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CAULDRON, MIDNIGHT PREY, VULTURES VENGEANCE

Berlin, Zukunft am Ostkreuz

Zukunft und Vergangenheit: Immer wieder ist am heutigen Abend am Berliner Ostkreuz zu spüren, wie diese beiden Aspekte aufeinandertreffen und die Stimmung maßgeblich prägen. Das liegt nicht nur am Namen der Lokalität oder der Tatsache, dass die Tour im Rahmen der Veröffentlichung von CAULDRONs neuer Platte mit dem passenden Titel „New Gods“ erfolgt. Denn wo „neue Götter“ in Erscheinung treten, ist auch noch stets das Wirken „alter Götter“ zu spüren. So ist es auch in diesem Fall. Egal, ob man die 2006 gegründeten Headliner oder ihre Unterstützung in Form von VULTURES VENGEANCE und MIDNIGHT PREY noch als „Newcomer“ bezeichnen kann oder will: Der Einfluss früherer (musikalischer) Größen kommt heute immer wieder zum Vorschein.

Los geht es um 20:30 Uhr mit den Hamburger Jungs von MIDNIGHT PREY. Dem kühlen, ermüdenden Herbstwetter zum Trotz kann das Trio mit seiner tighten Performance und dem rotzigen Speed-Metal mit deutlichem NWoBHM-Einschlag sämtliche Müdigkeit im Publikum vertreiben. Der Sound kommt in dem kleinen Raum der „Zukunft“ gut zur Geltung und bietet allen Instrumenten genug klanglichen Freiraum. Songs wie „Street Mafia“ haben nicht nur aufgrund der leicht kauzigen Stimme von Sänger und Gitarrist Winston van Eisenbier deutlichen Wiedererkennungswert und sorgen für gute Laune bei dem leider nur ungefähr zwanzig Personen großen Publikum – ein Umstand, an dem sich im Verlauf des Abends leider nicht viel ändern soll. Auch schade ist es, dass der Gig nach einer knappen halben Stunde schon wieder vorbei ist. Doch der starke Auftritt bleibt auf jeden Fall in positiver Erinnerung, auch aufgrund der schönen Verbeugung vor dem am 27. Juli diesen Jahres verstorbenen Mark „The Shark“ Shelton. Gegen Ende ihres Sets performen MIDNIGHT PREY nämlich ein Cover des Manilla-Road-Klassikers 'Necropolis' vom Album „Crystal Logic“. Es soll nicht das letzte Mal bleiben, dass die Erinnerung an den Kult-Sänger in Erinnerung gerufen wird.

Zum Auftritt von VULTURES VENGEANCE hat sich immerhin die Anzahl der Zuschauer knapp verdoppelt. Die Italiener liefern dem Publikum eine knappe Stunde lang episch angehauchten Heavy Metal, der mit seinen gedoppelten Soli und galoppierenden Leads mehr als einmal an die New Wave of British Heavy Metal und – natürlich – besonders Iron Maiden denken lässt, während Sänger Tony T. Steele teilweise erstaunlich nach dem Hansi Kürsch (Blind Guardian) der Neunziger klingt. Die Stimmung der Songs und verschiedene Spoken-Words-Interludien beschwören hingegen Erinnerungen an alte Manowar oder eben Manilla Road. So ist es auch nicht verwunderlich und eine weitere schöne Geste, dass Tony eine kurze Ansprache hält und VULTURES VENGEANCE Mark Shelton einen ihrer Songs widmen. Leider gibt es am Auftritt des Quartetts auch Grund zur Kritik. Die Instrumente kommen zwar wieder differenziert aus den Boxen, sind allerdings so laut abgemischt, dass ein Großteil des Gesangs darin untergeht. Schade drum. Außerdem klingen einige Songs der Band noch sehr ähnlich, sodass zwischenzeitig etwas die Abwechslung fehlt. Aber auch diese beiden Kritikpunkte ändern nichts an einem spielfreudigen, starken Auftritt, der definitiv für Laune sorgt.

Von dem Moment an, als CAULDRON die Bühne betreten, herrscht ausgelassene Stimmung im kleinen, aber motivierten Publikum. Man durfte zuvor gespannt sein, ob die etwas Hard-Rock-lastigere Ausrichtung des jüngst veröffentlichten (starken) Werks „New Gods“ irgendwelche Auswirkungen auf den Live-Sound des kanadischen Trios hat. Die Antwort: Es findet eine starke Wechselwirkung statt. Im Detail bedeutet das, dass neue Songs wie 'Prisoner Of The Past' oder 'Letting Go' auf der Bühne etwas roher und ungeschliffener rüberkommen als auf der Platte, sich im Gegenzug aber auch die entspannte, lockere Atmosphäre des neuen Albums auf die Performance älterer Tracks wie 'Nitebreaker' oder 'End of Time' auswirkt. Während der etwas über einstündigen Performance serviert die Band ihrer Zuhörerschaft einen geschmackvollen Querschnitt der fünf bislang veröffentlichten Alben. Keine Schaffensphase wird außer Acht gelassen und das Publikum feiert Band-Oldies wie 'Chained Up In Chains' genau wie neues Material à la 'No Longer'.
 Besonders sympathisch wird der Auftritt durch ein Flair von Improvisation. So gibt es laut Aussage von Gitarrist Ian Chains keine festgelegte Setlist und daher immer wieder kurze Absprachen unter den Bandmitgliedern. Der Stimmung vor und auf der Bühne tut das allerdings keinen Abbruch. Besonders gelobt werden muss an dieser Stelle außerdem die inzwischen deutlich gereifte Gesangsleistung von Sänger und Bassist Jason Decay. Der gute Mann klingt stellenweise nach einem gut aufgelegten James LaBrie (Dream Theater) und weckt hier und da sogar leichte Erinnerungen an Steve Perry (ex-Journey). Alles in Allem krönen die sympathischen Kanadier mit ihrem bockstarken Auftritt in der „Zukunft“ einen phantastischen Abend, der zwar immer wieder Erinnerungen an die Vergangenheit hervorruft, allerdings gleichermaßen sicherstellt, dass man sich auch über klassischen Heavy Metal im 21. Jahrhundert keine Sorgen machen muss. Ob hier eine Grundlage besteht, die Rolle der „New Gods“ einzunehmen? Das wird die Zukunft zeigen.

 
 

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