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REZET, DR. LIVING DEAD!, COMANIAC

München, Backstage

DR. LIVING DEAD!

Das Münchner Backstage, Kultstätte für Musik jedes Subgenres, wird zum Behandlungszimmer: Die skelettierten Ärzte von Dr. Living Dead! geben sich die Ehre, der bayerischen Landeshauptstadt einen kräftigen Crossover-Tritt in den Allerwertesten zu verpassen. In Kombination mit dem Old-School-Nachwuchs von Rezet und Comaniac versprechen die Skandinavier jedenfalls einen actiongeladenen Abend.

Und den eröffnen REZET aus Schleswig-Holstein mit kompromisslosem Gebretter der klassischen Art. Wie von der Tarantel gestochen hetzen die Jungs durch ein atemloses Set aus schnörkellosen Highspeed-Thrash. Innovation geht anders, als vor Energie übersprudelnder Einheizer erfüllen die Jungspunde ihre Rolle aber perfekt. Schade, dass diese Power schlussendlich nicht mehr Kuttenträger vor die Bretter treibt und die Band gegen klaffende Lücken im sowieso nicht übermäßig großen Backstage-Club anspielen muss.


Damit sehen sich unglücklicherweise auch die Schweizer von COMANIAC im Anschluss konfrontiert. Zwar füllen sich die Lücken, je näher der Auftritt der Hauptband rückt, doch das Publikum reagiert weiterhin eher verhalten. Dabei knüpft die Company Of Maniacs nahtlos an den von Rezet ausgerollten Knüppelteppich an und zeigt sich songtechnisch sogar einen Zacken ausgereifter. Das Material kracht noch abwechslungsreicher und melodischer (besonders bei den erstklassigen Soli) in die Runde und erhöht die Zahl der kreisenden Matten. Einen mehr als ordentlichen Support-Doppelschlag, den sich die Protagonisten des Abends da ins Boot geholt haben.

Dass heute aber tatsächlich jeder wegen DR. LIVING DEAD! gekommen ist, beweist die Zuspitzung der Stimmungslage im Raum, als die vier totenbeschädelten Doktoren aus Schweden ohne Narkose oder örtliche Betäubung mit der Behandlung beginnen. Es ist geradezu übermenschlich, welche Kräfte die räudige Mischung aus frühen Anthrax und den Suicidal Tendencies bei den immerhin nicht allzu zahlreich erschienenen Fans hervorruft. Andererseits: Wer einen derart rasanten Killeropener wie 'Coffin Crusher' vom aktuellen Langspieler „Cosmic Conquerer“ im Repertoire hat, dreht seinem Publikum sowieso schon nach den ersten geschredderten Akkorden das Kleinhirn auf links. Dr. Mania, Dr. Toxic, Dr. Slam und Dr. Rad wüten, wirbeln und springen über die Bühne, zitieren Judas Priest und Slayer (das charakteristische Schlagzeugintro von 'Painkiller' sorgt für weitere Begeisterungsstürme) und stacheln pausenlos ihre Fans an, die sich eine regelrechte Staubschlacht liefern. Gerade wenn die Band eruptionsartige Rasereien wie 'Civilized To Death', 'Cosmic Conquerer' oder 'TeamxDeadx' und deren rasiermesserscharfe Riffmassaker von der Bühne häckselt, kocht der Club über. Doch auch bei schweren Midtempo-Brechern der Marke 'Another Life' oder 'Can't Kill The Dead' mobilisiert das Publikum jeden Nackenmuskel und meißelt die eigene Begeisterung mit dem Schädel in die stickige Konzertluft. Was für eine Live-Band! Wenn die New Wave Of Thrash Metal auch weiterhin von Qualitätsträgern wie Dr. Living Dead! angeführt wird, muss man sich um das Erbe von Slayer, Exodus, Anthrax und Co. nicht die geringsten Sorgen machen.

 

Pic: Simon Bauer

 
 

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