Da unsere Rock-Guerilla-tv-Moderatoren beim Schwatzkasten (nachzulesen in Heft 273) nicht zu bremsen waren, gibt es hier weitere Auszüge.
Hat euch eine Frau schon mal vor die Wahl gestellt: die Musik oder ich?
Gerre: »Ja. Ich hab beide behalten (lacht), also zumindest für eine gewisse Zeit. Da war ich noch ziemlich jung, so Anfang zwanzig. Da ging das gerade ganz gut los mit TANKARD. Da wurde ich dann auch mal vor die Wahl gestellt. Aber eigentlich war das nie eine Wahl für mich.«
Bobby: »Nein, aus dem ganz einfachen Grund, weil ich so was immer direkt vorher abkläre.«
Wie steht es um die Kondition? Würdet ihr eher einen 1500 Meter Lauf oder eine Kiste Bier schaffen?
Bobby: »Ganz klar, in meinem aktuellen Zustand: Beides, wobei die 30 Bier jetzt wohl ein größeres Problem wären, als die 1500 Meter. Aber ich bin am Mittwoch noch 11 Kilometer in etwas über einer Stunde gelaufen.«
Gerre: »Aufgrund meiner diversen Fußballverletzungen kann ich ja nicht mehr laufen, aber mein momentaner Konditionsstand sieht so aus, dass 30 Bier eigentlich schon nicht mehr zu schaffen sind. Von daher würde ich wohl doch den 1500-Meter-Lauf bevorzugen.«
Bobby: »Was bei dir wohl eher ein 1500-Meter-Gang wäre.«
Gerre: »Kann sein, aber 50 Bahnen schwimme ich locker.«
Bobby: »Ja sicher. Wale können ja sowieso gut schwimmen!«
Gerre: »Fett schwimmt oben.«
Was war die übelste Business-Abzocke, die ihr je erlebt habt?
Gerre: »Als die Mauer gefallen ist, gab es das „Thrashing East“-Festival im März 1990 in Ostberlin, mit über 7000 Zuschauern. Wir haben dann schon mal den Fehler gemacht, uns das in Westmark, statt in Ostmark auszahlen zu lassen, wir wussten ja noch nichts von der Währungsreform. Und auf das Geld von den tausenden von T-Shirts, die wir da verkauft haben, da warte ich heute noch drauf.«
Bobby: »Für mich persönlich…«
Gerre: » ... du wirst ja eh nur abgezockt.«
Bobby: »Ja, davon abgesehen, dass ich eh nur abgezockt werde, wollte ich mir auch mal was kaufen, ich sag aber nicht, was. Hat aber mit Musik zu tun. Jemand meinte dann, das kannst du über mich laufen lassen. Demjenigen habe ich dann einen vierstelligen Betrag gegeben. Ich bekam das, was ich wollte, ich bekam aber auch zwei Monate später eine Mahnung von der Firma. Die Firma hat mir dann aber glücklicherweise geglaubt, dass ich schon bezahlt habe, weil derjenige, der das gemacht hat, kein Unbekannter war.«
Wovor habt ihr Angst?
Bobby: »Höhe, das war im Moviepark tatsächlich eine ganze schöne Herausforderung.«
Gerre: »Ja, Höhenangst habe ich auch. Die vier Meter waren schrecklich. Unsere Generation hat ja keinen richtigen Krieg miterlebt, man kennt das ja nur aus dem Fernsehen. Ich glaube, davor hätte ich Angst.«
Hat euch schon mal ein Fan so richtig genervt?
Gerre: »Nein, überhaupt nicht (lacht).«
Bobby: »Also, es wäre gelogen, wenn ich nein sagen würde.«
Gerre: »Es gibt manchmal Leute, die viel zu viel Alkohol trinken – was ich ja schon mal von vornherein Scheiße finde – die können dann schon mal ein bisschen anstrengend sein, aber extrem genervt haben nur wenige. In den Achtzigern, wo das mit TANKARD los ging, war das noch ganz witzig, da haben irgendwelche Leute unsere Privatnummern herausgekriegt und haben ständig bei uns angerufen und in den Hörer gebrüllt: „Hier ist der Bier-Wolf“. Das hat dann schon irgendwann ein bisschen genervt.«
Bobby: »Es fängt immer dann an zu nerven, wenn die Leute nicht merken: Jetzt wird es zu viel. Ich bin wirklich offen für Kontakte mit Fans und unterhalte mich nach Shows oft Stunden lang. Aber das ist fast ausschließlich ein Problem des Auslandes.«
Gerre: »Manchmal ist es auch echt ein Problem, wenn man eine Show gespielt hat, fix und fertig von der Bühne kommt und einfach nur mal zehn Minuten ausdampfen will - und dann schon die ersten Leute auf dich warten. Aber insgesamt ist es mit den Metalfans eher amüsant.«
Ihr seid beide als trinkfreudige Gesellen bekannt. Wie bekämpft ihr einen Kater?
