Unter dem Namen „Out Of The Dark Festival“ gingen fünf verschiedene Female-Fronted-Metal-Bands auf Tour durch Europa, mit Endstation in Dortmund.
Zuerst kommen AMBERIAN DAWN auf die Bühne und legen vor knapp fünfzig Menschen los. Frontfrau Heidi Parviainen scheint völlig mühelos bekannte Songs der Symphonic-Metal-Band, wie 'Incubus', 'Artica' und 'River Of Touni' zu singen. Die Ausstrahlung der fünf langhaarigen Finnen ist stark, doch eine Einheit bilden sie nicht. Man merkt einfach, dass Keyboarder Tuomas Seppälä die Triebkraft hinter ihrer Musik ist. Die emotionale Ebene des Gesangs geht in der klassischen Operntechnik Parviainens leider verloren. Sie singt zwar makellos, aber gefühlskarg. Und obwohl die Frontfrau mit Mimik und Schauspiel auf der Bühne den Ausgleich versucht, vermittelt ihre Stimme sehr wenig.
Als zweiter Act sind die lange verschwundenen XANDRIA zu sehen. Vielleicht genießen die Bielefelder den Vorteil, dass ich sie noch nie mit ihrer ursprünglichen Sängerin, Lisa Middelhauve, auf der Bühne gesehen habe. Und obwohl man ihre Stimme von den Studioaufnahmen im Kopf hat, kann man die alte und neue Frontfrau einfach nicht vergleichen. Manuela Kraller singt XANDRIAs alte Lieder sanft und kräftig, mit viel Sicherheit und powervoller Präsenz. Sie verleiht den Songs die Bühnendramatik, die sie verdienen und gewinnt das Publikum innerhalb weniger Minuten für sich. Dass ihre klassisch gebildete Stimme noch viel Potential und Raum zur Entwicklung hat, ist nicht schlimm, denn ihr momentaner Zustand passt sehr gut zum Gesamtklang der Band. Das hört man vor allem an den neuen Liedern 'Euphoria' und 'Valentine'. Fans dürfen auf das neue Album, das Anfang nächsten Jahres auf den Markt kommen soll, sehr gespannt sein.
Normalerweise haben SERENITY keine Frau in ihren Reihen, doch als Floor Jansens REVAMP, aufgrund ihres Burnouts, die Tour absagen mussten, sind die Österreicher sofort eingesprungen und haben sich französische Unterstützung geholt. Whyzdom-Sängerin Clémentine Delauney singt zwei Songs im Duett mit Fronter Georg Neuhauser. Neuhauser besitzt eine sehr klare und gefühlsgeladene Stimme und eine großartige Ausstrahlung, während der Symphonic Metal der Combo zum Mitsingen einlädt. Das tun übrigens im Hintergrund Keyboarder Mario Hirzinger und Bassist Fabio D’Amore auf dem Endknaller 'When Canvas Starts To Burn' und zwar beeindruckend gut.
TRISTANIA hätten meiner Meinung nach Headliner sein sollen. Sie bringen eine extrem starke Show, mit Songs älterer Alben, aber auch einige Stücke von ihrem 2010 veröffentlichten „Rubicon“, die die Stimme ihrer neuen Frontfrau, Mariangela Demurtas am besten rüber bringen. Die Italienerin hat eine einzigartige und belastbare Stimme, deren Potential sie völlig ausschöpft. Mit der ersten Single des Albums 'Year Of The Rat' geht es los und spätestens beim dritten Lied 'Amnesia' merkt man, dass die norwegische Band es wirklich drauf hat.
Zu VAN CANTO möchte ich nicht allzu viel sagen, denn ihr Auftritt hat mich nicht besonders beeindruckt, nach dem dritten Song war es schlichtweg langweilig. Als ich sie zum ersten Mal gehört habe, dachte ich, ihre Musik ist originell und einfallsreich und habe mir - wie auch an diesem Abend - gerne Coverversionen wie NIGHTWISHs 'Wishmaster' angehört. Und obwohl jeder Sänger über eine gute Technik verfügt und der Drummer ihrer Musik Kraft verleiht, haben sie mich nicht begeistert. Erwähnen muss ich aber trotzdem, dass diese Band die Halle gefüllt hat und die meiste Aufmerksamkeit des „RAKKA-TAKKA!“ schreienden Publikums bekam.
Pics: Hugues Timmermans