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OMEN, CAULDRON, OLIVER/DAWSON SAXON, ASHBURY, MIDNIGHT FORCE

HARDER THAN STEEL IV

ASHBURY

In der Keep-It-True-Festival-Familie ist das HARDER THAN STEEL das kleinste Festival, präsentiert aber jährlich ein starkes Billing und kann auch 2018 mit einer hochkarätigen, internationalen Besetzung und Bands aus unterschiedlichen Genres punkten. Nachdem am Nachmittag mit TURBOKILL, MIDNIGHT FORCE und CHEVALIER interessante Newcomer das Festival eröffnen, sind CAULDRON zur Sportschauzeit der erste etablierte Act.

Sind auf ihrem aktuellen Album mehr Bezüge zum Hardrock rauszuhören, kommen die neuen Stücke auf der Bühne aber gewohnt räudig und roher rüber, was auch für das Dokken-Cover 'Paris Is Burning' gilt. Dabei ist der Sound alles andere als gut, aber mit ihrer Spielfreude und einer tollen Setlist sorgt das kanadische Trio mit seinem ungeschliffenen Heavy Metal für ein begeistertes Publikum.

Während Biff Byford und Paul Quinn mit ihrer Version von Saxon eigentlich nonstop auf deutschen Bühnen zu sehen sind, sind seine beiden alten Kollegen Graham Oliver und Steve Dawson unter ihrem OD SAXON-Banner viel zu selten bei uns zu Gast. Schade, denn auch die beiden Veteranen schaffen es mit ihrer eigenen Truppe die Klassiker des NWOBHM-Flaggschiffs (die Frage „Old One Or New One“ stellt sich hier gar nicht, denn das Songmaterial bewegt sich nur vom Debüt der Briten „Frozen Rainbow“ (1979) bis zu „Rock'n'Roll Gypsy“ (1985)). Danach war keiner der beiden mehr an Bord. Während für Biff und Paul Saxon mittlerweile ein Beruf ist und die Klassiker routiniert gespielt werden müssen, ist es für ihre früheren Kollegen dagegen etwas Besonderes, mit den alten Stücken nach Jahrzehnten auf ein begeistertes, textsicheres Publikum zu treffen. Nicht zuletzt darin ist die enorme Spielfreude der Herren begründet. Auch, wenn man den beiden Saxonisten die körperlichen Anstrengungen des Auftritts anmerkt. Die Setlist ist die selbe wie beim Muskelrock und besteht aus 'Rock'n'Roll Gypsy', 'Strong Arm Of The Law, 'Frozen Rainbow', 'Denim And Leather', 'Dallas 1 PM', 'Crusader', '747 (Strangers In the Night)', 'Princess Of The Night', 'Motorcycle Man' und der Schlussnummer 'Wheels Of Steel'. Geballtes britisches Kulturgut, wobei man auf Stücke vom „Power And The Glory“-Album verzichtet. Das Line-up komplettieren der Sohn von Graham an den Drums, Gavin Coulson an der zweiten Gitarre und Frontmann Bri Shaughnessy. Und besonders mit letzterem hat das Quintett einen Volltreffer gelandet, denn in Sachen Stimme, Ausstrahlung und Humor kann der noch bei Seventh Son tätige Sänger (der beim 'Motorcycle Man' auf den Pfeif-Einsatz verzichtet, aber auch Kutten aus dem Publikum anzieht) locker mit Biff Byford, mithalten. Überhaupt machen die Hobbymusiker sogar mehr Spaß, wie die offizielle Saxon-Version, weil ihr Auftritt in der kauzigen Halle einen gewissen Undergroundspirit freisetzt. Die Herren dürfen nächstes Jahr gerne wiederkommen und einen anderen Set zelebrieren. Klassiker hat man noch genug in der Hinterhand ('Heavy Metal Thunder', 'And The Bands Played On', '20.000 Feet', 'Power And The Glory'), aber auch einige Raritäten, die man von den Herren Byford und Quinn nicht zu hören bekommt, hätten ihren Reiz.

