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ARCH ENEMY, TRIBULATION, WINTERSUN, JINJER

Geiselwind, Eventzentrum

ARCH ENEMY

Die Entscheidung der Veranstalter, die Show aufgrund großer Nachfrage in die größere Eventhalle umzudisponieren, entpuppt sich bereits vor Beginn des Konzerts als kluger Schachzug. Spätestens eine Viertelstunde vor Einlass zieht sich die Schlange bereits im großen Bogen bis hinter die Halle. Kein Wunder, haben sich doch sowohl ARCH ENEMY im Laufe ihrer Karriere eine große Fanbase aufgebaut als auch WINTERSUN, die sich mit ihrem bombastischen Melodic-Death-Metal schon lange einen Namen gemacht haben. Und auch TRIBULATION sind inzwischen über den Underground hinaus bekannt. Es verwundert also nicht, dass diese Kombi ein breites Publikum anzieht.

Den Auftakt liefert allerdings das Quartett JINJER, laut eigener Website „the Ukraine's best-kept extreme metal secret", das dem Publikum einen Einstieg irgendwo zwischen Metalcore, groovigen Parts und verspielten Elementen bietet. Das klangliche Korsett der Band ist auf jeden Fall bestens dafür geeignet, um zu demonstrieren, dass alle beteiligten Musiker ordentlich was auf dem Kasten haben. Der größte Respekt gebührt allerdings Frontfrau Tatiana Shmailyuk, die abseits von ihrer Patrick-Star-Gedächtnishose auch ein starkes Organ zu bieten hat, mit dem sie mühelos zwischen harschen Screams, rockigem Klargesang und finsteren Growls variieren kann. Hut ab! Einzig den Songs fehlt in dem ständigen Wechsel zwischen stampfenden Teilen, Raserei und ruhigen Parts manchmal der rote Faden und die Rechnung geht nicht immer auf. Trotzdem: Eine sehr tighte und spielfreudige Performance der Band, die einen guten Einstieg in den Abend bietet.

TRIBULATION mögen vielleicht stilistisch mit ihrem angeschwärzten Death-Metal am wenigsten in die Konstellation des Abends passen, das bedeutet allerdings noch lange nicht, dass der Sound der Schweden hier nicht funktioniert, ganz im Gegenteil. Bereits bei dem Opener 'Lady Death' vom neuen Album „Down Below", das erst am vorherigen Tag das Licht (oder in dem Fall eher die Dunkelheit?) der Welt erblickte, hat man das Gefühl in einen düsteren Malstrom hinein gezogen zu werden. Ansagen gibt es zwar abseits von „We are Tribulation!" und ein paar Worten zum neuen Werk kaum, aber dafür lässt die Band ihre Songs stimmig ineinander laufen und verstärkt somit die Sog-Wirkung ihres Sounds noch. Obendrauf gibt's noch das wunderbar fiese Gekrächze von Frontmann Johannes Andersson und schon ist eine knappe Dreiviertelstunde atmosphärisch gefüllt. Starker Auftritt!

Als WINTERSUN die Bühne gegen 20 Uhr betreten, ist die Halle bereits mehr als ordentlich gefüllt. Von der Sekunde an, in der Jari Mäenpää breit grinsend die Bühne erstürmt, hat er das Publikum in seinen Händen. Egal, ob es darum geht mitzusingen oder die Fäuste zu heben: Das Publikum macht, was der gut gelaunte Frontmann verlangt. Die Band liefert einen perfekten Querschnitt der drei veröffentlichten Alben ab, da von jeder Platte zwei Songs zum Besten gegeben werden. Und wer sich fragt, ob die Lieder von den letzten beiden an Tonspuren nicht gerade armen Scheiben „Time I" und „The Forest Seasons" live funktionieren: Das klappt gut. Natürlich ist der bombastische Sound auch hier ein Markenzeichen von WINTERSUN und die Chöre kommen vom Band, aber dadurch wird der starken Arbeit an den Gitarren und den Drums wesentlich mehr Freiraum gegeben. So ist es egal, ob das Vierergespann Songs wie 'Winter Madness', 'Sons Of Winter And Stars' oder 'Awaken From The Dark Slumber' abliefert. Sie werden alle gleichermaßen vom Publikum gefeiert und es herrscht durchgehend Partystimmung.



Durchgängig gefeiert wird auch ab dem Zeitpunkt, zu dem ARCH ENEMY die Bühne betreten (bei denen es sich laut der Seite des Eventzentrums übrigens um die „Melodic Metal Masters" handelt - wieder was gelernt). Vom Opener 'The World Is Yours' an singt, screamt und growlt das Publikum die Songs textsicher mit und trainiert die Nackenmuskulatur durch intensives Headbangen. Im Vergleich zum Auftritt von Wintersun ist zwar auffällig, dass Alissa White-Gluz zwei bis drei Songs braucht, um das Publikum zum Mitmachen zu bewegen, dann springt der Funke aber richtig über und die Masse macht alles, was verlangt wird. Über die Performance des blauhaarigen Energiebündels muss man sowieso keine weiteren Worte verlieren. Wie sich die sympathische Frontfrau voller Inbrunst durch das 1 1/2-stündige Set keift und brüllt, ist einfach beeindruckend. Ebenso eindrucksvoll ist natürlich die Arbeit der Instrumentalfraktion, besonders, was Michael Amott und Jeff Loomis hier abziehen. Die beiden Saitenhexer riffen, solieren und shredden sich einfach irrsinnig durch die Songs und lösen das ein oder andere Luftgitarrenspiel im Publikum aus. Außerdem wird eine Setlist geboten, die keinerlei Wünsche offen lässt und sich nicht allein auf die White-Gluz-Ära, also „War Eternal" und „Will To Power" fokussiert, sondern ebenso durch Klassiker wie 'Ravenous', 'Bloodstained Cross', 'Dead Bury Their Dead' oder 'Nemesis' Fan-Herzen höher schlagen lässt. Doch auch das bei der Auskopplung vielerorts als zu süßlich verschriene 'The Eagle Flies Alone' wird live zum veritablen Hit, der lauthals mitgesungen wird. Egal welche Ära ihres Schaffens ARCH ENEMY präsentieren: Das Publikum haben sie auf ihrer Seite. Und so krönen sie als Headliner einen Abend, der mit seinen fünf Stunden vielleicht lang gewesen seien mag. Doch langweilig war er zu keiner Sekunde.



Setlist ARCH ENEMY:

1.   The World Is Yours
2.   Ravenous
3.   Stolen Life
4.   The Race
5.   War Eternal
6.   My Apocalypse
7.   Blood In The Water
8.   You Will Know My Name
9.   Bloodstained Cross
10. The Eagle Flies Alone
11. Dead Eyes See No Future
12. As The Pages Burn
13. Intermezzo Liberté
14. Dead Bury Their Dead
15. We Will Rise
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16. Avalanche
17. Snow Bound
18. Nemesis
19. Fields Of Desolation (Outro)

Pics: Thorsten Seiffert (www.facebook.com/rnrreporter)

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