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END OF GREEN

Bochum, Matrix

END OF GREEN

Die Düsterrocker aus Stuttgart begeben sich mit ihrer neuen Platte „Void Estate“ im Gepäck auf eine Mini-Tour, die am Freitagabend in der Bochumer Matrix Halt macht. Eine Vorband gibt es heute nicht, dafür allerdings knapp zwei Stunden END OF GREEN.

Die mit 21 (!) Songs bestückte Setlist kann sich durchaus sehen lassen. Nach dem noch etwas verhalten gespielten 'Melanchoholic' geht es anschließend mit 'Dead City Lights' ans Eingemachte: Volles Gitarrenbrett, die Baritonstimme von Sänger und Gitarrist Michelle Darkness und die pumpenden Schlagzeugsalven von Mathias „Lusiffer" Siffermann lassen das Herz höher schlagen. Die fünf Schwaben sind sichtlich gut vorbereitet, spielen sich durch die Hits ihrer immerhin schon 25-jährigen Karriere und greifen dabei auf fast jedes Album zurück (bis auf die ersten beiden natürlich). Das zwischendurch angespielte Type-0-Coverstück 'Black No. 1' bleibt aber nur eine Finte und kommt leider über das erste Riff nicht hinaus. Dafür wird an 'Death In Veins' noch recht kunstvoll 'Hurt' von Nine Inch Nails angehängt, so dass schon ein, zwei Takte ins Land ziehen, bis man den Song erkennt. Der Sound ist makellos und lässt nur die Ansagen von Michelle Darkness nicht so wirklich verständlich rüberkommen. Das mag vielleicht auch am Akzent des Schwaben liegen, denn welche Sprache das nun eigentlich ist, kann man nicht mal annähernd erahnen. Die Gesangsdarbietung ist allerdings nahezu perfekt und die Zigarette darf auf der Bühne natürlich auch nicht fehlen. Die Glanzleistungen alter Tage, wie 'Drink Myself To Sleep' und 'Killhoney' werden durch die nicht minder eingängigen Songs der neuen Platte angereichert, wobei vor allem das wunderschön getragene 'Dark Side Of The Sun' hervorsticht. Die gekonnt geplante Balance zwischen den ruhigeren und langsamen Stücken sowie den drückenden Uptempo-Songs lässt keine Langeweile aufkommen.

Ein wenig befremdlich wirkt an diesem Abend nur so manche Publikumsreaktion: Während auf der Bühne ein Mann steht, der Textzeilen singt wie: „Cure my bleeding pain, with razorblade. It's in my veins, I'm lost in life” oder „See my world is down now, a little piece of lies. Empty rooms and sad eyes“, wird dazu geklatscht, als ob die Lufthansa gerade in Palma de Mallorca gelandet wäre. END OF GREEN nehmen sich natürlich immer gerne selbst auf die Schippe und lassen auch des Öfteren den durchaus amüsanten schwarzen Humor durchblicken, aber diese Mitklatsch-Arien sind dann im Verhältnis zur Musik etwas schwer nachzuvollziehen. Nichtsdestoweniger passt die Stimmung ansonsten ausgezeichnet und das Set wird mit sechs Zugaben abgeschlossen von denen die letzten drei Stücke allesamt vom neuen Album stammen. Ein starker Auftritt mit erstaunlich langer Spielzeit und mal ehrlich: Es ist auch zur Abwechslung mal sehr angenehm, wenn wirklich nur die Band spielt, die man tatsächlich sehen möchte, und dies dann noch in so ausgedehntem Maße. Respekt Jungs!

 

Pic: Stefan Hackländer