
--
Fucked Up World

 

Pics: Falk-Hagen Bernshausen