Quo Vadis, ICED EARTH? Die letzten beiden Alben sind die schwächsten der Bandgeschichte und Matt Barlows Fußstapfen scheinen weiterhin riesig, die Hypothek seines erneuten Ausstiegs kaum tragbar. Doch Jon Schaffer geht stur seinen Weg weiter – und der Erfolg gibt ihm recht! Mit Stu Block zaubert er einen unerwarteten Neusänger aus dem Hut und nimmt mit diesem „Dystopia“ auf, ein Album, das stilistisch wie qualitativ an ICED EARTH in ihren besten Tagen erinnert. Heute sollen Album und Sänger dem Publikum vorgestellt werden.
Vor der Feuertaufe dürfen allerdings erstmal zwei Vorbands die Bühne beackern. FURY UK eröffnen, sind aber viel zu früh dran. Liegt es an der Zeitumstellung? Wie auch immer, die Zeche ist schon gut gefüllt und der Auftritt des Trios ist energetisch. Sänger/Gitarrist Chris Appleton klingt stark nach Klaus Meine und spielt tolle Soli, bei denen leider durch die fehlende Rhythmusgitarre Soundlöcher entstehen. Das ist aber auch der einzige Kritikpunkt.
WHITE WIZZARD gehen optisch locker als Metalcore-Band durch und würzen ihren an sich traditionellen, von Maiden beeinflussten Metal mit einer modernen Schlagseite. Das verwirrt erstmal, daher brauchen die Amis ein bisschen länger, um das Publikum auf ihre Seite zu bekommen, was ihnen aber schlussendlich doch noch gelingt.
ICED EARTH machen das einzig Richtige: Sie gehen von Anfang an in die Offensive und lassen musikalische Tatsachen sprechen. 'Dystopia', 'Burning Times', 'Angels Holocaust' und 'Slave To The Dark' kommen brachial über das Publikum und demonstrieren eindrucksvoll, dass es weder Blastbeats noch Gegrunze braucht, um durchschlagende Wirkung zu erzielen. Stu fügt sich gut in die Band ein und singt, bedenkt man, dass es seine erste ICED EARTH-Show ist, super. Zudem hat er eine lockere, offene Art im Umgang mit dem Publikum, was ihn sofort sympathisch macht. Seine Begeisterung ist ansteckend und lässt die eine oder andere Unsicherheit verzeihen. Was die restliche Band angeht, so kann man nur hoffen, dass endlich etwas Konstanz ins Line-up einkehrt, denn die aktuelle Besetzung ist nicht nur spielerisch stark (das waren ICED EARTH schon immer), sie präsentiert sich auch als Einheit. Die größte Überraschung dürfte aber die Setlist sein: Das dem neuen Album viel Platz (sieben Songs) eingeräumt werden würde, war vorrauszusehen, daneben setzen die Amis aber auch auf einige selten gespielte Songs und lassen den einen oder anderen Hit aus. So fehlen heute 'Watching Over Me' und 'Melancholy (Holy Martyr)', dafür gibt es 'Stand Alone', das schon ewig nicht mehr gespielte 'When The Night Falls', 'Damien' und als Krönung 'Dante's Inferno' – da geht dem geneigten Fan das Herz auf und er verzeiht die ausgelassenen Klassiker. Die neuen Songs fügen sich dabei nahtlos ein und vor allem 'Dystopia', 'Anguish Of Youth', 'Anthem' und 'V' haben definitiv das Zeug zu neuen Liveklassikern. Und das ist vermutlich das größte Lob, das man einer Band, die bereits 25 Jahre beständig tourt und Alben aufnimmt, machen kann.
SETLIST ICED EARTH
Dystopia
Burning Times
Angels Holocaust
Slave To The Dark
V
Stand Alone
When The Night Falls
Damien
Dark City
Pure Evil
Anguish Of Youth
My Own Savior
Anthem
Declaration Day
Days Of Rage
Tragedy And Triumph
Dante's Inferno
Iced Earth