Waren sie letztes Jahr noch als Support von Dark Tranquillity unterwegs, bekommen INSOMNIUM nun ihre eigene Headlinertour spendiert. Zusammen mit zwei weiteren Bands aus der finnischen Heimat beglücken sie am vorletzten Tourtag die Fans im Essener Turock. Von der angeblich landestypischen Melancholie und Introvertiertheit war dabei rein gar nichts zu spüren.
Alle Jahre wieder. Mit schöner Regelmäßigkeit kommt die Bahn im Winter noch später als sonst, oder wie an diesem Tag, zunächst gar nicht. Nach längerem Warten und Umwegen ist das gut gefüllte Turock dann erreicht, wo der Opener MYGRAIN leider bereits den letzten Song anstimmt. Der belebten Stimmung im Saal ist zu entnehmen, dass die hierzulande noch recht unbekannte Combo mit ihrem modernen Melo-Death-Sound gut beim Publikum angenommen wurde.
Weiter geht’s mit BEFORE THE DAWN. Düstere Melodien, kellertiefe Gitarren und Gitarrist/Frontmann Tuomas Saukkonen im Zentrum des Bühnengeschehens. Leider ist der Sound etwas zu Bass- und Drum-lastig, sowie generell einfach zu laut, wodurch die melodischen Feinheiten in den Songs der Finnen ein wenig untergehen. Das letzte Drittel des, abgesehen vom Sound, überzeugenden Auftritts wird für vier Tracks des nächsten, 2012 erscheinenden Albums reserviert. Saukkonen mahnt ironisch, dass er am nächsten Tag davon keine Youtube-Uploads sehen möchte. Insgesamt kann man BEFORE THE DAWN eine würdige Anheizerposition vor dem Headliner zusprechen.
INSOMNIUM, deren Banner mit einem schlichten Bandlogo den Bühnenhintergrund einnimmt, haben die Menge von der ersten Minute an auf ihrer Seite. Der Sound ist sehr viel ohrenfreundlicher, differenzierter und Sänger/Bassist Niilo Sevänen punktet mit Ansagen in humorvollem, erstaunlich gutem Deutsch. Während des gesamten Konzerts ist die Atmosphäre positiv und lebendig. Auf und vor der Bühne wird gebangt und ein tolle, energiegeladene Show zelebriert. Es ist unverkennbar, wie INSOMNIUM seit ihrem 2009er Release „Across The Dark“ gewachsen sind und sich am bislang erfolgreichsten Punkt ihrer Karriere befinden. Am Ende dieser Europatour ist die Band merklich gut eingespielt und sowohl Growls als auch Klargesang passen perfekt ins Gesamtbild. Die Jungs bieten dabei Songs aus ihrem gesamten Band-Repertoire, von denen besonders das folkige 'The Elder', die schnelle Abgehnummer 'The Day It All Came Down' und das epische 'Weighed Down With Sorrow' Akzente setzen. Nach einer guten Stunde verlässt das Quartett zum ersten Mal die Bühne. Zugaberufe lassen trotz jubelndem Applaus zunächst auf sich warten, werden aber bald lautstark angestimmt. INSOMNIUM kommen also nicht umhin und legen zwei Songs vom „Above The Weeping World“-Album, sowie zwei weitere Nummern des aktuellen Outputs „One For Sorrow“ nach, bevor gegen 23.30 Uhr endgültig Feierabend ist. Wenn sie so weitermachen und ihren Erfolg noch ausbauen können, sichern sie sich in Zukunft einen Ausnahmeplatz zwischen den 1000 Bands aus dem Land der 1000 Seen.
SETLIST INSOMNIUM
Inertia
Through The Shadows
Only One Who Waits
Where The Last Wave Broke
The Killjoy
The Elder
Song Of The Blackest Bird
Down With The Sun
Unsung
The Day It All Came Down
Weighed Down With Sorrow
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The Gale
Mortal Share
Every Hour Wounds
One For Sorrow
Pics: Meredith Schmiedeskamp