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Interview
WALTARI - Sex im Biergarten
WALTARI

WALTARI zeigen sich seit der Rückkehr ihres langjährigen Gitarristen Sami Yli Sirniö ziemlich veröffentlichungswütig. Gerade mal ein Jahr nach dem Konzeptwerk "Blood Sample" leiert sich die Truppe um Pumuckl-Lookalike Kärtsy Hatakka schon wieder ein neues Werk namens "Release Date" aus den Rippen. Auch diesmal kommt neben den Spaßnummern die proggressive Note nicht zu kurz.



Da Musiker ja immer gerne betonen, dass die neueste Veröffentlichung das beste Werk der Bandgeschichte sei, die Frage vorweg:
Was gefällt dir an "Release Date" besser als an "Blood Sample"?
Kärtsy: Ja, das ist tatsächlich so. Mir gefällt wirklich unser jeweils aktuellstes Album am besten. Aber alle Alben repräsentieren einfach das, was wir zu der Zeit gemacht haben. Jedes Album war wichtig für unseren Werdegang. Und "Release Date" ist nicht weniger wichtig als die anderen, zuletzt weil ich auch sehr zufrieden mit der Platte bin.

Das Bandfoto auf der Rückseite lässt vermuten, dass ihr ein neues festes Bandmitglied habt.
Kärtsy: Ja, Janne (Immonen -rb) war schon an der Entstehung des letzten Albums stark beteiligt. Wir fanden es fair ihn als festes Bandmitglied an Bord zu holen, da er diesmal mehr Zeit im Studio als manch anderer von uns verbracht hat. Er ist ja auch schon seit ein paar Jahren live mit uns unterwegs und teilt sich mit mir die Keyboard- und Basspassagen.

Der Titel des neuen Albums zeigt in gewisser Hinsicht den typischen WALTARI-Humor, oder?
Kärtsy: Es ist auch eine Menge Ironie dabei. Es ist ein Wortspiel, was für vieles stehen kann. Wir warten nämlich auf den Tag der Erlösung von diesem kommerziellen Denken im Musikgeschäft. Andererseits kann mit "Date" auch das Date mit einem schönen Mädchen gemeint sein.

In einer Videodokumentation zu dem Song 'Wish I Could Heal' kann man sehen, dass du und Jariot vor dem Studio sitzen und einen Song einspielen. Wie kamt ihr auf die Idee?
Kärtsy: Ja, das war eine Aufnahme für den ersten Song, 'Get Stamped'. Unser Gitarrist Jariot (Lehtinen -rb) hatte die Idee, in der Mitte einen Akustikteil einzubauen. So kamen wir auf die spontane Idee uns vor das Studio zu setzen, um eine bestimmte Atmosphäre zu kreieren.

Wie kamt ihr auf die Idee mit 'Cityshamaani' eine 36-minütige Mini-Oper auf das Album zu packen?
Kärtsy: Wir sind bereits während der Arbeiten zu "Blood Sample" in eine Prog-Rock-Richtung abgedriftet. Zu dem Zeitpunkt hatten wir uns schon entschlossen, dass auf dem nächsten Album eine Nummer stehen muss, die mindestens 20 Minuten dauert. Ich liebe die alten Progbands, die diese langen Epen geschrieben haben. Außerdem ist es ein starkes Statement gegen diesen ganzen kommerziellen Radiomüll.

Worum geht es in 'Cityshamaani'?
Kärtsy: Es erzählt eine Geschichte von diesen alternativen Menschen, die im Untergrund oder in besetzten Häusern leben. Diejenigen, die verneinen, einem täglichen Job nachzugehen. Das sind für mich die "Schamanen der Stadt".

Auf der anderen Seite habt ihr mit 'Let's Puke Together' und 'Sex In The Beergarden' zwei Texte, deren Entstehung einen gewissen Alkoholpegel vorausgesetzt haben muss.
Kärtsy: Ja, da greifen wir diese typische finnische Party-Mentalität auf. Die Songs sind dafür da, die Atmosphäre des Albums etwas aufzulockern.

Daneben habt ihr noch zwei Songs, die musikalisch sehr in eine Richtung tendieren, und zwar 'Get Stamped' und 'Wish I Could Heal'. Das sind eure typischen Rocknummern, die eine poppige Note tragen.
Kärtsy: Ja, wir wollten ein paar Nummern machen, die auch im Radio gespielt werden können, um unsere Plattenfirma nicht zu sehr zu erschrecken (lacht). 'Wish I Could Heal' wird im finnischen Radio auch schon gespielt.

Was ist schwieriger zu komponieren: Etwas Melodisches oder die verrückten Stücke?
Kärtsy: Das verrückte Zeug ist meist einfacher. Aber ich mag nun mal Melodien. Mir fallen so oft Melodien ein, die ich dann auch gerne für WALTARI benutzen möchte. Ich denke, wir haben da eine gute Mischung aus Melodien und verrücktem Zeug am Start.

Auf "Blood Sample" habt ihr auf einen Song von 1989 zurückgegriffen ('Too Much Emptiness'). Befindet sich auf "Release Date" auch älteres Material?
Kärtsy: Nein, lediglich 'Sex In The Beergarden' ist ein Überbleibsel aus den "Blood Sample"-Sessions. Der Song stand in dem Europa-Konzept des letzten Albums übrigens für Deutschland, haha!

Ich finde, eure Musik und Herangehensweise kann teilweise mit den Werken von Devin Townsend verglichen werden, da ihr eine ähnliche Mischung aus abgedrehten Songs und wunderschönen Melodien fabriziert. Hörst du den Vergleich oft?
Kärtsy: Ja, ich hab den Vergleich schon mal gehört, das macht mich neugierig. Ich kenne nicht viel von seiner Musik. Von daher kann ich den Vergleich nicht so gut einschätzen. Ich kann nur sagen, dass mein Einfluss nicht nur aus dem Metal-Bereich stammt, da kommt auch viel aus dem Elektronik- und Punkbereich.

Da Mr. Townsend ja ein ähnlich breit gefächertes Musikspektrum beackert, dürfte eine gemeinsame Tour ein echtes Erlebnis sein.

www.waltarimusic.com

Pic: Jani Mahkonen/Loma Graphics Oy 2006

Autor: Ronny Bittner


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