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NOCTE OBDUCTA, OPHIS, CTULU, DAMNATION DEFACED, DOOMAS, FVNERAL FVKK

ARKHAM ADVERTISER FEST 2018

NOCTE OBDUCTA

In diesem Jahr feiert das Arkham Advertiser-Tagesfestival im Bremen seine Premiere. Früher unter dem Namen „Freie Geister Festival“ bekannt, wagen die Veranstalter um die Band CTULU einen Neuanfang und haben dazu ein vielseitiges Line-up auf die Beine gestellt. Kurz nach Beginn sind die letzten Tickets an der Abendkasse vergriffen und das Event entsprechend ausverkauft.

FVNERAL FVKK spielen heute ihren ersten Gig, doch sind die fünf Hamburger keine Neulinge im Geschäft. Die Bandmitglieder sind zum Großteil bei Ophis, bzw. bis vor kurzem Fäulnis aktiv und präsentieren sich in dunklen Priesterroben und Kruzifix-Anhängern. Ihr souverän umgesetzter Doom Metal steht in musikalischer Verwandtschaft zu Candlemass und Pantheist, man kokettiert aber spürbar mit kirchlichen Tabus und auch die Ansagen im Gottesdienst-Style lassen vermuten, dass man 'Underneath The Phelonion' nicht besonders fromm ist und mehr auf Mayhem oder Belphegor steht. Der sakrale Gesang ist übrigens sehr gekonnt umgesetzt.

Der Übergang zum Groove-Death-Metal der Niedersachsen DAMNATION DEFACED ist atmosphärisch nicht wirklich geglückt, aber alle, denen vorher eher nach Sandmännchen als nach Party war, stehen jetzt kerzengerade in der Menge. Der Sound ist – wie leider auch am Rest des Abends – nicht sehr differenziert und Feinheiten der Gitarrenmelodien gehen in Brei oder unter zu lauter Snaredrum unter. Dabei ist bei DAMNATION DEFACED handwerklich alles im grünen Bereich und Frontmann Philipp nutzt den Freiraum der kleinen Bühne so weit wie möglich, schwitzt, bangt und schneidet Grimassen. Vom Publikum gibt’s am Ende beachtlichen Applaus.

DOOMAS aus dem slowakischen Nová Baňa können mich anschließend nicht überzeugen. Ihr solider Doom/Death bekommt regelmäßige Uptempo-Passagen spendiert, ist aber vom Songwriting her stockkonservativ und berührt weder durch Emotionalität, noch pusht es durch Durchschlagskraft und Härte. Das anfeuernde „Hey, Hey, everybody…“ von Basser/Front-Growler Peter wirkt plump und die Achtsaiter eines Gitarristen unnötig dick aufgetragen. Da das argumentative Fahrwasser hier selbstredend subjektiv ohne Ende ist, soll erwähnt sein, dass zahlreiche Gäste Gefallen an DOOMAS‘ Show finden und deren Köpfe fleißig mitnicken.

Die Gastgeber CTULU sind trotz professioneller Organisation und ausverkauftem Haus heute vom Pech verfolgt. Nach einer unerwartet langwierigen Anreise des mittlerweile in Polen ansässigen Gitarristen A, liefern auch Licht und Sound keine optimalen Resultate. Die Band selbst kann wenig dafür und macht das Beste draus. Die geschwungenen Custom-Gitarren der Firma Schloff Guitars werden in Hochgeschwindigkeit bespielt und die aufwändigen Mäntel und Masken runden die optische Seite der Show ab. CTULUs Material zieht Inspiration aus allen Lagern des Extreme-Metals und bietet neben schnellem Geblaste und Tremolo-Melodien auch Thrash-Riffs á la Metallica in den frühen Achtzigern. Interessante Mischung, die live noch etwas mehr Volumen und Tiefe vertragen könnte. Interessante Mischung, die live noch etwas mehr Volumen und Tiefe vertragen könnte.

OPHIS ziehen danach die Funeral-Doom-Bremse und haben kaum Speed, dafür den bislang fettesten Sound des Abends mit abgrundtiefen Growls am Start. Die elegische Melodieführung und gelegentliche Reduktion auf cleane Gitarren sind sehr wohltuend, wenn man bereits fünf Stunden im beengten Magazinkeller steht. Vor der Bühne ist kaum Platz mehr, was für das Standing der Band hier nahe ihrer Hamburger Heimat spricht. Die 2016 neu eingestiegenen Steffen (Drums, auch bei Cryptic Brood) und Simon (Gitarre, auch Sänger bei Fvneral Fvkk) sind bestens integriert und Sänger/Gitarrist Philipp bedankt sich zum Finale beim begeisterten Publikum: „Bremen, es war uns eine Ehre!“

Mittlerweile ist es halb zwölf, als die kauzigen Mainzer NOCTE OBDUCTA nach langen Soundcheck-Schwierigkeiten mit dem dreckigen Punkstück 'Niemals gelebt' in ihr Set starten. Alle, die den Werdegang des Kollektivs über die Jahre mitverfolgt haben, wissen, dass ihre Musik sich nicht über ein bestimmtes Genre definieren lässt und es doch niemanden sonst gibt, der so einzigartig Eigensinn und einen gewissen Konservativismus (analoge Aufnahmen, Einflüsse aus Krautrock der 70er und uralt-Black/Death) miteinander verbindet. Ein Fan neben der Bühne wünscht sich den Song 'Vorbei'. Gitarrist Marcel kommentiert: „Niemals, das ist das schlechteste was ich jemals geschrieben habe.“ Humor hat und hatte immer seinen Platz im Schaffen von NOCTE OBDUCTA, wenngleich die Hintergründe zu den Texten stets ernster Natur sind. Meine Favoriten heute sind 'Anis' vom zweiten Teil der „Nektar“-Alben und das aktuellere, auch live sehr eingängige 'Die Pfähler'.

Um halb eins ist es Zeit, die Heimreise anzutreten, doch da Bremens Metalszene derzeit sehr aktiv ist, kann nur empfohlen werden, der Hansestadt Aufmerksamkeit zu schenken.

 

Pics: Hendrik Meiners

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