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Live-Review
Sziget 2009 – Die wahre Rock-'n'-Roll-Queen


Budapest selbst dürfte wohl die deutscheste aller europäischen Metropolen sein, in denen Deutsch nicht Landessprache ist. Hier finden sich an jeder Ecke DM-, Praktiker- oder Media-Märkte, überall gibt es Rossmann, Lidl oder schlicht und einfach deutsches Bier. Viele Budapester sprechen besser deutsch als englisch, was uns dort immer etwas willkommener heißt als in, sagen wir mal, Paris.



Aber im August eines jeden Jahres wird Budapest für eine Woche zum Schmelztiegel der europäischen Festivalkultur und damit der Vielspachigkeit, wenn auf der Obudai Donau Insel eines der größten Festivals der Welt abgehalten wird: das SZIGET Festival.
Über sieben Tage verteilt feiern auf der knapp 110 Hektar großen Festival-Insel rund 400.000 Festivalgänger über 1.000 auftretende Künstler aus der ganzen Welt – und nicht zuletzt sich selbst.
Für viele seit Jahren der Geheimtipp unter den europäischen Festivals, bietet das Sziget an seinen über 40 Spielstätten eine musikalische Auswahl, wie man sie wohl sonst nirgendwo finden kann.
So kann man sich mit einem frisch gezapften Dreher Bier in der Hand (ca. 1,60 Euro/0,5 Liter) durch komplett bewaldete Wege von Bühne zu Bühne winden. Von FAITH NO MORE auf der Hauptbühne aus, geht man einen lampiongeschmückten Weg zu einer Waldlichtung auf der die katalanische Ausnahmeperformancegruppe LA FURA DELS BAUS eine monumentale Surround-Performance bietet, schlägt sich an einer Comedybühne vorbei zum A38-Zelt, wo Bassist und Elektroniker "Squarepusher" die Massen mit brachialsten Beats und Basssounds aufpeitscht, um nach ein paar Minuten dann im Headbangers-Ball-Zelt TURBONEGRO und anschliessend LIFE OF AGONY zu sehen. Wer dann immer noch nicht genug hat, kann in eines der vielen Partyzelte oder in eine der unzähligen Bars gehen, um auf den Tischen zu tanzen, bis der Bierkonsum jegliche Schutzkraft der zu sich genommenen Nahrung durchbrochen hat.
Apropos Nahrung: Über die ganze Insel verteilt sind Stände, an denen man sich überwiegend überdurchschnittlich gutes und günstiges Essen kaufen kann. Zu den empfehlenswerten Standards gehört hier die indische Küche (ca. 4,30 Euro für eine ordentliche Portion – wie bei den meisten anderen Hauptgerichten auch), wobei es nach gehörigem Alkoholkonsum nichts Besseres als Lángos gibt. Lángos sind in Fett frisch ausgebackene Teichkuchen (man denke an Hefeteig-Krapfen in Pizzaform), die wahlweise mit Knoblauch, Sourcream und Käse überhäuft werden und wahre Wunder der Regenerierung bei zu hohem Alkoholpegel vollbringen.
Nachdem in den letzten Jahren die Booker des Sziget einen großen Teil ihres Budgets in große Namen wie IRON MAIDEN, REM, SEX PISTOLS, NINE INCH NAILS und RADIOHEAD investiert haben, scheint es, dass dieses Jahr ein wesentlich ausgewogenerer Programm-Mix zusammengebucht worden ist, der uns mehr internationale Bands als je zuvor auf die Bühnen gebracht hat. Auf der Hauptbühne tummelten sich Mainstream-Bands wie LILY ALLEN und die MANIC STREET PREACHERS neben den Altrockern von DIE TOTEN HOSEN und THE OFFSPRING und die Britboys von BLOC PARTY und SNOW PATROL neben den Elektrorockern von PENDULUM und THE PRODIGY.
In den Zelten ging die Vielfalt dann in die nächste Runde: Ungarische Metalbands teilten sich die Spielstätte mit internationalen Bands wie SATYRICON, TURISAS, den BACKYARD BABIES oder der legendären Allstar-Death-Metal-Band BRUJERIA (mit Musikern von NAPALM DEATH, CARCASS und CRADLE OF FILTH).
Das Besondere am Sziget ist es aber nicht, nach Programmheft Bands zu sehen, sondern sich treiben zu lassen und an jeder Ecke neue Überraschungen zu entdecken. So finden sich neben Seilbahn und Bungee-Jumping (zum günstigen Preis von 30 Euro) auch Bodywash-Stationen, wo adrette Promoterinnen in Bikinis überhitzte Festivalgänger duschen, thailändische Massagesalons und Chill-out-Zelte zum zwischenzeitlichen Runterkommen.
Generell ist das musikalische Niveau auf dem Sziget so hoch, dass man auch an den vielen kleinen Bühnen bei lokalen Bands hängen bleibt, die sich vor der internationalen Konkurrenz nicht verstecken müssen.
Der allergrößte Teil der Festivalbesucher zeltet auf der Insel. Dort gibt es einige abgetrennte Campingbereiche - allerdings zelten die meisten wild über die Insel verteilt, so dass man das Gefühl bekommen kann, keinen Schritt abseits eines Weges setzen zu können, ohne in jemandes Vorgarten zu treten. Für alle, die aus dem Alter fürs Zelten raus sind (oder nie drin waren), bieten sich in Budapest zahlreiche, oft günstige Unterbringungsmöglichkeiten in Hotels, Hostels und Appartments. Zur Insel kommt man bequem mit der Fähre von der Margit-Brücke oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln, die zur Festivalzeit nahezu die ganze Nacht durchfahren.
Das Phänomen SZIGET lässt sich leider nur sehr begrenzt in Worte fassen, da es die Atmosphäre ist, die es wirklich ausmacht. Bisher hat noch jeder, der einmal dort gewesen ist, bestätigt, dass es kein wirklich vergleichbares Festival in Europa gibt, und man im nächsten Jahr wieder zum Sziget nach Budapest reisen will.
Oder wie die SUBWAYS auch auf dem Sziget so passend gesungen haben: "You are the sun, You are the only one, You are so cool, You are so rock and roll. Be my, be my, be my little rock and roll queen!"

Nicola Ternette

und

Autor: Thorsten Vogel


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Reviews von BOON
  BOON -- The Almighty Love (Album)
Verfasser:Buffo Schnädelbach
Note:8,5
RH-Ausgabe: 274




Stories von Thorsten Vogel
  Sziget 2009 – Die wahre Rock-'n'-Roll-Queen (Live-Review - )



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