Klassiker haben auch OMEN im Programm, denn die Truppe um Kenny Powell ist neben Jag Panzer wohl der Inbegriff des US-Metal. Im Jahr 2017 hatte er sein Line-up zuletzt komplett ausgetauscht und präsentiert erneut einen neuen Sänger. Nikos Antonoyiannakis (oder in der Kurzform Nikos Migus A.) ist eine klasse Wahl, denn der Grieche hat es nicht nur stimmlich drauf (Stücke von J.D. Kimball kriegt nicht jeder Sänger hin), sondern besitzt auch eine beeindruckende Bühnenpräsenz. Im Mittelpunkt steht aber der Veteran an der Gitarre (63 Jahre!), der wie immer mit freiem Oberkörper spielt, heute eine alberne Totenkopfflagge an seinem Instrument befestigt hat und nach dem souveränen Auftritt das Bad in der Menge sucht. Neben den Göttergaben der ersten Alben (u.a. 'Warning Of Danger, 'Ruby Eyes (Of The Serpent)', 'Last Rites', 'The Axeman', 'Dragon's Breath', 'Torture Me' (vom „Metal Massacre V“)), gibt es die beiden Stücke der neuen „Alive“- Three-Inch-Mini-CD - und auch die können überzeugen. Höhepunkt ist aber das Schlussdoppel 'Battle Cry' und 'Die By The Blade' und so glückt die Deutschlandpremiere mit dem neuen Frontmann, nicht zuletzt, da niemand den unnötigen Gastauftritten von Kevin Goochers Tochter nachtrauert.

Die Karriere von ASHBURY gleicht eigentlich einem Märchen, denn vor fünf Jahren hätte bestimmt niemand darauf gewettet, dass die Truppe aus Arizona ein Festival in Deutschland headlinen würde. Nachdem man im Januar seinen Auftritt beim Metal Assault wegen Krankheit absagen musste, fehlt heute Bassist Joey Moreno. Schon beim Opener sorgt das Quintett für ausgelassene Stimmung und immer wenn die Akustikgitarre umgeschnallt wird und das Keyboard zum Einsatz kommt, sind Gänsehautmomente angesagt. Ähnlich wie The Dead Daisies hat man eine Reihe Cover seiner Haupteinflüsse im Programm (Jethro Tull, REO Speedwagon, The Who, Blue Öyster Cult) und nachdem jahrelang die Stücke des Debüts im Mittelpunkt standen, ist es heute - neben dem gestrigen Auftritt in Bilbao - die offizielle Release-Show des überfälligen neuen Albums „Eye Of The Stygian Witches“ ('Good Guitar' davon hat man schon längere Zeit im Programm). Die Davis-Brüder genießen den Herbst ihrer langen - aber veröffentlichungsarmen - Kariere und werden vom textsicheren Publikum vor allem bei Stücken wie 'Madman' und 'Take Your Love Away' grenzenlos bejubelt. Letztlich ein souveräner zweistündiger Headliner-Auftritt von einer der sympathischsten Bands überhaupt.



Fazit: Bei all dem mehrtägigen Festivaloverkill tut eine eintätige Veranstaltung mit überschaubarem, aber hochkarätigem Line-up richtig gut. Und dass das Harder Than Steel heute seinen Besucherrekord erreicht, spricht für die überschaubare, liebenswerte Veranstaltung in der vereinseigenen Turnhalle des TV 1937 Dittigheim e.V. Störend sind nur der übermäßige Alkoholkonsum einiger Anwesender und die damit verbundenen Bierduschen und Rempeleien. Schon recht früh sind zwei Biersorten ausverkauft und der Veranstalter muss kurzfristig nachordern. Aber auch bei einigen Musikern überschreitet der Alkoholkonsum bestimmte Grenzen. Während die Altrocker von OD SAXON ihren Auftritt mit ein paar Bierchen gepflegt im Backstage genießen, ist bei Kenny Powell ein hoher Level an Alkoholika schon Standard, wogegen CAULDRON-Gitarrist Ian Chains sich auf der Bühne hart an der Grenze des Vertretbaren bewegt und mehrfach torkelt bzw. Einsätze verpasst und das Publikum immer wieder zu „Let's Get Drunk“ auffordert.

Freut man sich auf der Heimfahrt schon auf die nächstjährige fünfte Auflage des Festivals, wird diese Vorfreude beim Blick auf die Facebook-Seite der Veranstaltung massiv getrübt, denn das Festival wird erstmal auf Eis gelegt. Als Gründe nennt der Veranstalter die Flut an Festivals und die Problematik eine hochklassige Besetzung zusammen zu kriegen. Schade!

Pics: Michael Hönninger

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