Gerre: »Ich würde mal sagen, diese Behauptung ...«
Beide zusammen: ... ist völlig aus der Luft gegriffen!«
Gerre: »Bei mir ist das mittlerweile ganz komisch mit den Kater, wahrscheinlich weil ich morgens noch so viel Restalkohol habe. Im Laufe des Tages baue ich dann immer mehr ab und so wirklich kann man die Katererscheinungen in dem Alter auch nicht mehr bekämpfen. Entweder man macht weiter mit dem Getränk, mit dem man auf gehört hat, oder man versucht sich durch den Tag zu quälen. Am nächsten Tag geht es dann wieder.«
Bobby: »Einen echten Kater hab ich nicht. Ich bin nur total schlapp und lustlos. Kopfschmerzen hab ich relativ selten. Aber insgesamt wird ja nicht mehr so viel getrunken im Hause Schottkowski.«
Gerre: »Ja, die letzten fünf Monate nicht mehr, wir haben uns echt schwer zusammen gerissen.«
Mit wem möchtet ihr niemals zusammen in der Sauna hocken?
Bobby: »Mit Gerre.«
Gerre: »Mit 80 Prozent der Idioten, die mittwochs ins Rebstockbad kommen (lacht).«
Habt ihr schon mal im Knast gesessen?
Gerre: »Ja, mehrfach.«
Bobby: »Mehrfach wäre übertrieben, bei mir waren es zweimal.«
Gerre: »Ich auch zweimal. Einmal in Holland, so 1979. Wir waren mit unserer damaligen Fußballmannschaft auf Austausch bei einem Turnier. Wir meinten, des Nachts irgendwie ein bisschen zu randalieren - und schwuppsdiwupps saßen wir im Knast. Es gab ein Riesentheater, aber unsere Eltern haben es nie erfahren, das war ganz gut. Das zweite Mal war bei einem Fußballspiel in Hamburg, wo ich fälschlicherweise verdächtigt wurde, bei irgendwelchen Scharmützeln dabei gewesen zu sein.«
Bobby: »Ich war beide Male in der Ausnüchterungszelle. Aber immer ohne Randale. Beim ersten Mal muss man die Vorgeschichte kennen: Ich war mit ein paar Kollegen im Auto im Safaripark Stutenbrook. Da haben wir schon angefangen zu saufen und sind leicht angetüdelt durch den Park gefahren. An einer Stelle hat uns ein Elefant gegen die Tür getreten, danach sind wir dann auch abgehauen. In Iserlohn wurden wir dann von der Polizei angehalten. Wir haben uns echt zusammengerissen, aber den einzigen, der die Wahrheit gesagt hat, den haben sie mitgenommen. Der Polizist fragte, was denn mit der Tür passiert wäre, da hab ich gesagt: „Da hat uns ein Elefant reingetreten.“ Das zweite Mal war ziemlich unspektakulär. Die haben mich in Dortmund aufgelesen, hab wohl irgendwo in der Gosse gelegen und bin erst im Knast wachgeworden. An den Zeitraum dazwischen kann ich mich nicht erinnern.«
Gerre: »Da fällt mir noch eine sensationelle Anekdote von unserem Bassisten Frank Thorwarth ein, der mal im minderjährigen Zustand betrunken Mofa gefahren ist. Seine Mutter erreichte dann ein Anruf der Polizei: „Ihr Sohn sitzt bei uns auf der Wache, wenn sie ihn abholen, bringen sie doch bitte eine Unterhose mit.“ Er ist nämlich ohne Hosen gefahren.«
Mit wem würde ihr gerne mal über ein Wochenende in einem Fahrstuhl eingekerkert sein?
Gerre: »Da gibt es eigentlich nur zwei große Persönlichkeiten, einmal Bon Scott, weil es mir leider durch die Gnade meiner Spätgeburt verwehrt geblieben ist, diesen Mann jemals live bewundern zu dürfen. Die zweite Persönlichkeit wäre Roland Kaiser. Auf einer unserer ersten Touren, bei denen wir wirklich gut die Sau rausgelassen haben, meinte unser Busfahrer nur: „Das ist alles pille palle, was ihr hier macht, ich habe schon Roland Kaiser gefahren, der steckt euch alle hundertmal in die Tasche.“«
Bobby: »Ich glaube, Robert De Niro.«
Welche Worte sollen auf eurem Grabstein stehen?
Bobby: »Hier liegt Bobby Schottkowski, denn er ist tot.«
Gerre: »Schwarz-weiß-rot bis in den Tod.«
| 05.10.2012 | Karlsruhe | Substage | ![]() |