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HELLOWEEN

Bochum, RuhrCongress

HELLOWEEN

In den letzten Jahren gab es einige viel beachtete Reunions und Klassiker-Tourneen, aber kaum eine Rundreise wurde mit so viel Vorfreude erwartet wie die von HELLOWEEN. Auf der „Pumpkins United“-Tour sind neben der aktuellen Stammband auch die beiden ehemaligen Mitglieder Kai Hansen und Michael Kiske am Start. Im Pott scheint diese Vorfreude besonders groß zu sein, denn bereits Wochen vor dem Konzerttermin ist der RuhrCongress restlos ausverkauft.

Dementsprechend voll ist es im Foyer der Halle auch, als ich zum Konzert eintreffe. Gefühlt die gesamte Ruhrgebiets-Szene will sich dieses Ereignis nicht entgehen lassen, darunter vor allem die Semester, die bei den letzten gemeinsamen Konzerten der Band mit Michael Kiske noch dabei gewesen sein könnten. Diese fühlen sich augenscheinlich sofort wieder in ihre Jugend versetzt, als HELLOWEEN um kurz nach acht mit 'Halloween' in ihr knapp dreistündiges Set starten. Der 13-Minüter gibt auch die Schlagrichtung der Bühnenshow vor: Hinter der Band flimmert eine Videoleinwand, die wahlweise Comicanimationen oder Aufnahmen vom Bühnengeschehen zeigt, und auf der Bühne turnen bis zu sieben Musiker, die jegliche Streitigkeiten der letzten Jahre sofort vergessen lassen. Besonders Hansen und Weikath spielen sich blitzsauber durch ihre Doppel-Lead-Soli und schmiegen sich dabei mehr als einmal aneinander, als hätten sie die letzten zwanzig Jahre nichts anderes gemacht. Wenig überraschend trägt auch die Setlist zu geradezu nostalgischen Gefühlen bei, denn der klare Schwerpunkt liegt auf dem Schaffen der Truppe bis einschließlich des Deris-Einstandes „Master Of The Rings“ von 1994 (wobei „Chameleon“ komplett ausgespart wird). Trotz dieser Ausrichtung gleicht der Spannungsbogen eher einer Spannungshängebrücke, denn die eingestreuten neueren Nummern wie 'Waiting For The Thunder' werden eher zum Bier holen als zum Mitsingen genutzt und die Video-Einspieler, die viele Ansagen ersetzen, sind zwar durchaus amüsant, unterbrechen aber eben auch den Konzertfluss. Nichtsdestotrotz gibt es einige Highlights zu bestaunen, wie etwa das „Walls Of Jericho“-Medley, das Kai Hansen furios über die Bühne bringt, oder 'A Tale That Wasn't Right', das Michael Kiske trotz angeschlagener Stimme im Zusammenspiel mit Andi Deris zu einem wahren Gänsehautmoment werden lässt. Apropos Gänsehautmoment: Zu dem wird auch das Schlagzeugsolo, bei dem ein Solo des verstorbenen Gründungsmitglieds Ingo Schwichtenberg eingespielt wird und das in einem Drumduett zwischen ihm und Dani Löble mündet. Nach zwei Stunden beendet dann 'How Many Tears' das reguläre Set, bevor der zweigeteilte Zugabenblock nochmal ganz schwere Geschütze auffährt und zu einem Triumphzug wird.

Das mit der Vorfreude ist so eine Sache, denn die ist immer mit hohen Erwartungen verknüpft. Enttäuscht geht sicherlich niemand nach Hause, denn die Chemie auf der Bühne, der weitgehend gute Sound, eine fette Bühnenshow und nicht zuletzt die Hits, die Helloween in ihrem Backkatalog haben, sorgen für ein fantastisches Konzerterlebnis. Aber trotzdem bleibt das Gefühl, dass der "magische Moment" dann doch ausgeblieben ist.

Setlist:
Halloween
Dr. Stein
I'm Alive
If I Could Fly
Are You Metal?
Kids Of The Century
Waiting For The Thunder
Perfect Gentleman
Starlight/Ride The Sky/Judas
Heavy Metal (Is The Law)
Forever And One (Neverland)
A Tale That Wasn't Right
I Can
Drumsolo
Livin' Ain't No Crime
A Little Time
Why?
Sole Survivor
Power
How Many Tears

Eagle Fly Free
Keeper Of The Seven Keys

Future World
I Want Out

 

Pic: Thorsten Seiffert (www.facebook.com/rnrreporter)

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